Menschenrechte Papua-Neuguinea schafft Hexerei-Gesetz ab

Bislang konnten in Papua-Neuguinea Menschen der Hexerei bezichtigt und dafür gequält und getötet werden. Jetzt hat das Parlament des Landes das entsprechende Gesetz abgeschafft. Dafür verschärfte es andere.

Hexerei: Noch im Februar ist in Papua-Neuguinea eine Frau als Hexe verbrannt worden
AFP/ Post-Courier

Hexerei: Noch im Februar ist in Papua-Neuguinea eine Frau als Hexe verbrannt worden


Sydney - Wer behauptete, sein Opfer habe ihn verhext, konnte sich bisher in Papua-Neuguinea erfolgreich damit verteidigen. Hexerei war per Gesetz verboten und konnte bestraft werden. Die australische Uno-Frauenorganisation berichtet, vor allem alleinstehende Frauen seien häufig als Hexen bezeichnet und ohne rechtsgültige Beweise gequält oder getötet worden. Die Täter konnten auf mildernde Umstände hoffen. Das umstrittene Gesetz von 1971 ging damit gleichzeitig davon aus, dass es Hexerei überhaupt gibt. Nun hat das Parlament des Landes das Gesetz abgeschafft.

Erst im Februar war in Mount Hagen im Hochland Papua-Neuguineas die 20-jährige Mutter Kepari Leniata bei lebendigem Leib verbrannt worden. Nachbarn hatten sie der Hexerei bezichtigt. Das Video der Verbrennung hatte weltweit schockiert. Amnesty International berichtete im April von weiteren Fällen, in denen überwiegend Frauen mit der gleichen Begründung gefoltert wurden. Insgesamt dokumentierte die Menschenrechtsorganisation in einem Jahr mehr als 50 Fälle von Hexenverbrennungen. Die Dunkelziffer dürfte aber weitaus größer sein, vermutet die Organisation.

Menschenrechtler reagierten nun erleichtert. Isabelle Arradon von Amnesty International sagte: "Der Widerruf des Hexerei-Gesetzes war überfällig." Und die Vorsitzende der australischen Uno-Frauenorganisation, Julie MacKay erklärte, die größte Herausforderung sei es, die weit verbreitete Überzeugung der Leute zu ändern, dass es Hexerei gebe und Hexen bestraft werden müssten.

Gleichzeitig kritisierten die Menschenrechtler, dass die Abgeordneten des bitterarmen Landes zwischen Indonesien und Australien den Einsatz der Todesstrafe ausweiteten. So kann künftig Korruption, die Herstellung von gepanschtem Alkohol und das Anbauen von Marihuana-Pflanzen mit dem Tode bestraft werden. Die Todesstrafe gibt es in dem Land zwar bereits seit 1954, aber sie ist nie angewendet worden.

mli/dpa

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