Kriminalstatistik Innenministerin Faeser spricht von »entsetzlichem Ausmaß« bei Kindesmissbrauch

Die Zahl der registrierten Straftaten ist so niedrig wie nie, das liegt an einem Rückgang bei Gewalttaten und Wohnungseinbrüchen. Die Fallzahlen beim Kindesmissbrauch sind hingegen gestiegen.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD)

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD)

Foto: FILIP SINGER / EPA

Die Zahl der Straftaten hat im vergangenen Jahr mit knapp über fünf Millionen Delikten einen neuen Tiefstand erreicht. Wie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2021  hervorgeht, erfassten Beamten damit im fünften Jahr in Folge weniger Straftaten. Mit einem Rückgang von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war die Entwicklung diesmal sogar noch deutlicher als im Coronajahr 2020. Auch die Zahl der registrierten Gewaltdelikte ging im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 6,8 Prozent zurück.

Gleichzeitig habe es mit einer Aufklärungsquote von 58,7 Prozent einen neuen Höchstwert gegeben.

Beim sexuellen Missbrauch an Kindern sprach Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hingegen von einem »entsetzlichen Ausmaß«, demnach stiegen die Fallzahlen um 6,3 Prozent. Laut Statistik haben sich zudem die Fallzahlen bei der Verbreitung von Darstellungen sexuellen Missbrauchs an Kindern mehr als verdoppelt. Das liege auch daran, dass mehr Taten entdeckt worden seien, sagte Faeser. Dies solle aber keine Relativierung sein – Kinder zu schützen habe höchste Priorität.

Faeser kündigte die weitere Verstärkung der in dem Bereich ermittelnden Teams an. Viele Hinweise dazu kämen aus den USA, erklärte der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch. Schritt für Schritt sei das wahre Ausmaß der Kriminalität zu erkennen.

Es sei jetzt schon vorherzusehen, dass die Zahl der erfassten Fälle weiter steigen werde. Wie aus dem Bericht hervorgeht, liege der Trend auch daran, dass Kinder und Jugendliche – oft ohne zu wissen, dass dies verboten ist – kinder- und jugendpornografische Bilder in Gruppenchats teilten und somit verbreiteten, zum Beispiel via WhatsApp, Instagram oder Snapchat.

Diebstähle sinken auch dank Corona

Insgesamt nahmen die registrierten Fälle von Cyberkriminalität um 12,1 Prozent zu. Münch sprach in dem Zusammenhang von einer »strukturellen Veränderung« der Kriminalität, die sich in der Pandemie noch einmal beschleunigt habe. Im Gegensatz etwa zu Diebstählen oder Einbrüchen werde Cyberkriminalität nur extrem selten angezeigt. »Wir werden große Anstrengungen unternehmen müssen, um Schritt zu halten.«

Jährlich wird die PKS veröffentlicht – und jährlich steht sie auch deswegen in der Kritik, weil sie kaum aussagekräftig sein soll. So misst die PKS nur Straftaten, die entweder angezeigt werden oder durch eigene Kontrolltätigkeiten entdeckt werden. Weil unklar ist, wie viele Delikte gar nicht erst zur Anzeige gebracht werden, lassen die PKS-Zahlen keine klaren Rückschlüsse auf die tatsächliche Kriminalitätsbelastung zu.

Unter anderem Körperverletzungen werden Studien zufolge seltener zur Anzeige gebracht als beispielsweise Autodiebstähle und Wohnungseinbrüche, weil Betroffene für ihre Versicherung eine Strafanzeige benötigen.

Dennoch sank die Zahl der registrierten Diebstähle um rund zwölf Prozent und die der Wohnungseinbrüche um fast 28 Prozent. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Joachim Herrmann (CSU), nannte die Pandemie als Grund für die sinkenden Zahlen. Demnach hätten im Lockdown geschlossene Geschäfte Ladendiebstähle unmöglich gemacht. Zudem seien Einbrecher dadurch abgehalten worden, dass viele Menschen im Homeoffice gewesen seien.

Auch Raubstraftaten gingen dem Bericht zufolge um rund elf Prozent zurück, Straftaten gegen das Waffengesetz um zwölfeinhalb Prozent. »Es zahlt sich jetzt aus, dass die Polizei in Bund und Ländern in den letzten Jahren personell gestärkt wurde«, sagte Faeser. Auch die Zahl der erfassten Rauschgiftdelikte ging zurück, um 1,3 Prozent. Die Entwicklung war jedoch je nach Droge unterschiedlich, bei Heroin, Kokain und Crack sowie bei LSD stellten die Polizeibehörden einen Zuwachs fest.

apr/hba/AFP/dpa