Protest gegen Weltjugendtag Heidenspaß statt Frömmelei

Während Kirche und Stadt seit Monaten für den Kölner Weltjugendtag mobil machen, bläst eine Gruppe von Rheinländern zum Boykott des Mega-Ereignisses. Unter dem Motto "Heidenspaß statt Höllenqual" fordern die Konfessionslosen Asyl für Atheisten und wollen religionsfreie Zonen in der Millionenstadt einrichten.


Beten verboten: "Heidenspaß statt Höllenqual" fordert religionsfreie Zonen
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Beten verboten: "Heidenspaß statt Höllenqual" fordert religionsfreie Zonen

Köln - Die Rheinmetropole werde in diesen Tagen "von Heerscharen bigotter Menschen heimgesucht", befürchtet das Komitee "Heidenspaß statt Höllenqual." Auf einer Reihe von Gegenveranstaltungen solle all jenen Asyl gewährt werden, "die sich von dieser staatlich geförderten Frömmelei verfolgt fühlen".

Rund ein Dutzend Kölner Privatleute haben sich in dem Ausschuss zusammengeschlossen. Mit von der antikirchlichen Partie sind außerdem Organisationen wie der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und die Giordano-Bruno-Stiftung, die nach dem im Jahr 1600 als Ketzer verbrannten Naturphilosophen Bruno Giordano benannt ist. Beim Weltjugendtag rechnet die "lose, bunt-pluralistische Gruppierung", wie sie sich selbst bezeichnet, mit einer "kritiklosen Jubelorgie" um den neuen Papst Benedikt XVI. "Dem zu erwartenden 'Radio Vatikan auf allen Kanälen' werden wir unser Programm der Aufklärung, des Humors und der Satire entgegensetzen", kündigen die Religionsgegner an.

Mit ihrem Gegenprogramm will die streitbare Gruppe die Forderung nach strikter Trennung von Staat und Kirche hochhalten, wobei sie sich ganz in der Tradition der europäischen Aufklärung sieht. "Religion sollte Privatsache sein", lautet das Credo der Weltjugendtagsgegner. Wer auch heute noch "hinreichend widerlegten, archaischen Mythen" Glauben schenken wolle, dürfe dies "selbstverständlich tun". "Nur sollte dies im 21. Jahrhundert keine Auswirkungen mehr auf die Politik haben." Leider sei jedoch das Gegenteil der Fall.

Darüber hinaus wollen die Organisatoren des Anti-Weltjugendtagsprogramms aber auch "selbst Heidenspaß haben und diesen auch vermitteln". Zimperlich gehen sie dabei mit ihren christlichen Gegnern nicht um: Angekündigt sind Vorträge mit Titeln wie "Kardinal Meisner - der heilige Narr vom Rhein" oder auch ein "freigeistiger Frühschoppen" zum Thema "Wir sind Papst!? - Benedikt XVI., ein Bayer im Himmel?" Da in Köln alle kleineren und größeren Ereignisse von Umzügen begleitet werden, planen auch die "Heidenspaß"-Macher für den 19. August eine "Demo/Prozession" unter dem Motto "Erster Kölner FreiGeisterzug". Anschließend steigt in einer Kölner Kneipe eine "Heidenspaß-Party" - "Stargast: Der Gegenpapst und die Chromosomencombo".

In der Kölner Bevölkerung rief die Kampagne nach Angaben der Organisatoren bislang "sehr unterschiedliche Reaktionen" hervor. Neben viel Zustimmung habe es auch heftige Kritik gegeben, sagt Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung. Dass die Komitee-Mitglieder durch solche Aktionen gerade im "Heiligen Köln" mit seiner jahrhundertealten katholischen Tradition die religiösen Empfindungen vieler Menschen verletzen könnten, will Schmidt-Salomon nicht gelten lassen. Vielmehr sei es "gerade in Deutschland ein wirkliches Problem", dass sich viele auf die Unverletzbarkeit religiöser Gefühle beriefen. "Es ist der Versuch, weltanschauliche Borniertheit unter Naturschutz zu stellen."

Richard Heister, AFP



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