Platzmangel in Klinik Witwe des toten Herzpatienten klagt

Sechs Stunden suchten Sanitäter in Paris vergeblich nach einem Klinikplatz für einen Mann, der einen Herzanfall erlitten hatte - der 57-Jährige starb. Jetzt hat dessen Witwe Klage eingereicht. Gesundheitsministerin Bachelot plädiert derweil für "Vertrauen in öffentliche Krankenhäuser".


Paris - Nach dem Tod eines französischen Herzpatienten wegen eines fehlenden Klinikplatzes hat dessen Witwe Klage eingereicht. Die Klage wegen "Gefährdung des Lebens Dritter" richte sich gegen Unbekannt, teilte die Staatsanwaltschaft in Massy bei Paris am Montagabend mit.

Der 57 Jahre alte Mann hatte am Samstagabend zu Hause einen Herzanfall erlitten und war von einem Notarzt wiederbelebt worden. Sechs Stunden lang konnten die Sanitäter dann im Großraum Paris für Jean Lagrange keinen Platz auf einer Intensivstation finden, schließlich starb der Mann.

Es habe "mit Sicherheit" Versäumnisse gegeben, sagte die Frau des Opfers, Odile Lagrange, der Nachrichtenagentur AFP. "Vielleicht" wäre ihr Mann noch am Leben, wenn er schneller in ein Krankenhaus eingeliefert worden wäre. Der Fall hat in Frankreich eine heftige Debatte um die Qualität der Krankenhäuser und Einsparungen im Gesundheitssektor ausgelöst.

Die Berufsvereinigung der Notärzte hatte gewarnt, dass während der Feiertage die Versorgung der Patienten nicht gewährleistet sei. "Es gibt nicht genügend Geld, um Aushilfskräfte zu finanzieren", hatte der Verband am Montag kritisiert.

Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot forderte die Franzosen indes auf, "Vertrauen in die öffentlichen Krankenhäuser" zu haben. Sie wies den Vorwurf zurück, dass viele Betten auf den Intensivstationen wegen der Feiertage nicht verfügbar seien. 95 Prozent der Plätze seien derzeit trotz Ferienzeit benutzbar, sagte sie im Sender RTL. Der Staat habe zudem eine Milliarde Euro in die Modernisierung der Notaufnahme- und Intensivstationen gesteckt. In den vergangenen beiden Jahren seien dort 5200 Beschäftigte eingestellt und 7500 Betten geschaffen worden.

bog/AFP /dpa



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