Kritik an Hurrikan-Management Puerto Rico fühlt sich von Trump im Stich gelassen

Mehr als eine Woche nach Hurrikan "Maria" fehlt es auf der US-Karibikinsel Puerto Rico am Nötigsten - auch weil Präsident Trump großen Worten bisher wenig Taten folgen lässt.

AP

Von , New York


Donald Trump gratuliert sich gerne selbst. Etwa zu den Hilfsaktionen der US-Regierung im gleich von zwei Hurrikanen verwüsteten Puerto Rico: "Wir leisten tolle Arbeit", prahlt er und beruft sich auf Lokalpolitiker, die ihm das "enthusiastisch" versichert hätten: "Wir bekommen fantastische Kritiken."

Ein gewagter Satz, nicht nur vom Tonfall. Als "Irma" die US-Karibikinsel zuerst streifte und "Maria" sie dann direkt traf, dauerte es tagelang, bis der Präsident sich dazu überhaupt öffentlich äußerte. Nur auf Druck mobilisierte er die staatlichen Ressourcen, mehr als eine Woche danach - oft zu spät für die horrende Notlage dort, bei der jede Stunde zählt.

"Wenn Sie diese Krise nicht ernstnehmen, wird das Ihr 'Katrina'", warnte ihn die Kongressabgeordnete Nydia Velázquez, eine gebürtige Puerto Ricanerin. "Katrina" war der Hurrikan, der 2005 New Orleans zerstörte und für George W. Bush zum politischen Verhängnis wurde, da er nur zögerlich reagierte.

Zugegeben: Die verheerenden Folgen von "Maria" offenbarten sich nur langsam - auch weil die Medien ihnen anfangs wenig Beachtung schenkten. Mindestens 16 Menschen starben, es werden Hunderte Tote befürchtet. Das Stromnetz der Insel mit ihren 3,4 Millionen Bewohnern ist auf Monate hinaus zerstört, ebenso die restliche Infrastruktur: Internet, Telefon, Straßen, Brücken. Der Spritnachschub ist eingebrochen, die Hälfte der Puerto Ricaner ohne Trinkwasser. Die Wirtschaft liegt brach, Lebensmittel und Bargeld sind knapp, Kranke und Alte unversorgt. Viele Orte sind bis heute von der Außenwelt abgeschnitten.

"In den Straßen herrscht Horror", berichtete Carmen Yulín Cruz, die Bürgermeisterin der Hauptstadt San Juan, in einem Video unter Tränen.

Doch anders als bei den Stürmen in Texas und Florida, als Washington schnell Konvois entsandte und Milliarden Dollar lockermachte, gab es nach "Maria" keine Soforthilfe aus dem Kongress. Das in anderen, sturmbetroffenen Karibikregionen bereits tätige US-Militär blieb ebenfalls weitgehend fern.

"Es ist ein sehr großer Ozean"

Trump beließ es nach außen hin erst mal bei "Liebe und Gebeten" und heizte lieber die NFL-Debatte an, die ihm mehr nutzte. Später machte er Puerto Rico für das Elend selbst verantwortlich: Es habe "massive" Schulden an die US-Banken, "die beglichen werden müssen". Auch sperrte er sich gegen die Aufhebung des sogenannten Jones Acts, eines obskuren Gesetzes, das die Landung ausländischer Fracht- und Hilfsschiffe in Puerto Rico blockierte.

Die spanische Ex-Kolonie ist heute US-Territorium, aber kein Bundesstaat. Nach einer kürzlichen Umfrage wussten 53 Prozent der Amerikaner bisher nicht, dass die Inselbewohner ihre Landsleute sind. Viele kennen Puerto Rico nur als Urlaubziel oder als Herkunftsort von Einwanderern.

Trump entschuldigte die zögerliche US-Reaktion auch noch mit einem anderen Grund: "Das ist eine Insel mitten im Ozean", belehrte er die Amerikaner ernsthaft. "Es ist ein großer Ozean, es ist ein sehr großer Ozean."

