Paris und Rom Zehntausende demonstrieren gegen Gewalt an Frauen

In Frankreich sind in diesem Jahr 116 Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet worden, in Italien 94. Bei Großdemonstrationen in den Hauptstädten Paris und Rom beklagten nun Zehntausende den fehlenden Schutz gegen Gewalt und Sexismus.
Die Veranstalterinnen in Paris sprachen von 100.000 Menschen, die am Protestzug teilnahmen

Die Veranstalterinnen in Paris sprachen von 100.000 Menschen, die am Protestzug teilnahmen

Foto: Alain Jocard / AFP

Bei großen Protestmärschen in Paris und Rom sind am Samstag zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. In der französischen Hauptstadt waren ganze Straßenzüge in lila getaucht - die Farbe der Bewegung. In der italienischen Hauptstadt wiederum wurde das Leben im historischen Zentrum durch den riesigen Protestzug vorübergehend lahmgelegt. Die Demonstrationen fanden im Vorfeld des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen statt, der jährlich am 25. November begangen wird.

Allein in Paris gingen nach einer von mehreren Medien in Auftrag gegebenen unabhängigen Zählung 49.000 Menschen auf die Straße. Landesweit gab es rund 30 Kundgebungen. Die Teilnehmer wollten unter anderem auf die hohe Zahl sogenannter Femizide aufmerksam machen - also Tötungen von Frauen wegen ihres Geschlechts. Zudem forderten sie einen besseren Schutz für Frauen. Auf Schildern in Paris war unter anderem "Brecht das Schweigen, nicht die Frauen" oder "Aggressoren, Stalker, ihr seid erledigt, die Frauen sind auf der Straße" zu lesen.

Die Veranstalterinnen sprachen sogar von 100.000 Demonstrantinnen und Demonstranten allein in Paris. Es habe sich um den "größten Marsch der französischen Geschichte" gegen sexistische und sexualisierte Gewalt gehandelt, erklärte eine der Organisatorinnen, Caroline De Haas. Landesweit seien 150.000 Menschen auf die Straße gegangen. Zu den Protesten hatten knapp 70 Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und Verbände aufgerufen.

Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AFP hat es in diesem Jahr mindestens 116 Femizide in Frankreich gegeben, im gesamten vergangenen Jahr waren es 121. Experten des Europarats hatten Frankreich in dieser Woche einen Mangel an Schutzunterkünften und zu laxe Gesetze vorgeworfen. Justizministerin Nicole Belloubet hatte das Versagen der öffentlichen Einrichtungen eingeräumt. "Unser System schafft es nicht, diese Frauen zu schützen", sagte Belloubet. Die französische Regierung will am Montag Ergebnisse eines Runden Tischs gegen häusliche Gewalt vorstellen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach dem Protest auf Twitter  seine Solidarität aus. "Ich unterstütze jede Frau, die geschlechtsbezogene oder sexuelle Gewalt erlebt hat", schrieb der Präsident. Er werde die Regierung und die gesamte Nation weiterhin für diese große Sache mobilisieren.

Frauenmorde "wie ein Virus"

In Rom marschierten zehntausende Menschen hinter einem Spruchband mit dem Motto "Gegen eure Gewalt, wir sind die Revolution" durch die Stadt. Die meisten von ihnen waren Frauen.

In Italien wurden in diesem Jahr laut Medienberichten 94 Frauen ermordet. Erst am Freitag wurde eine 30-jährige Frau in Palermo von einem Mann erstochen, mit dem sie ein Verhältnis hatte. "Es scheint leider wie ein Virus zu sein, eine schreckliche Sache, die da geschieht, und die nicht den gesellschaftlichen Skandal auslöst, den sie sollte", sagte die frühere Parlamentspräsidentin Laura Boldrini als eine der Prominenten unter den Demonstrantinnen.

Demonstrantinnen in Rom

Demonstrantinnen in Rom

Foto: Andreas Solaro/AFP

Nach Angaben von Frauenorganisationen stirbt in Italien alle 72 Stunden eine Frau durch die Gewalt eines ihr bekannten Mannes, meist des Partners. Drei von vier sogenannten Femiziden finden zu Hause statt.

Um der Opfer zu gedenken, setzten sich alle Teilnehmer des Demonstrationszuges in Rom für einige Minuten still auf die Straße. Sie wollten damit nach Angaben der Organisatorinnen ein Zeichen setzen für all' die Frauen, die ihre Stimme nicht mehr erheben könnten, weil sie durch Gewalt von Männern gestorben seien.

yer/AFP/dpa
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