Protestaktion in Moskau Künstler nagelt sich Hoden am Roten Platz fest

Er wickelte sich schon nackt in Stacheldraht ein oder nähte sich aus Protest den Mund zu. Nun hat der Politkünstler Pjotr Pawlenski erneut zu drastischen Methoden gegriffen, um gegen korrupte Polizisten in Russland zu demonstrieren.

Moskau - Ein nackter Mann sitzt auf dem blanken Kopfsteinplaster des Roten Platzes in Moskau, die Haare kurzgeschoren, den Blick zwischen die Beine gerichtet. Ein langer Nagel ragt dort empor, er ist durch die Hoden des Mannes in den Boden geschlagen. Mit der schmerzhaften Aktion will der Politkünstler Pjotr Pawlenski zum "Tag der Polizei" gegen Gleichgültigkeit und korrupte Polizisten in Russland protestieren.

Videos des Protests zeigten den nackten Pawlenski, während Polizisten ihn mit einer Decke verhüllen. "Die Aktion kann als Metapher für die Apathie, die politische Indifferenz und den Fatalismus der modernen russischen Gesellschaft gesehen werden", hieß es in einer Mitteilung von Pawlenski, die das Internetportal grani.ru veröffentlichte. Es entstehe eine "Armee teilnahmsloser Idole, die geduldig auf ihr Schicksal wartet", warnte er.

Der Künstler ist für spektakuläre Proteste bekannt: In der Vergangenheit hatte er sich bereits den Mund zugenäht, um gegen die Inhaftierung von Mitgliedern der Punk-Band Pussy Riot zu protestieren. Im Mai war er festgenommen worden, weil er nackt und mit Stacheldraht umwickelt vor einem Regierungsgebäude in St. Petersburg demonstriert hatte.

Die Beamten befreiten den 29-Jährigen schließlich aus seiner selbstgewählten Lage. Die staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete, Pawlenski sei nach einer ärztlichen Behandlung auf eine Polizeiwache gebracht worden.

vks/dpa/AFP