Prominenten-Umfrage Was wir von Bankern und Bank-Besetzern halten

Axel Prahl, "Tatort"-Kommissar


Axel Prahl, Schauspieler (ARD-"Tatort", "Halbe Treppe")
Getty Images

Axel Prahl, Schauspieler (ARD-"Tatort", "Halbe Treppe")

London, Frankfurt am Main, Rom - aus einer Handvoll Demonstranten, die in New York "Occupy Wall Street" fordert, hat sich eine weltweite Bewegung gebildet, die gegen die Macht der Banken und des Finanzsystems aufbegehrt. Wie beurteilen Sie die Proteste?

Der Protest und die Auflehnung der stets aufs Neue geschröpften Bürger und Bürgerinnen, die fortwährend am Ende der Nahrungskette stehen, ist meines Erachtens mehr als überfällig. Denn derzeit wird in der Diskussion über den europäischen Rettungsschirm in erster Linie über ihre Steuergelder entschieden. Und räumt man ihnen ein Mitspracherecht ein? Natürlich nicht! Obgleich ich auch nur wenig Hoffnung habe, dass sich mittels solcher Demonstrationen das finanzielle und wirtschaftliche Weltgefüge derart verändern ließe, dass es zu einer gerechteren Neuordnung und Umstrukturierung dieses Systems führen könnte. Dazu sind die globalen Zusammenhänge und Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Finanzmärkten inzwischen viel zu komplex. Die "Kärtchen" wurden in jahrzehntelanger Arbeit fein säuberlich übereinandergetürmt. Zieht man nun auch nur eines heraus, bricht das Kartenhaus, zumindest in Teilen, zusammen.

Wie groß ist die Verantwortung der Banker für die Finanzkrise?

Im Grunde ist es keine Frage der Verantwortung, sondern wirklich eine Frage des Systems. Immer mit Blick aufs Mehr! Genug kann nie genügen! Wir bringen unser Geld zu einer Bank und wünschen uns möglichst hohe Zinsen. Der Banker nimmt unser Geld und versucht, damit eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Denn so kann er uns noch höhere Zinsen für unser Kapital anbieten, und er kann noch mehr Kunden an sein Unternehmen binden, die nun gewillt sind, ebenfalls ihr Geld dort anzulegen. "De Fischer und sin Fru" heißt dieses Märchen, das wir schon seit Menschengedenken in den verschiedensten Facetten immer wieder aufs Neue erfinden. Bescheidenheit und Genügsamkeit sind schon lange keine populären Tugenden mehr!

Realistisch betrachtet: Sehen Sie Alternativen zu unserem Finanzsystem?

Ich weiß nur, dass es nicht (ge)recht sein kann, dass ein Mensch, der Besitzer eines Zettels einer Bank ist, auf dem eine Eins mit sechs Nullen und ein Pluszeichen notiert ist, ein finanziell sorgenfreies Leben führen könnte, (- vorausgesetzt, er ist genügsam!) - ohne auch nur einen Finger zu rühren! Das ist meines Erachtens sehr unnatürlich. Schon in der Bibel wurde der "Zins" als eine schlechte Erfindung gescholten, und wenn ich auch nicht alles glaube, was in diesem Buch der Bücher steht...DAS leuchtet mir ein!

Haben Sie selbst schon schlechte Erfahrungen mit unseren Banken und der Finanzwirtschaft gemacht? Welche?

Anfang der neunziger Jahre wurde ich mal von einem Arbeitskollegen dazu überredet, mein Geld bei einer neu gegründeten Bank zu investieren, die ein sogenanntes ethisches Investment anbot. Das Konsortium warb damit, dass das von mir zur Verfügung gestellte Kapital nur in Firmen investiert würde, die nichts mit Waffenherstellung oder Handel, Umweltverschmutzung oder anderen ethisch verwerflichen Dingen zu tun haben. Als Mitglied des Grips-Theaters sah ich es natürlich geradezu als meine Pflicht an, mein Erspartes diesem Unternehmen anzuvertrauen, und ich habe darüber hinaus natürlich noch einen Sparvertrag abgeschlossen, denn auch die angepriesenen Renditen waren nicht von schlechten Eltern.

