Pariser Haute Couture Rüschen, Röckchen, Transparenz

Es darf gerafft, geknautscht und gesmokt werden: Für den kommenden Sommer setzen die Spitzen-Designer auf Falten in jeder Form. Außerdem gilt: Ob vom Geier, Gockel oder Strauß – die Feder muss her. Im Namen der Leichtigkeit.


Paris - Mit der Kollektion des Designers Elie Saab gingen gestern Abend die Pariser Haute-Couture-Schauen für Frühjahr und Sommer 2006 zu Ende. Der Modemacher aus dem Libanon zeigte schulterfreie, überwiegend unifarbene Kleider mit aufwendigen Stickereien und Drapierungen. Neben Schwarz, Mauve und Weiß sorgten Entwürfe in Türkis oder Grün für farbliche Akzente.

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Mode in Paris: Rüschenalarm an der Seine

Insgesamt 16 Modehäuser hatten drei Tage lang ihre Entwürfe präsentiert. Wohlwollend aufgenommen wurde die Kollektion des jungen Italieners Riccardo Tisci, der zum zweiten Mal das Haus Givenchy präsentierte und mit raffiniert geschnittenen, hauchzarten Kleidern glänzte.

Auch Modeschöpfer John Galliano zeigte sich zufrieden mit seiner Präsentation für das Haus Dior. Er hatte 30 Models in roten und schwarzen Seidenumhängen, behängt mit riesigen Kruzifixen auf den Laufsteg geschickt. Spielwiese und Ideenwerkstatt sei die Haute Couture, verkündete der als exzentrisch geltende Galliano, der sich diesmal von umstrittenen Helden der französischen Revolutions-Geschichte inspirieren ließ.

Der mit seinen Beschreibungen gewalttätiger sexueller Praktiken berühmt gewordene Marquis de Sade (1740-1814) musste als modischer Prototyp ebenso herhalten wie die nach der Revolution geköpfte Königin Marie Antoinette. Die Symbole der Revolution wurden dabei gnadenlos banalisiert: Gallianos Brautkleid ist bestickt mit dem Motto der Republik "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", ein Model musste die Jahreszahl der Revolution auf seinem Dekolletee zu Markte tragen.

Auf dem hart umkämpften Modemarkt gilt es, sich mit allen Mitteln durchzusetzen. Für die Haute Couture bedeutet dies vor allem, sich durch exzellente Handwerksarbeit sowie kostbare oder außergewöhnliche Materialien von den Prêt-à-porter-Anbietern zu unterscheiden. So verarbeitete Riccardo Tisci Geierfedern, um seinen Bustiers den letzten Schliff zu geben. Jean-Paul Gaultier investierte in einen einzigen Rock, der einer griechischen Tracht nachempfunden ist, 40 Meter Tüll - genug Stoff für 400 Falten und Hunderte Stunden Präzisionsarbeit.

Die Kundinnen der Haut-Couture sind weltweit Ausnahmewesen - entweder extrem reich oder extrem berühmt oder beides in einem. Pop-Ikone Madonna saß bei Jean-Paul Gaultier in der ersten Reihe, während Chanel mit Victoria Beckham aufwartete. Bei Lacroix applaudierte Sängerin Mireille Mathieu, bei Dior saß Schauspieler Jean Reno ganz vorn. Politikergattinnen wie Madame Chirac und die Witwe des früheren Staatspräsidenten Pompidou sorgten für zusätzlichen Glanz. Bei den diesjährigen Schauen wurden zudem zahlreiche modebewusste Frauen aus dem Nahen Osten im Publikum gesichtet - sie machen schon heute einen großen Teil der Kundschaft der exklusiven Modehäuser aus.



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