Queen-Ansprache wegen Corona "Ein Bruch im Leben unseres Landes"

Erst drei Mal hat sich Queen Elizabeth II. außerplanmäßig an ihr Volk gewandt. In einer Fernsehansprache beschwört sie nun die Briten, in der Coronakrise durchzuhalten.
Queen Elizabeth II. bei ihrer Fernsehansprache

Queen Elizabeth II. bei ihrer Fernsehansprache

Foto: AP

In einer seltenen TV-Ansprache außer der Reihe hat Queen Elizabeth II. den Briten in der Coronakrise Mut zugesprochen und sie aufgerufen, durchzuhalten. "Ich richte mich an Sie in einer Zeit, die, wie ich weiß, zunehmend herausfordernd ist", sagte die Queen. Es gebe einen "Bruch im Leben unseres Landes: ein Bruch, der einigen Leid gebracht hat, vielen finanzielle Schwierigkeiten und enorme Veränderungen im alltäglichen Leben von uns allen".

Sie dankte allen Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern und Menschen in wichtigen Berufen, die "weiter selbstlos ihren täglichen Pflichten außerhalb ihres Zuhauses nachgehen, um uns alle zu unterstützen". Sie dankte auch allen, die zu Hause blieben und so Risikogruppen schützten.

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Die Situation erinnere sie an ihre allererste Ansprache, die sie im Jahr 1940 als Kind mit ihrer Schwester an die Kinder des Landes gerichtet habe, die im Zweiten Weltkrieg zu ihrer Sicherheit evakuiert und weggeschickt worden seien. Es gebe aber einen Unterschied zum Zweiten Weltkrieg: "Dieses Mal schließen wir uns mit allen Nationen der Welt zu einem gemeinsamen Unterfangen zusammen, bei dem wir die großen Fortschritte der Wissenschaft und unser instinktives Mitgefühl nutzen, um zu heilen."

Queen appelliert an "Selbstdisziplin" und "gutmütige Entschlossenheit"

Sie hoffe, "dass die Eigenschaften der Selbstdisziplin, der stillen, gutmütigen Entschlossenheit und des Mitgefühls dieses Land noch immer auszeichnen", sagte die 93-jährige Monarchin, wohl in Anspielung auf die Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs. "Und die, die nach uns kommen werden sagen, dass die Briten dieser Generation so stark waren wie jeher."

Abgesehen von den traditionellen Weihnachtsansprachen ist es erst die vierte solche Rede des seit 1952 amtierenden britischen Staatsoberhaupts. Zuvor hatte sich Elizabeth II. 2002 beim Tod ihrer Mutter, Queen Mum, sowie vor der Beisetzung Prinzessin Dianas 1997 und während des Golfkriegs 1991 an die Briten gewandt.

"Hoffe, dass in den kommenden Jahren alle stolz darauf sein können"

Ihre Wortwahl erinnerte an eine Rede zum 75. Jahrestag des D-Days im vergangenen Jahr, der Landung der Alliierten in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs. Die Kriegsgeneration, ihre Generation, sei widerstandsfähig, hatte sie damals gesagt. Nun scheint sie dasselbe von den heutigen Briten zu fordern. "Ich hoffe, dass in den kommenden Jahren alle stolz darauf sein können, wie sie mit dieser Herausforderung umgegangen sind", sagte die Königin.

Die Rede wurde nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA unter strengen Vorsichtsmaßnahmen auf Schloss Windsor aufgezeichnet. Dorthin hatten sich die Queen und ihr Mann, der 98 Jahre alte Prinz Philip, bereits Mitte März zurückgezogen.

Das Paar gilt wegen seines hohen Alters statistisch gesehen als besonders gefährdet, im Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus schwer an der Lungenkrankheit Covid-19 zu erkranken. Ihr ältester Sohn, Thronfolger Prinz Charles, hatte sich bereits infiziert.

Das britische Gesundheitsministerium verzeichnete am Samstag mit 708 Toten die bislang höchste Zahl an Sterbefällen innerhalb eines Tages. Darunter war auch ein fünf Jahre altes Kind mit Vorerkrankungen. Insgesamt starben nach Angaben des Ministeriums vom Sonntag in britischen Kliniken 4934 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. Positiv auf das Coronavirus getestet wurden bis dahin 47.806 Menschen.

kko/dpa/AFP