Paris Französische #MeToo-Vorreiterin soll 20.000 Euro wegen übler Nachrede zahlen

Sandra Muller warf dem Chef eines französischen Privatsenders öffentlich sexuelle Belästigung vor - der Mann klagte. Nun hat ein Gericht die Aktivistin zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Journalistin Sandra Muller bei einer Pressekonferenz in Paris: "Die Angst darf nicht siegen"
Thibault Camus/AP

Journalistin Sandra Muller bei einer Pressekonferenz in Paris: "Die Angst darf nicht siegen"


Die französische #MeToo-Aktivistin Sandra Muller soll einem früheren Fernsehmanager 20.000 Euro zahlen, weil sie ihm öffentlich sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. Ein Gericht in Paris verurteilte die Journalistin wegen übler Nachrede. Zudem muss Muller demnach den Twitter-Eintrag löschen, in dem sie den Mann namentlich beschuldigt hatte. Ihr Anwalt kündigte Rechtsmittel an.

Der frühere Chef eines französischen Privatsenders, Eric Brion, hatte insgesamt 65.000 Euro Schadensersatz und Gerichtskosten von Muller verlangt. Sie hatte ihm 2017 auf Twitter sexuelle Belästigung vorgeworfen. Er habe sie bei einer Veranstaltung in Cannes mit anzüglichen Aussagen gedemütigt. Brion habe damals zu ihr gesagt: "Du hast große Brüste. Du bist genau mein Typ. Ich werde dich die ganze Nacht zum Orgasmus bringen."

Brion gab später zu, "unangebrachte Bemerkungen" gemacht zu haben und bat um Entschuldigung. Er berief sich vor Gericht auf sein "Recht zu Flirten". Mullers Beitrag auf Twitter habe ihn jedoch fälschlicherweise als Sexualstraftäter dargestellt, das öffentliche Aufsehen habe seine Karriere ruiniert.

Keine Beweise

Laut "Le Monde" argumentierte das Gericht, Gewalt gegen Frauen in all ihren Formen sei durchaus eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse. Doch von einer sexuellen Belästigung könne man erst sprechen, wenn sie wiederholt oder unter Ausübung von großem Druck stattfinde. Sie habe zudem keine Beweise für eine Sexualstraftat erbracht. Das Gericht hob demnach auch die weltweite Beachtung des Tweets hervor - und die Folgen für Eric Brion: Er sei sozial isoliert gewesen und habe an einer schweren Depression gelitten.

Mullers Anwalt Francis Szpiner nannte das Urteil "nicht der heutigen Zeit entsprechend" und kündigte Berufung an. Muller gilt als Begründerin der #MeToo-Szene in Frankreich: Unter dem Hashtag #balancetonporc (zu deutsch: "Verpfeif' das Schwein") hatte sie Frauen dazu aufgerufen, Männer öffentlich an den Pranger zu stellen, von denen sie sexuell belästigt worden waren.

jpz/AFP

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