Streik in Frankreich Frau bringt Kind in Pariser Vorstadtzug auf die Welt

Mitten im französischen Streikchaos ist eine Frau in einem Pariser Vorstadtzug niedergekommen. Das Kind kann nun darauf hoffen, bis zum 25. Geburtstag kostenlos zu fahren.
Züge am Pariser Gare du Nord während des Streiks (Symbolbild): "Alle werden länger arbeiten"

Züge am Pariser Gare du Nord während des Streiks (Symbolbild): "Alle werden länger arbeiten"

Foto: Eric Gaillard/ REUTERS

Wegen des Streiks über die Rentenreform in Frankreich steht der öffentliche Verkehr vielerorts still. Zahlreiche Züge fallen seit einer Woche aus, etliche Pariser Metrolinien werden nicht bedient. Mitten in diesem Streikchaos hat eine Frau nun ein Kind zur Welt gebracht, wie unter anderem die Zeitung "Le Figaro " berichtet.

"Einer unserer Mitarbeiter vor Ort riet ihr, nicht mit dem Zug zu fahren, aber sie bestand darauf", teilte die französische Staatsbahn SNCF der Zeitung mit. Sie habe bereits Schwierigkeiten gehabt zu gehen, berichtete "20 Minutes " unter Berufung auf einen Bahnsprecher.

Die Frau stieg demnach am Nachmittag am Pariser Bahnhof Gare de Lyon ein. Einige Stationen später, in Villeneuve-Saint-Georges, sei ihre Fruchtblase geplatzt. Das habe jedoch nichts mit den Bedingungen während der Fahrt zu tun gehabt.

Der Zug hielt dem Bericht zufolge an, und die Frau brachte ihr Kind zur Welt. Mutter und Kind ginge es gut. Dass Kinder in den Zügen des Pariser Nahverkehrsnetzes geboren werden, kommt immer wieder vor. In der Regel können diese dann bis zu ihrem 25. Geburtstag kostenlos mit den Zügen in der Hauptstadt fahren.

Streit über Rentenreform - Tourismus leidet

Unterdessen wird in Paris am Donnerstag eine neue Großdemonstration erwartet. Die Verkehrsbetriebe RATP und die Staatsbahn haben angekündigt, dass ihre Züge weiterhin nur sehr eingeschränkt fahren, zahlreiche Metrostationen bleiben weiter geschlossen. Besonders in Paris machen sich die Auswirkungen massiv bemerkbar, auch der Tourismus leidet. Finanzminister Bruno Le Maire kündigte Hilfsmaßnahmen für Restaurants und Hotels an.

Die größte Bahngewerkschaft CGT-Cheminots erklärte am Donnerstag, es werde "keinen Waffenstillstand zu Weihnachten" geben, wenn die Regierung die umstrittene Rentenreform nicht zurückziehe. Die Streiks würden fortgesetzt, "bis man uns garantiert, dass das aktuelle (Renten-)System beibehalten wird." Die kompromissbereitere Gewerkschaft CFDT warb dagegen für eine Streikpause wenigstens an Weihnachten: "Während der Feiertage sollte man den Menschen die Möglichkeit geben, zu ihren Familien zu fahren", sagte Gewerkschaftschef Laurent Berger dem Sender BFM-TV.

Regierungschef Edouard Philippe hatte nach einwöchigen Protesten angekündigt, dass die meisten Franzosen künftig bis 64 arbeiten müssen statt bis 62. Die Reform betrifft jedoch weniger Menschen als angenommen: Polizisten und Feuerwehrleute etwa sind ausgenommen.

Besonders erzürnt sind die Gewerkschaften, weil den meisten Franzosen ab 2027 Abschläge bei ihren Altersbezügen drohen, wenn sie vor dem Alter von 64 Jahren in Rente gehen wollen. Das gesetzliche Renteneintrittsalter von 62 Jahren will die Regierung offiziell nicht antasten.

apr/brü/dpa/AFP
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