Papst gegen Gender-Theorie "Ein Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören"

Mit ungewöhnlich heftigen Worten hat Papst Franziskus die Gender-Theorie kritisiert. Die bekämpfe erbittert klassische Familienmodelle, mit seiner Meinung nach gefährlichen Waffen: Ideen.

Papst Franziskus im georgischen Mtskheta
REUTERS

Papst Franziskus im georgischen Mtskheta


Papst Franziskus hat auf seiner Reise durch den Kaukasus die Gender-Theorie als "Feind der Ehe" bezeichnet. "Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche italienischen Medienberichten zufolge. "Aber sie wird nicht mit Waffen zerstört", zitiert ihn etwa der "Corriere della Sera", "man zerstört sie mit Ideen."

"Die Ehe ist die schönste Sache, die Gott geschaffen hat", sagte der Geistliche laut der Zeitung "La Repubblica" zur Begründung. Er sprach über die "ideologischen Kolonisationen", wie er die Gender-Theorie nannte, in einer Kirche im georgischen Tiflis. Dort beantwortete er bei einem Treffen mit Priestern und Priesteramtsanwärtern die Fragen gläubiger Katholiken in dem mehrheitlich christlich-orthodoxen Land.

Auf seiner Reise durch Georgien hatte Franziskus am Samstag die orthodoxen Christen zu Offenheit und Dialog aufgerufen. "Es tut nicht gut, sich an ein in sich geschlossenes kirchliches Mikroklima zu gewöhnen", sagte Franziskus vor 3000 Gästen in einer Messe in Tiflis. "Es tut uns gut, weite und offene Horizonte der Hoffnung miteinander zu teilen, indem wir in unserem Leben den demütigen Mut aufbringen, die Türen zu öffnen und aus uns selbst hinauszugehen."

Die Beziehung zwischen der georgischen orthodoxen Kirche und dem Heiligem Stuhl ist angespannt. Patriarch Illia II. hatte den Papst am Freitag zwar in Empfang genommen und auch freundliche Worte gesagt, aber einen ökumenischen Gottesdienst abgelehnt, da die dogmatischen Unterschiede zu groß seien.

Zum Abschluss seiner Kaukasusreise traf Papst Franziskus am Sonntagmorgen in Aserbaidschan ein. Am Flughafen wurde er von einem Regierungsvertreter empfangen, später soll er mit dem autoritär herrschenden Staatspräsidenten Ilcham Alijew zusammentreffen. In dem muslimisch geprägten Land gibt es nur einige hundert Katholiken. Mit Spannung wird erwartet, ob Franziskus sich zum blutigen Konflikt mit Armenien um die Unruheregion Berg-Karabach äußert.

mxw/dpa



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