Preisverleihung in Berlin Neue Väter braucht das Land

In Berlin werden am Weltfrauentag die "Spitzenväter des Jahres" gekürt, ausgelobt von einer Großbäckerei, unter Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin. Kristina Schröder war bei der Ehrung nicht anwesend - das nutzten ausgerechnet ihre Kontrahentinnen, um sich zu profilieren.
Von Christian Pfaffinger
Gewinner Steinmetz, Gericke, Dammann (v. links), Ulrike Detmers und Renate Schmidt: Kampf um die Quote

Gewinner Steinmetz, Gericke, Dammann (v. links), Ulrike Detmers und Renate Schmidt: Kampf um die Quote

Foto: Agentur Baganz

Mit rotem Kleid, roter Handtasche und roter Brille steht Ulrike Detmers in einem grün ausgekleideten Raum eines teuren Hotels in Berlin-Tiergarten. Sie fällt auf und das ist gut. Es ist ihr Auftritt, auch wenn es eigentlich um die drei Männer um sie herum gehen soll.

Detmers ist Markenchefin der Bäckerei Mestemacher, die sich selbst "the lifestyle-bakery" nennt. Außerdem ist sie Professorin an der Fachhochschule in Bielefeld. Und sie ist Preisverleiherin. Im Namen der Bäckerei Mestemacher ehrt sie einmal im Jahr die "Managerin des Jahres" und vergibt einen "Kita-Preis". Heute kürt sie die "Spitzenväter des Jahres", die drei Männer neben ihr sind die Gewinner. Es ist eine große Feier, Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Gekommen ist sie nicht. Aber wäre sie dabei gewesen, hätte sie sich vielleicht wieder weggewünscht.

Nicht, wegen der "Spitzenväter", die würden sicher auch der Familienministerin gefallen:

  • Arne Gericke ist Vater von vier Kindern und betreut zusammen mit seiner Frau noch drei Pflegekinder.
  • Marc Steinmetz ist alleinerziehender Vater und damit in den Worten der Veranstalterin "ein wichtiges Leitbild".
  • Und Sonderpreisträger Claus Dammann fördert den beruflichen Erfolg seiner Frau, für die er seine eigene Karriere zurückstellt.

Aber Kristina Schröder wäre auch hier der Diskussion um die Frauenquote nicht entkommen. Nach dem sie in den letzten Tagen von Politikern aus ihrer eigenen Fraktion unter Druck gesetzt wurde, steht ihre Flexi-Quote wieder stark in der Kritik. Und natürlich wird es auch bei der "Spitzenväter"-Feier angesprochen. Weil Kristina Schröder aber nicht dabei ist, stiehlt ihr ihre Vorvorgängerin Renate Schmidt (SPD) die Show.

Die ehemalige Bundesfamilienministerin fordert eine verbindliche Quote für Aufsichtsräte und branchenspezifisch für Vorstände. Dann bittet sie auch noch um Hilfe bei einer Petition gegen die Vorhaben der Familienministerin . "Helfen Sie uns und unterzeichnen Sie die Berliner Erklärung, damit wir Frau Merkel und Frau Schröder im Frühjahr 50.000 Unterschriften übergeben können."

Veranstalterin Ulrike Detmers greift das Thema auf. Sie will eine feste Quote nach skandinavischem Vorbild. Das sei kein Widerspruch zur Meinung der Schirmherrin Kristina Schröder. Detmers sagt vorsichtig: "Wir differenzieren nur weiter."

Die Familienministerin selbst ist auf der Väter-Feier immerhin schriftlich dabei. "Frau Schröder hat ein Grußwort geschrieben, das liegt aus und steht online", sagt Veranstalterin Detmers und fügt hinzu: "Es würde aber zu viel Zeit in Anspruch nehmen, wenn ich es vorlese."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.