Papstwahl in Rom Warten auf Nummer 266

Die Kardinäle haben gewählt, aber noch keinen Papst gefunden - über der Sixtinischen Kapelle ist schwarzer Rauch aufgestiegen. Die Menschen auf dem Petersplatz spekulieren dennoch, wer der 266. Pontifex werden könnte. Ein Italiener? Ein Südamerikaner? Einig sind sich die Gläubigen nicht.

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Aus Rom berichtet


Die Nonne an der Gitarre sorgt endlich für Stimmung auf dem Petersplatz. Den ganzen Tag hingen graue Wolken über dem Vatikan, es regnete sintflutartig und hagelte sogar. "Lateinische Kirchenlieder, argentinische Volkslieder - wir spielen alles", sagt die 20-jährige Maria de Christo Yacente fröhlich. Zusammen mit anderen Schwestern ihres Ordens ist sie aus Viterbo angereist, einer Stadt in der Nähe von Rom.

Die jungen Frauen in den blauen Kleidern singen sich die Seele aus dem Leib, während sich die Piazza vorm Petersdom mit Menschen füllt. "Ist doch traurig, dass die Kirche gerade ohne Papst ist", sagt Schwester Maria, bevor sie wieder losschmettert - Lagerfeuerstimmung unter Roms Abendhimmel. "Mit unserem Gesang wollen wir die Gläubigen aufmuntern." Eine Stunde später qualmt schwarzer Rauch über der Sixtinischen Kapelle - kein neuer Papst, nicht heute Abend.

115 Kardinäle haben sich am späten Nachmittag daran gemacht, den Heiligen Vater zu wählen: den 266. in der Kirchengeschichte - zumindest nach gängiger Zählweise. Menschen aus aller Welt sind nach Rom gekommen, um "den Neuen" zu begrüßen, sobald er feststeht. "Ich bin so glücklich, bei diesem Ereignis dabei zu sein, sagt Glenda Amaya aus Panama-City. Als sie von dem Termin für die Papstwahl erfuhr, buchte sie ein Ticket und flog nach Rom. "Ich hab das Geld und die Zeit", sagt die 38-Jährige mit den vollen Lippen und der roten Wollmütze. Sie hält eine Panama-Flagge hoch und schwenkt sie übermütig. Einen Papst aus Lateinamerika, sagt sie, das fände sie toll.

Sie hatte wie Tausende andere auf einen der großen Bildschirme gestarrt, als sich dort schwarzer Rauch zeigte. In dem Moment hallte ein Raunen über den Petersplatz. Amaya kann es kaum abwarten, morgen wieder herzukommen. "Um zehn Uhr werde ich wieder Richtung Schornstein gucken."

"Ich wünsche mir, dass es ein Italiener wird", sagt Ranjan Jayasinghe aus Sri Lanka. Er wohnt seit sieben Jahren in Rom und findet: "Die Italiener sind einfach die religiösesten Katholiken." Den Mailänder Scola als Papst? Ja, das könne er sich gut vorstellen. Tatsächlich hat der Kardinal gute Chancen aufs Petrusamt - laut "Corriere della Sera" hat er bereits 50 Kardinäle hinter sich. 77 Stimmen bräuchte er, um Papst zu werden. Auch viele Italiener sind für einen Landsmann auf dem Heiligen Stuhl. "35 Jahre lang hatten wir keinen Papst aus unseren Reihen", sagt ein Römer. "Jetzt wird es mal wieder Zeit."

"Vielleicht wird es ein Johannes Paul III."

Ein 23-jähriger Seminarist aus Süddeutschland, der gerade in Rom studiert, hat genug von dem Gerede um die "Papabili". Er hat sich auf den Weg in eine Kapelle gemacht, nachdem die Tür hinter den Kardinälen am Nachmittag zugegangen war. "Was für ein Glück, bei diesem Ereignis in der Stadt zu sein", sagt der junge Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. "Ich halte mich lieber im Hintergrund", sagt er, "und gehe jetzt erst mal beten." Beten für den nächsten Papst.

Der Kirche wäre schon geholfen, wenn die Gläubigen nicht so viel spekulieren würden, sagt er. Über Posten, Affären, Intrigen. "Mit dem Herrn reden, miteinander reden - und nicht übereinander", das ist das fromme Motto des jungen Deutschen, der Priester werden will. Dabei bewegt die W-Frage so viele Gläubige an diesem nasskalten Abend in Rom und auf der ganzen Welt: Wer wird der nächste Papst?

Ein kleiner stämmiger Mann mit grauen Haaren und regenbogenfarbener Pace-Flagge um den Schultern macht sich sogar schon Gedanken, wie der nächste Papst heißen wird: "Entweder Gregorio oder Bonifacio", sagt der Italiener, der sich ein Papierschild mit diesen möglichen Namen gebastelt und an den Hut geheftet hat. "Oder Johannes Paul III. - ich hab das im Gefühl."

