Angebot an Kardinal Kanzlei will Haftungsrisiko für Missbrauchsgutachten übernehmen – Woelki lehnt ab

Seit Monaten hält der Kölner Erzbischof Woelki ein Missbrauchsgutachten wegen angeblicher »methodischer Mängel« unter Verschluss. Jetzt bieten die Gutachter an, es auf eigene Verantwortung zu veröffentlichen.
Rainer Maria Woelki: Welche handwerklichen Mängel im Gutachten sieht er wohl?

Rainer Maria Woelki: Welche handwerklichen Mängel im Gutachten sieht er wohl?

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Andreas Arnold / dpa

Der Druck auf Kardinal Rainer Maria Woelki wächst: Die Ersteller des vom Kölner Erzbischof zurückgehaltenen Missbrauchsgutachtens haben angeboten, ihre Einschätzungen selbst zu veröffentlichen – und dafür auch die volle Verantwortung zu übernehmen.

Die beauftragte Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl schreibt in einer Mitteilung , sie könnten das Gutachten auf ihrer Homepage einstellen, »sodass nach unserer Einschätzung für das Erzbistum Köln keinerlei Haftungsrisiken bestehen. Wir trügen hierfür die alleinige und volle Verantwortung.«

Woelki hatte bisher immer gesagt, er könne das Gutachten nicht veröffentlichen, weil es rechtliche Mängel aufweise und »nicht gerichtsfest« sei. Das bestreiten die Anwälte der renommierten Kanzlei.

Das Angebot der Münchner Juristen ließ das Erzbistum Kardinal Woelkis jedoch umgehend ablehnen. Der »Veröffentlichung eines rechtswidrigen Gutachtens« durch Westpfahl Spilker Wastl könne man nicht zustimmen, teilte die Pressestelle mit. Das Gutachten sei schon wegen seiner handwerklichen Mängel »untauglich«.

Woelki hatte das Gutachten selbst in Auftrag gegeben. Die unabhängigen Juristen aus München sollten untersuchen, wie das Erzbistum in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgegangen ist.

Weihbischof zieht umstrittenen Goebbels-Vergleich

Nachdem das Gutachten fertiggestellt worden war, lehnte Woelki jedoch eine Veröffentlichung ab und gab bei einem Kölner Strafrechtler ein neues Gutachten in Auftrag. Es soll am 18. März veröffentlicht werden. Gegen diese Entscheidung wurde Kritik laut, auch unter Priestern. Das Erzbistum drohte einem Pfarrer deshalb mit Konsequenzen .

Aus dem Gutachten bekannt geworden ist indes bereits, dass der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße – früher Personalchef in Köln – kritisch beurteilt wird. Er bestreitet die Vorwürfe.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte unterdessen einen Vergleich des Kölner Weihbischofs Ansgar Puff, der wegen Aussagen über die Medienberichterstattung in die Kritik geraten war. »Die Äußerungen von Weihbischof Puff zündeln an der Pressefreiheit und an der Akzeptanz des professionellen Journalismus in der Gesellschaft«, sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall dem »Kölner Stadt-Anzeiger«.

Puff hatte in einem Video-Beitrag des Kölner Bistumsportals »Domradio« über Fake News von Donald Trump gesprochen. In diesem Zusammenhang erwähnte er das dem Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels – wahrscheinlich fälschlich – zugeschriebene Zitat »Man muss eine Lüge nur oft genug wiederholen, dann wird sie auch geglaubt«.

Anschließend sagte er, dass er immer genau hinschaue, wenn er in bestimmten Medien Woche für Woche das gleiche Thema finde. »Ich überlege, was dahinterstecken könnte, welche Agenda da verfolgt wird, denn ich weiß ja, Wiederholungen allein machen eine Aussage nicht automatisch wahr, auch nicht, wenn es um das angebliche Fehlverhalten von Bischöfen geht.« Damit spielte Puff offenbar auch auf die Berichterstattung über Woelki an.

Der DJV-Vorsitzende Überall sagte dazu, die legitime Berichterstattung professioneller Medien in eine Linie mit Goebbels und dem ehemaligen US-Präsidenten Trump zu stellen, sei »ein Angriff auf die professionellen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland«.

In einer schriftlichen Erklärung Puffs heißt es nun, dass er das vermeintliche Goebbels-Zitat nur auf Trump beziehe. »Sollte der Eindruck entstanden sein, ich hätte Journalisten und den heutigen Journalismus mit Goebbels vergleichen wollen, tut mir das aufrichtig leid und ich bitte dafür um Entschuldigung.«

Anmerkung der Redaktion: Das Zitat »Man muss eine Lüge nur oft genug wiederholen, dann wird sie auch geglaubt« wird immer wieder Goebbels zugeschrieben. Dafür gibt es aber keine Belege, mehrere US-Forscher halten die Zuschreibung inzwischen für falsch. Wir haben die Formulierung daher angepasst.

apr/dpa