Circa eineinhalb Jahren und 4785 D-Mark später erhielt ich ein Schreiben von der Bank, in dem man mir mitteilte, dass sie sich aufgrund von Problemen mit der deutschen Finanzaufsichtsbehörde wieder in ihr Ursprungsland England zurückziehen müsste. Schuld waren, laut Aussage dieses Geldinstituts, natürlich die bereits etablierten Banken, die nun um ihre Kunden und ihre Pfründe kämpften und sich natürlich nicht ihre guten Geschäfte mit Waffenhändlern und Atomlobbyisten madig machen lassen wollten. Ich könne aber problemlos die Zahlungen fortsetzen, und mein Geld werde nun in England vermehrt. Beim Kontostand von 5692,- D-Mark (inkl. Zins und Zinseszins) meldete die Bank dann Konkurs an.

Meine Rückzahlungsansprüche durfte ich an eine deutsche Anwaltskanzlei richten, die mir, nach circa zwei Jahren, mitteilte, dass meinen Forderungen leider nicht mehr in voller Höhe entsprochen werden kann. Der mir aus der Insolvenzmasse zustehende Teil von 432,16 D-Mark würde auf ein von mir zu nennendes Konto überwiesen werden.

insgesamt 176 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Transmitter, 31.10.2011
1. Finanzsystem?
Ich verstehe die Frage nicht. Was ist mit "unserem Finanzsystem" gemeint? Etwa diese gigantische, völlig aus jeder Kontrolle geratene Geldblase, in der jede Bank und erst recht jede Notenbank soviel Geld produziert, wie sie gerade will? Diese irre Fantasiezahlen-Welt, in der die "Bad Bank" der HRE rein zufällig falsch verbuchte 55 Mrd. Euro wieder entdeckt? In der der Kapitalbedarf für die GR-Rettung von Mai 2010 von 41 Mrd. Euro auf aktuell 450 Mrd. Euro anwächst? In der die erforderliche Mindestausstattung des ESEF-Rettungsfonds binnen vier Wochen von rd. 440 Mrd. Euro auf über zwei Bio. Euro anschwillt. Vielleicht kann ja jemand helfen, mir das irgendwie mal plausibel zu machen. Mein Opa hat 1923 mal 1 Mio. Reichsmark für ein Ei bezahlt. Er meinte, das war recht preiswert damals. Dies bedenkend, halte ich die unglaubliche Geld-Explosion momentan für gar nicht so tragisch. Wahrscheinlich sind wir sogar unterverschuldet. Aber, wie gesagt, ich kann beim besten Willen kein "System" dahinter erkennen. Ich glaube, ich gebe es auch besser auf.
Maynemeinung 31.10.2011
2. Stimmen aus dem Land der Dichter und Denker
Zitat von sysopGriechenland*kämpft gegen*die Pleite,*Banken*geraten ins Taumeln - und*wir alle*sollen zahlen.*In einer großen Umfragen geben Popstars und Schauspieler, Manager und Politiker*jetzt Auskunft:*Wer*ist*schuld an dem Desaster?*Und hat unser Finanzsystem überhaupt eine Zukunft? http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,793078,00.html
Autsch. Wollte sonst keiner, als SPON fragte. Diese Auswahl ist schon deprimierend für formerly known als das Land der Dichter und Denker. Erfrischend nur wieder der Nuhr.
si_tacuisses 31.10.2011
3. Äh, ist das schlimm, wenn ich von diesen Prominenten
Zitat von sysopGriechenland*kämpft gegen*die Pleite,*Banken*geraten ins Taumeln - und*wir alle*sollen zahlen.*In einer großen Umfragen geben Popstars und Schauspieler, Manager und Politiker*jetzt Auskunft:*Wer*ist*schuld an dem Desaster?*Und hat unser Finanzsystem überhaupt eine Zukunft? http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,793078,00.html
nur wenig mehr als eine Handvoll kenne ? Ich bin zutiefst schuldbewußt und verwirrt ob meines mangelnden state-of-the-art-Horizontes. Na gut, ich hab auch kein IFONE. Ich weiß auch, dass das schlimm ist. Bin ja schon wieder weg...................
Spiegelfreund 31.10.2011
4. Dieter Nuhr
Dieter Nuhr hat das Zeug zum Kanzler. Alle anderen haben weniger bis nichts verstanden.
Monark™ 31.10.2011
5. Gegenfrage - Gegenantwort
Bei der HRE sind mal eben 55 Milliarden Euro "entdeckt worden" (es hätte aber ebenso gut auch andersherum ausgehen können). Wie soll man solche Leute noch ernst nehmen? Wissen die überhaupt, was sie tun? "Ich glaube nicht, Tim."
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.