Prominenten-Umfrage Was wir von Bankern und Bank-Besetzern halten

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident


Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident, Autor
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Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident, Autor

London, Frankfurt am Main, Rom - aus einer Handvoll Demonstranten, die in New York "Occupy Wall Street" fordert, hat sich eine weltweite Bewegung gebildet, die gegen die Macht der Banken und des Finanzsystems aufbegehrt. Wie beurteilen Sie die Proteste?

Sie haben unterschiedliche Grundlagen. In den USA ist das (berechtigte) Ziel, die Bankenmacht zu bändigen. Kaum jemand stellt unser gesamtes System in Frage. In Italien entlädt sich der Frust über einen offensichtlich amoralisch agierenden Berlusconi. In Griechenland ärgert man sich über die Sparorgien, für die man nicht nur die eigene Regierung, sondern in zunehmendem Maße Frau Merkel verantwortlich macht. Nur bei uns tummelt sich alles auf einmal: Globalisierungsgegner, Kapitalismuskritiker und Banken-Basher.

Wie groß ist die Verantwortung der Banker für die Finanzkrise?

Die Verantwortung zu vieler Banker für die Finanzkrise von 2008 bis 2009 ist offensichtlich. Aber "Schuld" hat immer noch die Politik: Sie hat versäumt, die Banken so zu regulieren, dass das Zocken zu Lasten der Allgemeinheit nicht mehr möglich ist. Die neuerliche Bankenkrise in Europa ist fast ausschließlich eine Folge der Überschuldung einiger Euro-Länder und des Euro selbst, der sich zu einer gefährlichen Ansteckungsmaschine entwickelt hat. Wie sonst ist es zu erklären, dass wir eine Erkältung bekommen, wenn Griechenland hustet?

Realistisch betrachtet: Sehen Sie Alternativen zu unserem Finanzsystem?

Ja, wir müssen dafür sorgen, dass (erstens) die völlig überbewerteten Staatspapiere der Südländer endlich realistisch bewertet werden, (zweitens) die dann sich als gefährdet zeigenden Banken (temporär) verstaatlicht werden. Das muss aber auf nationaler Basis erfolgen und nicht über den EFSF oder die EZB, weil sonst deutsche Steuerzahler französische Banken retten, etwas, was Madame Lagarde, Sarkozy und Trichet unbedingt wollen. (Drittens:) Das zusätzliche Engagement in den Banken würde natürlich zu einem starken Anstieg der Staatsschulden führen. Dies ist aber faktisch schon da, nur noch nicht in den Statistiken. In Deutschland beträfe das fast ausschließlich nur Banken, bei denen der Staat engagiert ist.

Haben Sie selbst schon schlechte Erfahrungen mit unseren Banken und der Finanzwirtschaft gemacht? Welche?

Nicht so schlechte wie mit deutschen Wirtschaftsredaktionen deutscher Medien, wenn es um eine vorurteilsfreie Diskussion um Alternativen zur Einheits-Euro-Politik geht.

insgesamt 176 Beiträge
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Transmitter, 31.10.2011
1. Finanzsystem?
Ich verstehe die Frage nicht. Was ist mit "unserem Finanzsystem" gemeint? Etwa diese gigantische, völlig aus jeder Kontrolle geratene Geldblase, in der jede Bank und erst recht jede Notenbank soviel Geld produziert, wie sie gerade will? Diese irre Fantasiezahlen-Welt, in der die "Bad Bank" der HRE rein zufällig falsch verbuchte 55 Mrd. Euro wieder entdeckt? In der der Kapitalbedarf für die GR-Rettung von Mai 2010 von 41 Mrd. Euro auf aktuell 450 Mrd. Euro anwächst? In der die erforderliche Mindestausstattung des ESEF-Rettungsfonds binnen vier Wochen von rd. 440 Mrd. Euro auf über zwei Bio. Euro anschwillt. Vielleicht kann ja jemand helfen, mir das irgendwie mal plausibel zu machen. Mein Opa hat 1923 mal 1 Mio. Reichsmark für ein Ei bezahlt. Er meinte, das war recht preiswert damals. Dies bedenkend, halte ich die unglaubliche Geld-Explosion momentan für gar nicht so tragisch. Wahrscheinlich sind wir sogar unterverschuldet. Aber, wie gesagt, ich kann beim besten Willen kein "System" dahinter erkennen. Ich glaube, ich gebe es auch besser auf.
Maynemeinung 31.10.2011
2. Stimmen aus dem Land der Dichter und Denker
Zitat von sysopGriechenland*kämpft gegen*die Pleite,*Banken*geraten ins Taumeln - und*wir alle*sollen zahlen.*In einer großen Umfragen geben Popstars und Schauspieler, Manager und Politiker*jetzt Auskunft:*Wer*ist*schuld an dem Desaster?*Und hat unser Finanzsystem überhaupt eine Zukunft? http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,793078,00.html
Autsch. Wollte sonst keiner, als SPON fragte. Diese Auswahl ist schon deprimierend für formerly known als das Land der Dichter und Denker. Erfrischend nur wieder der Nuhr.
si_tacuisses 31.10.2011
3. Äh, ist das schlimm, wenn ich von diesen Prominenten
Zitat von sysopGriechenland*kämpft gegen*die Pleite,*Banken*geraten ins Taumeln - und*wir alle*sollen zahlen.*In einer großen Umfragen geben Popstars und Schauspieler, Manager und Politiker*jetzt Auskunft:*Wer*ist*schuld an dem Desaster?*Und hat unser Finanzsystem überhaupt eine Zukunft? http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,793078,00.html
nur wenig mehr als eine Handvoll kenne ? Ich bin zutiefst schuldbewußt und verwirrt ob meines mangelnden state-of-the-art-Horizontes. Na gut, ich hab auch kein IFONE. Ich weiß auch, dass das schlimm ist. Bin ja schon wieder weg...................
Spiegelfreund 31.10.2011
4. Dieter Nuhr
Dieter Nuhr hat das Zeug zum Kanzler. Alle anderen haben weniger bis nichts verstanden.
Monark™ 31.10.2011
5. Gegenfrage - Gegenantwort
Bei der HRE sind mal eben 55 Milliarden Euro "entdeckt worden" (es hätte aber ebenso gut auch andersherum ausgehen können). Wie soll man solche Leute noch ernst nehmen? Wissen die überhaupt, was sie tun? "Ich glaube nicht, Tim."
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