Empörung über Theaterwerbung Kein Platz am Kreuz

Drei Männer am Kreuz, darunter die Aufforderung: "Sichern Sie sich die besten Plätze!" Mit diesem Plakatmotiv warb das Theater Dinkelsbühl für eine Aufführung. Nach heftiger Kritik hat sich jetzt der Intendant entschuldigt.

Plakat des Landestheaters Dinkelsbühl: Die besten Plätze
DPA

Plakat des Landestheaters Dinkelsbühl: Die besten Plätze


Dinkelsbühl - Wie wirbt man für die Rockoper "Jesus Christ Superstar"? Das Landestheater Dinkelsbühl hatte da eine besondere Idee: Sie zeigte auf Plakaten die Schattenrisse von drei Gekreuzigten und schrieb dazu den Satz: "Sichern Sie sich die besten Plätze!"

Was folgte, war eine Debatte über Blasphemie und Kunst. Es gab wütende Reaktionen in Leserbriefen an die "Fränkische Landeszeitung" und im Internet, die "Süddeutsche Zeitung" berichtete über die anhaltende Kritik. Eine Diakonin schrieb an den Intendanten des Landestheaters, Peter Cahn, sie finde es schade, wenn in ihrer Heimatstadt "ein derart blasphemisches Stück" aufgeführt werden solle. Die Plakate seien "menschenverachtend".

Jetzt hat sich Cahn entschuldigt. "Dieses Plakat würde ich heute nicht mehr so machen", sagte er. "Da haben wir eine unglückliche Unterschrift gewählt." Als die Werbung gemacht wurde, "habe ich nicht die Assoziation gehabt, dass es in der Unterschrift um die Plätze rechts und links von Jesus geht oder gar um Jesus' Platz am Kreuz selbst", sagte Cahn. "Das ist mein Fehler und der ist passiert."

Kunst habe immer auch eine gewisse Freiheit und sie müsse auf bestimmte Dinge hinweisen. "Wir erwarten heute sehr viel Toleranz von allen, aber wir müssen auch tolerant in Bezug auf unseren eigenen Glauben sein", sagte Cahn.