Störsender in der Sixtinischen Kapelle

"Es ist egal, wie er heißt oder welche Hautfarbe er hat", sagt Schwester Mariaelena aus Peru. Ihr weißes Nonnengewand leuchtet im Scheinwerferlicht, mit dem die TV-Sender den Petersplatz anstrahlen. Und wenn der nächste Papst ein Mann aus Lateinamerika wäre? "Das würde mir gefallen", sagt sie und lächelt. Ihre Mitschwester Fani kichert schüchtern und nickt kaum merklich. Insgeheim hat hier wohl jeder einen Favoriten - auch wenn viele Katholiken in diesen Tagen sagen: "Gott wird uns den richtigen Hirten schicken." Ein bisschen Charisma, sagt manch ein Katholik, würde aber nicht schaden.

Die Kardinäle sind während der Papstwahl komplett von der Öffentlichkeit abgeschottet. In der Sixtinischen Kapelle, in die sich die Geistlichen am späten Nachmittag nach der Eröffnungsmesse im Petersdom zurückgezogen hatten, sind weder Handys noch Zeitungen oder Radio erlaubt. Zur Sicherheit haben die Vatikan-Techniker sogar Störsender eingebaut, um das Konklave vor Lauschangriffen zu schützen.

Nichts soll das uralte Ritual gefährden. Die Kirche hat es eilig: Es sind nur zwei Wochen bis Ostern - den Segen "Urbi et Orbi" soll dann ein neuer Pontifex verkünden. "Die katholische Kirche wird bis Donnerstag einen neuen Papst haben", sagte Timothy Dolan, Erzbischof von New York, der auch als möglicher Nachfolger Petri gehandelt wird. Auch die Buchmacher halten es für wahrscheinlich, dass es am Mittwoch oder Donnerstag heißen wird: "Habemus Papam."

Doch genau weiß es keiner. Darum werden sich die Gläubigen am Mittwoch wieder in Massen auf dem Petersplatz versammeln. Oder alleine in einer stillen Kapelle beten.

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
freidenker49 12.03.2013
1. Danke, es reicht jetzt!
Ich kann diesen ganzen Quatsch um diese total veraltete Religionskiste nicht mehr ertragen.
rhodensteiner 12.03.2013
2. Malachias Prophezeiung
Zitat von sysopGetty ImagesDie Kardinäle haben gewählt, aber noch keinen Papst gefunden - über der Sixtinischen Kapelle ist schwarzer Rauch aufgestiegen. Die Menschen auf dem Petersplatz spekulieren dennoch, wer der 266. Pontifex werden könnte. Ein Italiener? Ein Südamerikaner? Einig sind sich die Gläubigen nicht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-wahl-in-rom-schwarzer-rauch-ueber-vatikan-a-888520.html
Laut den Prophezeiungen des Heiligen Malachias wird ein Italiener Papst - und das wird dann auch der letzte Papst! Die Malachiasweissagung: "Während der letzten (bzw. äußerst großen) Verfolgung der heiligen römischen Kirche wird Petrus, ein Römer, regieren. Er wird die Schafe unter vielen Bedrängnissen weiden. Dann wird die Siebenhügelstadt zerstört werden und der furchtbare Richter wird sein Volk richten." Warten wir es ab... ;-)
Godzone 12.03.2013
3. Änderungsansatz
Wieso werden eigentlich immer nur auf der Erde lebende Männer als Papst gewählt? Wieso nicht auch mal jemand, der auf der Erde bereits gestorben ist und nun in Gottes Himmelreich weiter existiert? Dann gäbe es auch kein Ausscheiden mehr aus gesundheitlichen Gründen oder wegen Altersschwäche.
fixiundpaxi 12.03.2013
4. schwierige Sache das!
Zitat von sysopGetty ImagesDie Kardinäle haben gewählt, aber noch keinen Papst gefunden - über der Sixtinischen Kapelle ist schwarzer Rauch aufgestiegen. Die Menschen auf dem Petersplatz spekulieren dennoch, wer der 266. Pontifex werden könnte. Ein Italiener? Ein Südamerikaner? Einig sind sich die Gläubigen nicht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-wahl-in-rom-schwarzer-rauch-ueber-vatikan-a-888520.html
Bei Nummer 666 wärs einfacher...
widower+2 12.03.2013
5. Entlarvend
Die Kommentare diverser Nonnen und junger Geistlicher. Die Wahl des Klassensprechers der 2c in Kleinkleckersdorf hat mehr Qualität als diese Papstwahl. Und DSDS ist interessanter. Der junge Mann geht erstmal beten, ich gehe dann erstmal k....
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