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Solidarität mit Puerto Rico: "Lassen Sie die Menschen nicht so sterben!"

"Herr Präsident, wir fürchten, dass Sie die Zerstörung grob unterschätzen", sagte der Abgeordnete Darren Soto, dessen Vater aus Puerto Rico stammt. Broadway-Star Lin-Manuel Miranda ("Hamilton") warnte: "Es wird unter Ihrer Aufsicht viele tote Amerikaner geben." Pop-Ikone Rihanna twitterte einen Notruf direkt an den Präsidenten. Doch dessen fünf Vorgänger - Barack Obama, George W. Bush, Bill Clinton, George H.W. Bush und Jimmy Carter - waren schneller: Sie starteten einen gemeinsamen Spendenaufruf.

Schneller war auch ein enormes Kreuzfahrtschiff, das Puerto Rico ansteuerte, um Lebensmittel zu bringen und Gestrandete zu evakuieren. Andere Tourismuskonzerne halfen ebenfalls.

Und nach einer Woche setzte sich endlich auch eine größere US-Marineflotte in Bewegung. Soldaten landeten auf der Insel, ein Armeegeneral hat die Hilfskoordination übernommen. Brock Long, der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, und Trumps Heimatschutzbeauftragter Tom Bossert treten seither täglich vor die Presse.

Am Donnerstag hob Trump den Jones Act auf - wenn auch erst mal nur für zehn Tage. "Ein guter erster Schritt", sagte die Abgeordnete Velázquez, "aber die Regierung kann und muss mehr tun". Trump selbst will Puerto Rico frühestens am Dienstag besuchen - es sei denn, so seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders, das "stört die Rettungs- und Hilfsanstrengungen".

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Teile1977 29.09.2017
1. Trump
Haben die wirklich geglaubt das Trump helfen wird? Mehr tun als Twittern? Das Geld wird doch für die Steuersenkungen gebraucht, und das Militär...
Atheist_Crusader 29.09.2017
2.
Ja wer hätt's? Gedacht Puerto Ricaner mögen technisch gesehen US-Bürger sein, aber sie sind Latinos und sie dürfen nicht wählen. Da fällt es Trump sicher leicht sie zu ignorieren. Aber Puerto Rico hat sowieso die A-Karte gezogen. Erst jahrzehntelang ein Steuerparadies für die Pharmaindustrie, dann sich selbst überlassen als es finanziell bergab ging (und im Gegensatz zu Bundesstaaten dürfen sie nichtmal Bankrott erklären)... und viele Amerikaner wissen noch nicht einmal, dass sie Teil der USA sind. Wenn Trump also die Hilfsaktion verschlampt, verbuchen die das nicht an der gleichen Stelle wie Texas oder Florida, sondern eher so Richtung Kuba oder DomRep: wieder eines von diesen doofen Drittweltländern das von den USA Geld fürs Nichtstun will. Die wären wohl besser damit beraten, wieder Anschluss an Spanien zu suchen.
guentherzaruba 29.09.2017
3. entschuldigung bitte , aber....
aber hat IRGENDWER ... irgend etwas anderes erwartet ????
sibbi78 29.09.2017
4. Warum sollte Herr D.T.
den Puerto Ricanern helfen? Einer Insel in der Karibik, deren Bewohner noch nicht einmal wahlberechtigt für die US-Wahl sind? Der Mann schafft es noch nicht einmal die in den USA benötigten Geldmittel bereit zu stellen, bzw. sinnvoll einzusetzen. Außerdem gibt es für den Geschmack der aktuellen US-Regierung viel zuviele Latinos auf der Insel - hier wäre höchstens eine Mauer zu erwarten...
G. Whittome 29.09.2017
5. "enormes Kreuzfahrtschiff"?
Was ist das für ein Deutsch? Spricht man so in Hamburg?
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