Elizabeth II. in Deutschland Jetzt benehmen Sie sich bitte mal!

Welche Verhaltensregeln gelten, wenn man die Queen trifft? Ma'am zu ihr sagen ist erlaubt - aber nicht sofort. Knicksen kann man, muss es aber nicht. Und machen Sie bloß nicht den gleichen Fehler wie Michelle Obama.

Seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Queen Elizabeth II. die Hand schütteln werden, ist relativ gering. Andererseits: Man kann nie wissen. Wenn die Queen nun zu ihrem fünften Staatsbesuch in Deutschland weilt, werden Menschen in Berlin, in Frankfurt und in Celle auf die 89-Jährige treffen. Und dieser Moment will gut vorbereitet sein.

Offiziell gibt es keine Vorschriften im Umgang mit der Queen, so steht es zumindest auf der Homepage der britischen Monarchie . Aber das ist bloß die halbe Wahrheit. Denn natürlich gibt es gewisse Regeln, deren Einhaltung als höflich erachtet wird - und bei deren Verstoß man ganz schön ungehobelt dasteht.

Das fängt schon bei der Kleidung an: Minirock und Hawaiihemd lassen Sie besser im Schrank, greifen Sie als Frau lieber zu einem Kleid oder Hosenanzug, als Herr zu einer Uniform oder einem Anzug. Pluspunkte gibt's für Hüte, Handschuhe und Orden. Aber das ist erst der Anfang. Wir haben im Folgenden zusammengefasst, was Sie beim Treffen mit der Queen tun sollten. Und vor allem: was nicht.


1. Die Begrüßung

Ja, bitte: Bei Männern wird es als höfliche Geste empfunden, wenn sie ihren Kopf bei der Begrüßung leicht senken. Von Frauen wird ein bisschen mehr erwartet, nämlich ein Knicks. Früher musste er sehr tief sein, heute reicht ein angedeuteter. Die Hand der Queen darf leicht geschüttelt werden, zumindest, wenn sie diejenige ist, die sie zuerst reicht. Wer die Queen korrekt ansprechen will, sollte beim ersten Mal die Worte "Your Majesty" wählen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs reicht dann ein "Ma'am" (ausgesprochen: Mäm wie in "ham", nicht Maam wie in "farm").

Nein, danke: Auf keinen Fall sollten Sie dem Drang nachgeben, die Queen zu busseln oder der großmütterlich wirkenden alten Dame den Arm um die Schultern zu legen. Als Michelle Obama das 2009 in London tat, war die Aufregung groß. Zumindest bei Beobachtern des Geschehens. Die Queen selbst bewahrte natürlich Contenance - und legte ihrerseits ihren Arm um Obamas Hüfte.

Elizabeth II. und Michelle Obama 2009 im Buckingham Palast

Elizabeth II. und Michelle Obama 2009 im Buckingham Palast

Foto: POOL/ REUTERS


2. Das Gespräch

Ja, bitte: Die Queen hat das erste Wort. Wenn sie Sie anspricht, dürfen Sie antworten, im Idealfall natürlich auf Englisch. Die Queen soll zwar einiges an Deutsch verstehen, selbst sprechen kann sie es nicht. Es wäre unhöflich, ein Thema zu wechseln, das die Queen begonnen hat. Besonders gern spricht sie über Pferderennen. Vermutlich sind auch Kinder, Enkel und Urenkel ein geeignetes Small-Talk-Thema. Zu mehr werden Sie mit größter Wahrscheinlichkeit nicht kommen.

Nein, danke: wild drauflosplappern. Der Musiker Will.i.am erzählte der Queen 2012 ungefragt seine Meinung über ihr Kleid: "Ich sagte ihr, dass ich ihr Kleid mag und dass meine Oma auch so eins habe." Seine "unüberlegten Worte" seien ihm im Nachhinein peinlich gewesen, sagte er. Die Einsicht half aber nichts gegen die hämischen Kommentare, die sich der Plapperfreudige anhören musste. Wie die Queen auf den Oma-Vergleich reagierte, ist nicht bekannt.

