Krise im Bistum Woelki nennt Papst »alt« und »realitätsfremd« – und will Erzbischof bleiben

Der Kardinal in Köln hat bei einer Beratung wenig schmeichelhafte Worte für Papst Franziskus gefunden. Ein Sprecher ruderte schnell zurück: Woelki habe diese nicht despektierlich gemeint. Was war passiert?
Kardinal Rainer Maria Woelki spricht ein Weihegebet für Russland und die Ukraine im Kölner Dom (25.03.2022)

Kardinal Rainer Maria Woelki spricht ein Weihegebet für Russland und die Ukraine im Kölner Dom (25.03.2022)

Foto: Henning Kaiser / dpa

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat in seinem wichtigsten Beratungsgremium für einen gemeinsamen Neuanfang im größten deutschen Bistum geworben. Er wolle Erzbischof bleiben, lege sein Schicksal aber in die Hände des Papstes, sagte Woelki bei der nicht öffentlichen Zusammenkunft des Diözesanpastoralrats am Freitagabend und Samstag in Düsseldorf.

Irritation löste Woelki bei mehreren der insgesamt etwa 60 anwesenden Mitglieder des Gremiums mit Äußerungen über Papst Franziskus aus. Er habe den Papst als »alt« und »realitätsfremd« beschrieben, berichteten mehrere Mitglieder übereinstimmend der Deutschen Presse-Agentur. Ein Sprecher des Erzbistums sagte, Woelki habe zwar die Formulierung »alter Mann« für den 85-jährigen Papst verwendet, dies sei aber in keiner Weise despektierlich gemeint gewesen. Einer der Teilnehmer sagte über Woelki: »Wir haben einen ehrlichen, authentischen Bischof erlebt.«

Unterdessen hat Papst Franziskus auf seiner Reise ins überwiegend katholische Malta die Kirche vor einer Verharmlosung der aktuellen Glaubenskrisen gewarnt. »Die Krise des Glaubens, die insbesondere seit der Pandemie nachlassende Glaubenspraxis und die Gleichgültigkeit vieler junger Menschen gegenüber der Gegenwart Gottes sind keine Themen, die wir verniedlichen sollten«, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag an der wichtigen Marienwallfahrtskirche Ta' Pinu auf der maltesischen Insel Gozo. Man könne sich nicht mit einem Glauben, der nur aus Bräuchen und großen Feiern besteht, begnügen, erklärte der 85-Jährige.

Im kleinsten EU-Land sind laut Vatikan etwa 85 Prozent der Bevölkerung katholisch. Zum Marien-Heiligtum Ta' Pinu kamen am Samstag nach Veranstalterangaben rund 3000 Gläubige. Papst Franziskus will am Sonntag noch die Paulusgrotte in Rabat besuchen, wo auch seine Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. schon waren.

jso/dpa
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