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Protest bei der WM-Eröffnung: Drei Tauben und ein Transparent

Foto: PAULO WHITAKER/ REUTERS

TV-Übertragung der WM-Eröffnung Der verschwundene Protest

Es war eine zentrale Szene bei der WM-Eröffnung: Drei Kinder ließen Friedenstauben fliegen. Ein indigener Junge machte anschließend mit einem Spruchband auf die Situation seines Volkes aufmerksam - doch das war im Fernsehen nicht zu sehen.

São Paulo - Ein dunkelhäutiges Mädchen, ein hellhäutiger und ein indigener Junge bringen drei Friedenstauben auf das Spielfeld. Die Tauben fliegen, unmittelbar danach erfolgt der Anpfiff zur Fußballweltmeisterschaft 2014. Eine Szene, wie die Fifa und die brasilianischen WM-Organisatoren sie gerne zeigen. Sie spiegelt das Bild vom harmonischen Vielvölkerstaat Brasilien, das den Zuschauern vermittelt werden soll.

Für Konflikte und Widerstände ist bei dieser Art von Inszenierung kein Platz. Da verwundert es nicht, dass eine Szene im Fernsehen nicht zu sehen war. Der indigene Junge wollte sich nämlich nicht völlig für die offizielle Propaganda einspannen lassen. Stattdessen enthüllte der 13-Jährige, nachdem er seine Taube losgelassen hatte, ein Spruchband, das auf die Situation seines Volkes aufmerksam machen sollte.

"Demarcação" stand auf dem Transparent geschrieben. Das heißt so viel wie "Abgrenzung" und ist ein Hinweis darauf, dass es die brasilianische Regierung - entgegen anderslautender Versprechen - seit langem versäumt, offizielle Gebiete für die indigene Bevölkerung São Paulos auszuweisen, die immer weiter zurückgedrängt wird.

"So etwas wollen die nicht zeigen"

Der 13-Jährige ist Angehöriger des Volkes der Guarani. Der brasilianischen Nachrichtenseite "Carta Capital" zufolge  wohnt er im Süden der Stadt São Paulo, wo viele Guarani in prekären Verhältnissen leben. Sie warten darauf, dass der brasilianische Justizminister ein Gesetz unterschreibt, das ihnen ein größeres Gebiet zuweisen würde. Das, so die Guarani, würde ihnen die Möglichkeit geben, ihre traditionelle Lebensweise zu pflegen.

Fábio Jekupé, Anführer der indigenen Siedlung, war nicht überrascht, als er feststellte, dass der Protest im Fernsehen nicht zu sehen war: "So etwas wollen die nicht zeigen. Die wollen Frieden zwischen den Völkern zeigen, dass alles schön und toll ist. Aber die Situation hier ist eine andere", wird Jekupé bei "Carta Capital" zitiert. Auch andere überregionale brasilianische Medien griffen den Fall auf.

Als das brasilianische WM-Organisationskomitee die Guarani in São Paulo um ihre Teilnahme an der Eröffnungsfeier bat, entschieden diese, die Gelegenheit zu nutzen, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Die Guarani betonen, dass sie nicht gegen die WM an sich seien. Sie wollten lediglich auf die Situation hinweisen, in der sie sich befinden.

Die Guarani demonstrieren bereits seit einigen Tagen in São Paulo. In Brasilien wird diskutiert, die Entscheidung über Schutzgebiete und indigene Territorien von der brasilianischen Regierung an den Kongress zu übertragen. Die Guarani sind dagegen, sie wollen, dass sich die Regierung selbst um das Gesetz kümmert. Im Parlament fürchten sie den Einfluss von Lobbyisten aus der Landwirtschaft, deren Interessen stärker wahrgenommen würden als die der Ureinwohner.

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