Kardashians in Havanna "Haben die Kubaner nicht genug gelitten?"

Katy Perry und Ozzy Osbourne waren schon da, nun erkunden auch die Kardashians Havanna - immer begleitet von einem TV-Team. Das gefällt nicht jedem.

AP

Wer ein echt kubanisches Erlebnis haben will, muss seine eigene Zigarre rollen und sich in einem Oldtimer aus den Fünfzigerjahren chauffieren lassen. So jedenfalls die Vorstellungen der US-Promis, die ein Jahr, nachdem ihr Land volle diplomatische Beziehungen mit Kuba aufgenommen hat, in Havanna einfallen.

Ob Katy Perry, Rihanna, Usher, Ludacris, Paris Hilton - sie alle posierten vor bröckelnden Häuserfronten und farbenfrohen alten Schlitten. Nun auch der Rapper Kanye West, seine Ehefrau Kim Kardashian, ihre Schwestern Khloe, Kourtney und ihre Kinder. In pinkfarbenen Cabrio-Oldtimern fuhren sie durch Havannas Straßen - immer begleitet von einem TV-Team. Andere Fotos, die Khloe Kardashian auf Instagram postet, zeigen sie beim Paffen riesiger Zigarren.

Der Ausflug stieß nicht nur auf Begeisterung. "Ich weiß, es ist cool für Prominente nach Kuba zu gehen, aber die Kubaner erleben nicht das glamouröse Havanna aus der Social-Media-Welt", sagte die republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen aus dem US-Bundesstaat Florida zu "People". "Abseits von Fotoshootings und fruchtigen Drinks erleben die normalen Kubaner eine andere, traurige Realität."

Jetzt würden auch noch die Kardashians einfliegen, um ihre geistlose TV-Show zu drehen, so Ros-Lehtinen. "Haben die Kubaner nicht genug gelitten?"

Am Dienstag schon erlebte die kubanische Hauptstadt einen Aufmarsch an Prominenten - auch aus Deutschland. Der französische Modekonzern Chanel zeigte seine neue Kollektion. Die Schauspieler Tilda Swinton und Vin Diesel, der schon zuvor für Dreharbeiten ("Fast and Furious 8") auf der Insel war, und das Model Gisele Bündchen verfolgten die Schau. Auf der Party danach im Cathedral Plaza traf Kreativdirektor Karl Lagerfeld, 82, in einem blau- und cremefarbenen 1957er Ford Fairlane ein.

Viele Kubaner sind erfreut, dass ihr bisher so isoliertes Land sich öffnet - und auch normalen Bürgern die Möglichkeit gibt, Berühmtheiten und extravagante Shows aus der Nähe zu erleben. Andere bedauern die Wandlung Kubas zur Bühne und zum Tummelplatz für einige der reichsten Menschen der Welt. Bei der Chanel-Schau musste ein kubanisches Model mit seinen Freunden vor der Tür bleiben: "Es ist eine Schande, dass sie uns nicht reinlassen", sagte Reinaldo Fonseca.

abl/AP



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