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12. Juli 2013, 08:55 Uhr

Boxender Pastor

Zwei Fäuste für ein Halleluja

Anthony Pelella ist Pastor und Boxer. Der US-Amerikaner sieht darin keinen Widerspruch: "Es gibt so viele Lehren, die ich vom Glauben auf den Sport übertragen kann - und umgekehrt", sagt er. Zum Beispiel das Mantra seines Idols Floyd Mayweather.

New York - Der Weg zu Gott verlief für Anthony Pelella nicht geradlinig: Er arbeitete einst auf dem Bau, stählte seinen Körper als Bodybuilder. Jetzt teilt Pelella aus. Er lässt einen Haken von rechts heransausen, duckt sich, tänzelt einen Schritt zurück und feuert eine linke Gerade ab. Ein lautes Klatschen ertönt. Dazwischen der zischende Atem Pelellas. Dann schrillt der erlösende Piepton der Stoppuhr durch den Trainingsraum.

Pelella atmet durch und grinst. "Hard work and dedication", zitiert er sein Boxidol Floyd Mayweather. Harte Arbeit und Hingabe. Hinter ihm schwingt sein Gegner quietschend hin und her - ein 80 Kilogramm schwerer Sandsack. Pelella trainiert für Altersklassen-Wettkämpfe als Amateurboxer.

Beim Anblick des muskelbepackten Sportlers in Tanktop und Baseballmütze kann man sich schwer einen seelsorgenden Kirchenmann vorstellen. Doch sobald Pelella, ein Mann Mitte 40, von seiner unumstößlichen Liebe zu seinem Erlöser Jesus Christus spricht, wird klar, dass man ihn gefunden hat: den boxenden Pastor von Port Jefferson im US-Bundesstaat New York. Pelella ist Priester bei den Assemblies of God, einer evangelischen Kirchengruppe, die zur Pfingstbewegung gehört.

"Ich habe es geliebt, im ständigen Wettbewerb zu sein"

In den neunziger Jahren fuhr Pelella einen schnittigen Sportwagen und stand als Bodybuilder regelmäßig bei Wettbewerben auf der Bühne. "Ich dort oben, halbnackt, nur mit diesem winzigen schwarzen Höschen bekleidet - das ist nicht das Bild, das die Kirchgänger von einem Pastor haben sollten." Den Sportwagen verkaufte er später. Doch es war schwer für ihn, seine Leidenschaft, das Bodybuilding, aufzugeben: "Ich habe es geliebt, im ständigen Wettbewerb zu sein."

Weil es ohne Sport eben doch nicht ging, fing Pelella 2007 mit dem Boxtraining an. Was Leibesübungen und Religion gemeinsam haben, hat Pelella in einem Buch aufgeschrieben, das im Februar auf Englisch erschienen ist: "The Bodybuilder" heißt es, Untertitel: "Where physical discipline and godly discipleship collide". "Es gibt so viele Lehren, die ich vom Glauben auf den Sport übertragen kann - und umgekehrt", sagt Pelella.

1997 wurde er als Pastor in die Gemeinde Medford, im Herzen Long Islands, geschickt. Er fand eine verlassene Hütte vor, die als Kirche herhielt und nur von wenigen Gläubigen besucht wurde. Der gelernte Bauarbeiter machte sich ans Werk und binnen zehn Jahren baute er gemeinsam mit der Gemeinde ein neues Kirchenhaus, in das Pelella zufolge mittlerweile zwischen 400 und 500 Gläubige strömen. "Natürlich übertrage ich meine Liebe zum Wettbewerb auch auf meine Arbeit hier. Ich möchte Menschen für die Kirche gewinnen."

wit/rls/dpa

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