aar/dpa

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walter_e._kurtz 04.02.2015
1. Bigotterie
Im Zuge der Vorfälle um Charlie Hebdo Meinungsfreiheit und Toleranz einfordern, selbst aber die Blasphemie-Karte zücken, sobald es um Jesus am Kreuz mit einer süffisanten Note geht. Sorry, da waren wir bereits weiter, man erinnere sich nur an die Schlußeinstellung von "Das Leben des Brian" - always look on the bright side of life! Es wäre Zeit sich mal generell zu überlegen, wie weit freie Meinungsäußerung geht, gehen darf, bzw. eine breite gesellschaftliche Diskussion darum zu führen. Frau Kebekus hat ja auch ihre liebe Erfahrungen mit der RKK und dem WDR diesbezüglich machen dürfen, nur mal beispielsweise - und ihre künstlerisch dargereichte Kritik war mehr als gerechtfertigt. Wir begehen mE in der uns eigenen westlichen Überheblichkeit derzeit einen gewaltigen Fehler, indem wir Muslime mit Prophetendartsellungen herabwürdigen (ja, für die meisten Muslime ist eine Abbildung des Propheten blasphemisch) und dafür die Meinungsfreiheit bemühen, bzw. Toleranz einfordern, dies aber nichteinmal für "unsere" Religion auf die Kette bekommen!
Tom Joad 04.02.2015
2. Jesus!
Zitat von walter_e._kurtzIm Zuge der Vorfälle um Charlie Hebdo Meinungsfreiheit und Toleranz einfordern, selbst aber die Blasphemie-Karte zücken, sobald es um Jesus am Kreuz mit einer süffisanten Note geht. Sorry, da waren wir bereits weiter, man erinnere sich nur an die Schlußeinstellung von "Das Leben des Brian" - always look on the bright side of life! Es wäre Zeit sich mal generell zu überlegen, wie weit freie Meinungsäußerung geht, gehen darf, bzw. eine breite gesellschaftliche Diskussion darum zu führen. Frau Kebekus hat ja auch ihre liebe Erfahrungen mit der RKK und dem WDR diesbezüglich machen dürfen, nur mal beispielsweise - und ihre künstlerisch dargereichte Kritik war mehr als gerechtfertigt. Wir begehen mE in der uns eigenen westlichen Überheblichkeit derzeit einen gewaltigen Fehler, indem wir Muslime mit Prophetendartsellungen herabwürdigen (ja, für die meisten Muslime ist eine Abbildung des Propheten blasphemisch) und dafür die Meinungsfreiheit bemühen, bzw. Toleranz einfordern, dies aber nichteinmal für "unsere" Religion auf die Kette bekommen!
Ja, den gedanklichen Zusammenhang hatte ich auch sofort. Dabei dürfen Sie aber nicht vergessen, dass dieses "wir" nicht existiert. "Wir" haben uns nicht über das Theaterplakat beschwert, das waren gläubige Christen (von denen sicherlich so manch einer sogar Verständnis für gläubige Muslime hat, die sich von gewissen Mohammed-Abbildungen beleidigt fühlen). Abgesehen davon ist der South Park-Humor des Plakats doch reichlich bescheuert. Das soll ein Versehen gewesen sein? Glaube ich nicht. Wenn doch, weiß ich nicht, welche Version für den Intendanten peinlicher ist.
Chopper88 04.02.2015
3. Die christlichen Kirchen kein Deut besser
Wie bitte??!! Alle Welt, inkl. der christlichen Kirchen, schreit nach freier Meinungsäußerung, auch wenn darin der Islam verletzt wird. Jede auf islamischen Glauben bezogene Karikatur wird als Zeichen der Demokratie hochgehalten. Und jetzt sowas! Der Intendant muss sich entschuldigen dafür, dass er, vielleicht unbewusst, vielleicht satirisch Plakate abdruckt, die angeblich "menschenverachtend" sind? Welch Rückständigkeit der christlichen Kirchen wird damit bewiesen! Von wegen freie Meinungsäußerung, von wegen wir halten es für wichtig, dass die Kunst über religiöse Grenzen hinweg greifen muss. Auch hier sollte meiner Meinung nach die Ignoranz der Kritiker abstrafen und den Urheber der Plakate feiern!
Stäffelesrutscher 04.02.2015
4.
Ich finde, man sollte dann konsequent sein und die Kruzifixe im öffentlichen Raum ganz entfernen. Also weder in Schulen noch in Behörden oder Gerichten aufhängen.
Eduschu 04.02.2015
5.
Zitat von Chopper88Wie bitte??!! Alle Welt, inkl. der christlichen Kirchen, schreit nach freier Meinungsäußerung, auch wenn darin der Islam verletzt wird. Jede auf islamischen Glauben bezogene Karikatur wird als Zeichen der Demokratie hochgehalten. Und jetzt sowas! Der Intendant muss sich entschuldigen dafür, dass er, vielleicht unbewusst, vielleicht satirisch Plakate abdruckt, die angeblich "menschenverachtend" sind? Welch Rückständigkeit der christlichen Kirchen wird damit bewiesen! Von wegen freie Meinungsäußerung, von wegen wir halten es für wichtig, dass die Kunst über religiöse Grenzen hinweg greifen muss. Auch hier sollte meiner Meinung nach die Ignoranz der Kritiker abstrafen und den Urheber der Plakate feiern!
Das stimmt nicht. Zumindest die katholische Kirche hätte es besser gefunden, wenn die Karikaturen Charlie Hebdos nicht erschienen wären und hat das auch so in mehreren Ländern kommuniziert. Ihr Vorwurf geht fehl.
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