Puerto Rico nach Hurrikan "Maria" "Wir sind im Notfallmodus"

Eine Woche ist es her, dass Hurrikan "Maria" auf Puerto Rico traf. Noch immer ist fast die komplette Insel ohne Strom, es mangelt an Wasser und Nahrung. Die Lage in den Krankenhäusern ist dramatisch.

AP

Es ist noch immer kaum Besserung in Sicht: Am vergangenen Mittwoch fegte "Maria" über Puerto Rico hinweg, mehrere Menschen starben, der Hurrikan verursachte schwere Schäden. Gouverneur Ricardo Rosselló sprach von einer "humanitären Katastrophe", mit der die 3,4 Millionen Einwohner des US-Außengebiets konfrontiert seien.

Am Mittwoch sagte Rosselló nun, noch immer hätten 97 Prozent der Inselbewohner keinen Strom. Die Hälfte aller Einwohner habe zudem kein fließendes Wasser. Wer Benzin, Nahrungsmittel oder Bargeld brauche, müsse dafür stundenlang anstehen. Tankstellen und Supermärkte würden ihre Waren rationieren, bei den Banken werde das Bargeld knapp. "Wir sind im Notfallmodus", sagte Rosselló. Es sei die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte Puerto Ricos.

Wie die amerikanische Kommunikationsbehörde FCC mitteilte, sind 91 Prozent aller Funkzellen auf der Insel ausgefallen; außerdem mindestens neun Radio- und ein TV-Sender. Medienberichten zufolge funktioniert auch die Notruf-Telefonnummer 911 nicht.

Die Lage in den Krankenhäusern

Nach Angaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums ist der größte Teil der 69 Krankenhäuser auf der Insel ohne Strom, für Generatoren fehle oft der Brennstoff. Gegenüber der "New York Times" sagte Rosselló, die Versorgung in den Krankenhäusern wieder herzustellen, habe Priorität.

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Hurrikan "Maria": Puerto Rico nach dem Jahrhundertsturm

Im größten Krankenhaus der Insel, dem Centro Medico in San Juan, können laut "NYT" nur zwei von 24 OP-Sälen benutzt werden. Vor dem Gebäude seien Zelte aufgestellt worden, in denen Notfallteams aus Texas, South Carolina und Kalifornien Patienten versorgen würden. "Das ist wie im Krieg", zitiert die Zeitung den Leiter der Notaufnahme, "du arbeitest mit dem, was du hast".

Laut "Guardian" sind in der Kinderklinik San Jorge - dem Bericht zufolge eine der größten in der Karibik - in der vergangenen Woche mehrfach die Generatoren ausgefallen, allein am Montag für drei Stunden am Stück. Schon seit Jahren sei das Gesundheitssystem auf der Insel nicht besonders gut ausgebaut gewesen, zitiert die Zeitung Lourdes Inoa Monegro, die auf der Insel im Gesundheitswesen arbeitet. Durch "Maria" habe sich eine ohnehin schon schlechte Situation noch einmal deutlich verschärft.

"Maria" nimmt wieder an Kraft zu

"Maria" war vergangene Woche mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern über die Karibik hinweggefegt. Auf Puerto Rico wurden mindestens 16 Menschen getötet und Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Am Mittwoch befand sich "Marias" Zentrum rund 120 Kilometer östlich von Cape Hatteras im Bundesstaat North Carolina. Das US-Hurrikanzentrum warnte vor Sturmfluten. An der Ostküste waren bis hinauf zur kanadischen Insel Neufundland starker Seegang und Überschwemmungen möglich.

Der Sturm nahm an der US-Ostküste zuletzt wieder an Kraft zu, am Mittwoch wurden Windstärken von bis zu 120 Kilometern pro Stunde gemessen. Die Meteorologen stuften "Maria" wieder als Hurrikan ein. Sie rechnen aber damit, dass er in den kommenden 48 Stunden wieder an Kraft verlieren könnte. "Maria" sollte am Donnerstag weiter nördlich ziehen und sich dann weiter von der US-Küste entfernen.