Will.i.am und Queen Elizabeth II. (mit Kylie Minogue) 2012 im Buckingham Palast

Will.i.am und Queen Elizabeth II. (mit Kylie Minogue) 2012 im Buckingham Palast

Foto: Dave Thompson/ AP


3. Bei Tisch

Ja, bitte: Wer die Ehre hat, an dem Staatsbankett in Berlin oder beim Mittagessen im Frankfurter Rathaus dabei zu sein, sollte Folgendes beachten: Setzen Sie sich erst hin, nachdem die Queen Platz genommen hat. Fangen Sie erst mit dem Essen an, wenn sie angefangen hat. Bleiben Sie an Ihrem Tisch sitzen, bis die Queen den Raum verlassen hat. Handys müssen mindestens im Lautlos-Modus sein, noch besser wäre es, sie ganz auszuschalten. Und für das Essen gilt der Klassiker: Beim Besteck hangeln Sie sich pro Gang von außen nach innen.

Nein, danke: Es wäre extrem unhöflich, den Platz zu verlassen, um mit den Gästen am Nachbartisch zu plaudern. Ebenfalls untersagt sind Fotoaufnahmen: Weder sollten Sie die Queen beim Kauen ablichten, noch der Versuchung eines Selfies mit Elizabeth II. nachgeben. Auch Autogrammwünsche sind unangemessen.

Queen Elizabeth II. 2014 in Belfast: Selfies unerwünscht

Queen Elizabeth II. 2014 in Belfast: Selfies unerwünscht

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images


4. Die Geschenke

Ja, bitte: Wer die Queen beschenkt, muss damit rechnen, dass seine Gaben öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Experten der Royal Collection wachen über die Präsente  und der Buckingham Palast veröffentlicht einmal im Jahr eine Liste mit Geschenken, die die Mitglieder der royalen Familie bekommen haben. Die Queen wurde 1953 gekrönt. Viel Zeit also, um quer durch die Welt zu reisen oder daheim im Palast Gäste zu empfangen - und Geschenke anzunehmen. Von Boris Jelzin bekam Elizabeth II. einen Samowar zum Wasserkochen; von Ronald Reagan einen Computer; Barack Obama schenkte der Queen 2009 einen iPod mit einer Playlist ihrer Lieblingsmusik.

Nein, danke: Einiges von dem, was die Queen im Laufe der Jahre geschenkt bekam, musste auf Zoos verteilt werden - denn die Queen gilt als große Tierliebhaberin und bekommt wohl auch deshalb immer wieder Lebendiges geschenkt. Laut offizieller Homepage  handelt es sich um die "ungewöhnlichsten aller Geschenke": 1972 auf den Seychellen bekam sie beispielsweise Schildkröten und im selben Jahr in Kamerun einen sieben Jahre alten Elefantenbullen namens Jumbo. Deutschland überreichte 1965 einen Kanarienvogel. Mit dem Geschenk der Royal Canadian Mounted Police konnte die Queen immerhin etwas anfangen: Auf den Pferden ritt sie jahrelang während der "Trooping the Colour"-Parade zur Feier ihres Geburtstages.

Queen Elizabeth II. bei der "Trooping the Colour"-Parade 1979

Queen Elizabeth II. bei der "Trooping the Colour"-Parade 1979

Foto: ASSOCIATED PRESS


Und zum Schluss noch ein ganz wichtiger Hinweis: Ja, sie ist die Queen. Ihr Besuch ist etwas Besonderes. Trotzdem sollten Sie versuchen, nicht komplett zu verkrampfen. Sonst könnte es Ihnen so gehen wie dem Soldaten in diesem Video: Er war beim Besuch der Queen im walisischen Cardiff offensichtlich so aufs Salutieren konzentriert, dass er prompt das kleine Mädchen rechts von sich übersah. Autsch.

Videoquiz zum Queen-Besuch