Prozessauftakt Gericht soll Schuld an Concorde-Katastrophe klären

Beim Absturz einer Concorde in der Nähe von Paris starben vor zehn Jahren insgesamt 113 Menschen. Jetzt beginnt der Prozess gegen fünf mutmaßlich Verantwortliche und die US-Luftfahrtgesellschaft Continental Airlines. Wer hat Schuld an der Katastrophe?

AP / Toshihiko Sato

Paris - In diesem Sommer jährt sich eins der schlimmsten französischen Flugzeug-Unglücke zum zehnten Mal. Am 25. Juli 2000 stürzte der Überschallflieger Concorde der Linie Air France anderthalb Minuten nach dem Start Richtung New York nahe des Pariser Vororts Gonesse in ein Hotel. Keiner der 109 Insassen überlebte. Vier Menschen starben in dem zerstörten Hotel.

Jetzt soll ein Gericht in Pontoise bei Paris klären, ob fünf Angeklagte und die amerikanische Fluggesellschaft Continental Airlines das Unglück zu verantworten und sich damit der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben.

Von einem Continental-Flugzeug stammt dem Abschlussbericht der französischen Untersuchungsbehörde BEA zufolge ein Metallteil, das einen Reifen der Concorde beim Start zum Platzen gebracht hatte. Mehrere Kilo schwere Gummiteile waren daraufhin gegen den linken Tank geprallt. Die Verformung des Kerosinbehälters löste im Inneren eine Art Schockwelle aus, woraufhin der Treibstoff explodierte und einen Brand verursachte.

"Sie haben Flammen hinter sich"

Der Towerlotse meldete dem Piloten eine Minute nach dem Start: "Sie haben Flammen hinter sich." Der hatte jedoch keine Möglichkeit, den Start der 360 Stundenkilometer schnellen Maschine abzubrechen.

Eine weitere Minute später stürzte das Überschallflugzeug unmittelbar vor dem Pariser Vorort Gonesse ab.

Im April 2001 wurde ein Untersuchungsbericht bekannt, demzufolge bei der Concorde in der Woche vor der Katastrophe ein Abstandshalter im Triebwerk nicht wieder eingebaut worden war. Im jetzt beginnenden Prozess will der Anwalt der Continental Airlines darlegen, dass die Concorde wegen des fehlenden Teiles und wegen Überladung nicht flugfähig gewesen sei.

Der Jurist will Zeugen aufbieten, nach deren Aussage die Concorde bereits brannte, bevor sie das auf der Starbahn liegende Metallteil überrollte. Der Continental-Verteidiger kündigte an, das Ende des Verfahrens zu beantragen. Seine Mandantin halte als Sündenbock her.

Geringes Interesse

In dem Prozess treten Angehörige französischer Opfer als Nebenkläger auf. Bei den Hinterbliebenen der 96 deutschen Opfer ist das Interesse an dem Verfahren laut Anwälten gering. Sie haben bereits 2001 Schadenersatzzahlungen von Air France erhalten und auf weitere Forderungen verzichtet.

Air France und British Airways haben den Verkehr der Concorde im Oktober 2003 eingestellt. Das luxuriöse Flugzeug, das es in dreieinhalb Stunden mit der zweifachen Schallgeschwindigkeit über den Atlantik schaffte, rentierte sich für die Fluglinien nicht mehr. Der hohe Treibstoffverbrauch war bereits seit dem Start des Linienbetriebs der Concorde 1976 ein Problem.

Nach dem Unglück bei Paris 2000 verhängten französische und britische Luftfahrtbehörden ein Flugverbot für die Concorde. Im November 2001 nahmen die Airlines den Flugbetrieb wieder auf, hatten jedoch mit niedrigen Passagierzahlen zu kämpfen.

bea/AFP/apn/dpa



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