aar/dpa/Reuters



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luciusvoldemort 28.09.2017
1. Ich glaube, man liest den Beitrag und kann sich trotzdem
nicht so richtig vorstellen, wie es den Menschen dort geht. In Deutschland wird für eine zweistündige Stromabschaltung vorher ein Hinweis in der Presse geschaltet. Ich lebe seit 25 Jahren in der Dominikanischen Republik. In einer Zone, die weder von Irma noch von Maria besonders hart getroffen worden ist. Aber hier im Land sind immer wieder Stromausfälle von 12 - 16 manches Mal auch 24 Stunden zu verzeichnen. Aber da laufen in den Banken, den Supermärkten, den Tankstellen und vor allem den Krankenhäusern immer noch die privaten Stromgeneratoren, die auch in vielen Haushalten zu finden sind. Aber wenn der Treibstoff ausbleibt, läuft nichts mehr. Hier gibt es keinen Schienenverkehr, alles aber auch wirklich alles, ob nun Menschen oder Waren werden mit Kraftfahrzeugen transportiert. Die bleiben aber stehen. Menschen kommen nicht zur Arbeit, der Arzt kommt nicht zum Notfallpatienten. Strom versorgt den Kühl bzw. Gefrierschrank. Nach zwei Tagen Stromausfall beginnt bei unseren Temperaturen alles zu gammeln. Werte müssen vernichtet werden. Selbst wenn man einen privaten Brunnen besitzt, man bekommt kein Wasser weil die Pumpe keinen Strom hat. In den Toiletten stinkt es. Im Land stinkt es fürchterlich, denn die übers Ufer getretenen Flüsse haben die Kloaken und Klärgruben überlaufen lassen. Das nach dem Rückgang des Wassers bleibende Sediment ist ein Matsch übelster Sorte, stinkend, kontaminiert. Dann kommen die Ratten und anderes Ungeziefer. Die Infrastruktur ist zerstört, Brücken sind einfach weggerissen worden (auch hier bei uns) Straßen sind nicht mehr oder nur eingeschränkt befahrbar, aber es ja derzeit sowieso kaum Fahrzeuge gibt, die fahren können, ist es weniger schlimm. Nach schweren Unwettern habe ich hier Stromausfälle von bis zu drei Tagen mitgemacht. Aber eine Woche? Unglaublich! Keine Information über Fernsehen, Radio oder Computer. Das Handy kann nicht aufgeladen werden. Telefonverbindung nur ganz eingeschränkt. Irma und Maria haben uns hier an der Nordküste einigermaßen verschont, aber all das geschilderte habe ich persönlich des Öfteren mitgemacht, nur nicht so extrem wie jetzt auf unserer Nachbarinsel Puerto Rico. Lucius
olivervöl 28.09.2017
2. Eine Kolonie der USA
Puerto Rico wird von den USA beherrscht, deren Bürger haben aber kein Wahlrecht in den USA. Und offensichtlich fühlt sich die US-Regierung nicht verantwortlich. Laut Donald Trump hat die Schuldenrückzahlung an die Wall Street Priorität. Man vergleiche, wie die Regierung Kubas mit genau der gleichen Katastrophe umgeht.
horstenporst 28.09.2017
3.
Puerto Ricos Infrastruktur wurde nicht nur durch den Hurrikan zerstört. Das Stromnetz z. B. war schon zuvor in schlechtem Zustand, den hedge und vulture funds sei dank. https://www.nytimes.com/2015/12/20/us/politics/puerto-rico-money-debt.html https://www.thenation.com/article/how-hedge-and-vulture-funds-have-exploited-puerto-ricos-debt-crisis/
olivervöl 28.09.2017
4. Hilfe ist verboten
Die US-Regierung sendet nicht nur keine Hilfe, sie verbietet auch noch Hilfe von Dritten. Begründung: Geschäftsinteresse. Leider kein Witz: http://www.newsweek.com/puerto-rico-hurricane-maria-donald-trump-jones-act-relief-aid-672778
helgemnielsen 28.09.2017
5. Puerto Rico ist nur eine Kolonie der USA
Die USA sind die Kolonialmacht, die Puerto Rico beherrscht. Die Puerto Ricaner müssen ihre Steuern an die USA abgeben und haben nur eine Staatsbürgerschaft 2.er Ordnung. Die Finanzgeschäft obliegt amerikanischen Firmen, die bis 2035 keine Steuern zahlen müssen. Die USA haben dieses kontinuierlich in große Schulden gestürzt. Jetzt nach dem Hurrikan ist das Land am Boden zerstört und Präsident Trump verweigert nicht nur dem Land jegliche Hilfe, sondern er verbietet das dem Land auch von außerhalb geholfen wird. Als der Sturm Kathrina den Süden der USA verwüstete gestatteten die USA großzügig anderen Staaten zu helfen.
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