Unmut im Erzbistum Rainer Maria Woelki kommt zurück – Kölner Katholiken fordern Gläubigenbefragung

Die Auszeit von Kardinal Woelki endet bald. Laien und Kleriker sind besorgt über die Rückkehr des Geistlichen, der wegen seiner Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kritik steht. Reformer warnen bereits vor Agonie.
Kardinal Woelki bei einer Vesper auf der Bischofskonferenz im September: Sehenden Auges in die Kernschmelze?

Kardinal Woelki bei einer Vesper auf der Bischofskonferenz im September: Sehenden Auges in die Kernschmelze?

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Peter Back / imago images/Future Image

Angesichts der bevorstehenden Rückkehr des Erzbischofs Rainer Maria Woelki und der Reformbeschlüsse des »Synodalen Wegs« am Wochenende haben Katholiken in Köln eine Befragung der Gläubigen gefordert. »Teilhabe der Gläubigen ist in Köln das Gebot der Stunde«, sagte der Vorsitzende des Diözesanrats und Oberbürgermeister von Solingen, Tim Kurzbach, dem »Kölner Stadt-Anzeiger «.

Wenn die jetzigen Verantwortlichen und die deutschen Bischöfe es mit den jüngsten Reformbeschlüssen ernst meinten, müssten sie »die Gemeinden zu der Frage hören, ob es eine Zukunft mit Kardinal Rainer Woelki geben kann«. Das Oberhaupt des Kölner Erzbistums ist noch bis Aschermittwoch, der in diesem Jahr auf den 2. März fällt, beurlaubt. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat sich zuletzt kritisch über die Lage im Erzbistum geäußert und einen Neuanfang verlangt.

»Nicht sehenden Auges in die Kernschmelze laufen«

Die Krise in der Diözese sei durch Woelkis Auszeit nicht beigelegt, mahnte nun Kurzbach. »Es sind derzeit nicht die geringsten Anzeichen erkennbar, dass nach dem 2. März etwas anders wird«, sagte er dem »Kölner Stadt-Anzeiger«. Der Vatikan sei dafür verantwortlich, das Erzbistum »nicht sehenden Auges in die Kernschmelze laufen zu lassen«.

Die Reformbewegung Maria 2.0 forderte Woelkis Vertreter Rolf Steinhäuser dazu auf, seinen Lagebericht für den Vatikan und das Ergebnis einer geheimen Abstimmung im Beratergremium des Erzbischofs zu dessen Rückkehr offenzulegen. Sollte Kardinal Woelki zurückkehren, drohe »Agonie«, hieß es in dem Bericht.

Woelki werden schwere Kommunikationsfehler bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im größten deutschen Bistum vorgeworfen, auch wenn er persönlich juristisch entlastet wurde. Papst Franziskus beließ ihn im Amt, der Kardinal nahm sich jedoch für vier Monate eine sogenannte geistliche Auszeit – bei vollem Gehalt.

»Es muss besser kontrolliert werden können, ob er seiner Hirtenaufgabe gerecht wird«

Am Wochenende beschloss der synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland Handlungsvorschläge für Reformen. Diese zielen unter anderem auf eine Machtkontrolle und Gewaltenteilung in der Kirche sowie die stärkere Einbeziehung der Gläubigen ab. Der synodale Weg ist ein wegen des Missbrauchsskandals ins Leben gerufenes Diskussionsforum, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam Reformvorschläge für die katholische Kirche machen wollen.

Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine, der auch dem Domkapitel des Erzbistums angehört, forderte laut »Kölner Stadt-Anzeiger«, auf die nun in Frankfurt am Main gefassten Voten zu hören. »Der Bischof steht in der Verantwortung für sein Bistum. Es muss besser kontrolliert werden können, ob er seiner Hirtenaufgabe gerecht wird«, sagte Kleine der Zeitung. Kardinal Woelki betone regelmäßig die Berufung aller Getauften und Gefirmten. »Dann sollte er deren Fragen und Antworten auf die ›Zeichen der Zeit‹ zukünftig auch ernster nehmen und annehmen.«

apr/AFP
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