Papst über Rüstungsexporte "Mit der einen Hand streicheln, mit der anderen schlagen"

Sie beschwören den Frieden - und liefern Waffen: Dieses Verhalten einiger Staaten im Syrienkonflikt geißelt nun der Papst. Konkret benennt er kein Land, aber er könnte durchaus auch Deutschland meinen.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus hat vielen Staaten im Syrienkonflikt eine unaufrichtige Friedensrhetorik vorgeworfen. "Während die Menschen leiden, werden unglaubliche Geldbeträge für Waffenlieferungen an die Kämpfer ausgegeben", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer Videobotschaft an Mitglieder einer christlichen Wohltätigkeitsorganisation in Syrien.

Ohne es direkt auszusprechen, warf Franziskus offenbar auch westlichen Staaten Verlogenheit vor. "Einige der Länder, die Waffen liefern, gehören auch zu denjenigen, die vom Frieden sprechen." Konkret benannte der Geistliche keinen Staat, er sagte aber: "Wie kann man jemandem glauben, der dich mit der einen Hand streichelt und mit der anderen schlägt?"

Im syrischen Bürgerkrieg haben bislang mindestens 250.000 Menschen ihr Leben verloren, etwa elf Millionen mussten wegen der seit 2011 andauernden Kämpfe ihre Heimat verlassen. Der Konflikt hat in Europa die größte Migrationskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst.

Auch Deutschland exportiert Waffen in Krisengebiete wie den Maghreb und den arabischen Raum - obwohl Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei solchen Rüstungsgeschäften eigentlich strenger agieren wollte als seine Vorgänger. In den ersten sechs Monaten 2016 hat die Bundesregierung allerdings einem Bericht zufolge Lieferungen im Wert von mehr als vier Milliarden Euro eine Ausfuhrgenehmigung erteilt. Im Vorjahreszeitraum hatte das Exportvolumen noch bei 3,46 Milliarden Euro gelegen.

Am Wochenende hatte die "Welt" berichtet, dass sich die Exporte der deutschen Rüstungsindustrie im Gesamtjahr 2015 von 3,95 auf 7,86 Milliarden Euro fast verdoppelt hätten. Das wäre der höchste Stand seit Jahren. Besonders drastisch war im vergangenen Jahr der Anstieg der Exporte in die arabischen Staaten und nach Nordafrika ausgefallen.

mxw/Reuters

insgesamt 37 Beiträge
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Pfaffenwinkel 05.07.2016
1. Die deutschen Waffenexporte
haben sich in kurzer Zeit verdoppelt. Lieber Heiliger Vater: Geld stinkt eben nicht, das wissen Sie doch.
hatshepsut 05.07.2016
2. Andere anprangern
und selbst als Kirche bei BAE Systems, britischer Rüstungskonzern, beteiligt sein. Das muss man erstmal hinbekommen.
ulisoz 05.07.2016
3. Dummheit und Heuchelei …
… sind die wahren Bedrohungen, nicht Diktatoren und Terroristen. Die sind nur Bauern in einem geo-strategischen Spiel, das die Römer "divide et impera" - teile und herrsche - nannten. Die Briten haben es in die Moderne eingeführt. Es gilt nach wie vor. Die Herrschenden eines Landes werden militärisch ausgeschaltet (die Sunnis). Die zweitstärkste Macht (die Schiiten) werden an die Regierung gebracht. Die sollen mit der drittstärksten (die Kurden) ein Bündnis schließen und die stärkste niederhalten. Das Ganze wird durch Waffenlieferungen und Bombardierungen orchestriert. Man behauptet, es für den Frieden zu tun. Das ist Heuchelei. Man glaubt immer noch, dass Krieg ein Mittel der Politik sei. Das ist Dummheit. Krieg hat noch nie funktioniert und wird auch nicht funktionieren.
elkemeis 05.07.2016
4. Das ach so christliche Abendland
Ich bin zwar überzeugter Atheist, aber Herr Bergoglio gewinnt zunehmend meine Sympathie. Ich denke, er hat in seiner noch relativ kurzen Amtszeit viele bisher hermetisch verschlossene Türen einen Spalt geöffnet. Damit macht er sich sicher nicht nur innerhalb der Kurie nicht nur Freunde, aber das ist gut so. Er kann damit seiner Kirche helfen und er könnte die Welt (oder wenigstensTeile davon) ein kleines bisschen besser machen - wenn, ja wenn doch bloß. Wenn doch bloß die Politiker, die Wirtschaftsbosse und die sogenannten (= selbsternannten) Eliten des "christlichen Abendlandes" auf das Oberhaupt der christlich-katholischen Kirche hören würden. Aber leider sind die vielbeschworenen "christlich-abendländischen Werte" nur Lippenbekanntnisse und reine Makulatur. Ganz besonders die konservativen Kräfte inkl. AfD sind die Meister der SCHEINHEILIGKEIT!
tomxxx 05.07.2016
5. Na und?
Es gibt Gruppen in diesem Bürgerkrieg, denen hilft man entweder (also selber mit Truppen rein) oder man hilft ihnen, dass sie sich verteidigen können. Die anscheinend moralische Position des Papstes hat man eigentlich am Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr haben wollen: neben Völkermord stehen und nichts tun... Eigentlich haben wir dafür die UN, aber die hat weder die Mittel noch die Struktur das zu regeln... also lassen wir die Probleme wieder ausbluten und arrangieren uns dann wieder mit Assad oder dem IS?
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