Hurrikan-Opfer in Puerto Rico Starkoch liefert mehr Essen als das amerikanische Rote Kreuz

Pro Tag lässt José Andrés 60.000 Mahlzeiten für die Opfer des Hurrikans in Puerto Rico zubereiten - insgesamt bereits über eine Million. Damit sticht der Starkoch selbst das amerikanische Rote Kreuz aus.

Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulin Cruz, und José Andres (r.) beladen einen Truck mit Hilfsgütern
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Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulin Cruz, und José Andres (r.) beladen einen Truck mit Hilfsgütern


Drei Wochen, 15 Küchen und mehr als 500 Freiwillige brauchte José Andrés, bis er die Hurrikanopfern von Puerto Rico mit insgesamt einer Million warmen Mahlzeiten versorgt hat. Der Starkoch, der in Washington mehrere Restaurants betreibt, kündete dies vor vier Tagen in seinem Twitter-Account an mit: "Hello, people of America, people of the world. Today, big News."

José Andrés, ein Schüler des experimentellen katalonischen Kochs Ferran Adrià, ist mit seiner gemeinnützigen Organisation World Central Kitchen seit Ende September im US-Außengebiet Puerto Rico tätig, das durch den Hurrikan "Maria" verwüstet wurde.

Pro Tag bereiten seine Helfer vor Ort 60.000 Mahlzeiten für die Kampagne #chefsforpuertorico zu. Insgesamt ist das mehr, als es das US-amerikanische Rote Kreuz vermag: Nach deren Aussage hat die Hilfsorganisation bisher 150.000 warme Mahlzeiten ausgegeben, dazu Zehntausende Essensboxen und über 600.000 Kilogramm an Lebensmitteln.

Die Lage in dem US-Außengebiet ist auch einen Monat nach dem Hurrikan desaströs. Fast 80 Prozent der 3,4 Millionen Einwohner haben keinen Strom, Hunderttausende kein fließendes Wasser. Auf der Karibikinsel leben immer noch rund 5700 Menschen in Notunterkünften.

US-Präsident Donald Trump war wiederholt vorgeworfen worden, dass er Puerto Rico bei der Bewältigung der Katastrophe nicht genügend helfe. Anfang Oktober ließ Trump dann mitteilen, dass er beim Kongress eine Nothilfe von 29 Milliarden Dollar für die Insel beantragen wolle.

Trump verklagte Andrés

Kurz darauf sorgte Trump allerdings mit einer Warnung auf Twitter erneut für Verärgerung: Die US-Katastrophenschutzbehörde und die Armee könnten nicht "für immer" in Puerto Rico helfen, schrieb der US-Präsident. Zuvor hatte er auf Twitter hervorgehoben, dass die Infrastruktur des US-Außengebietes schon vor dem Hurrikan ein "Desaster" gewesen sei. Die Bürgermeisterin der Inselhauptstadt San Juan, Carmen Yulin Cruz, twitterte daraufhin, Trump verhalte sich weniger als "Chefkommandeur" denn als "Chef-Hasser".

Auch José Andrés hat eine heftige Auseinandersetzung mit Trump geführt. Der Koch wanderte 1991 in die USA ein und besitzt seit vier Jahren die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. In Washington betreibt er das Jaleo, bekannt für seine Tapas, dazu weitere 18 Restaurants in den USA. Er selbst bezeichnet sich als "stolzen spanischen Immigranten" und wurde von Barack Obama einst als Beispiel für erfolgreiche Integration hervorgehoben.

In einem Hotel Trumps sollte Andrés die Küche übernehmen, kündigte 2015 dann aber den Vertrag. Ihn hatten die rassistischen, anti-mexikanischen Aussage des späteren US-Präsidenten geärgert. Trump verklagte ihn daraufhin auf zehn Millionen Dollar, Andres Trump wiederum auf acht Millionen Dollar. Erst im Juli diesen Jahres legten der Koch und die Trump Organization ihren Zwist bei, wie die "Washington Post" berichtet.

abl/dpa

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