Fastenmonat Wie läuft Ramadan im Flüchtlingsheim?

Am Montag beginnt im Islam der Fastenmonat Ramadan. Wie ändert sich der Alltag in deutschen Flüchtlingsheimen? Eine Leiterin erzählt.

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Von Montag an fasten gläubige Muslime in aller Welt vier Wochen lang im Monat Ramadan. Sie sollen in dieser Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken. Ausnahmen bestehen für Kinder, Senioren und Menschen, die körperlich eingeschränkt sind.

In deutschen Flüchtlingsheimen leben überwiegend Muslime. Wie Heimbetreiber damit umgehen, erklärt Gauhar Besmil. Die Deutsch-Afghanin leitet eine Erstaufnahme der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Kaiserdamm in Berlin. Deutlich mehr als 80 Prozent der 103 Bewohner sind Muslime, die meisten stammen aus Syrien.

Heimleiterin Gauhar Besmil
Amin Akhtar

Heimleiterin Gauhar Besmil

SPIEGEL ONLINE: Frau Besmil, welche Rolle spielt der Ramadan in Ihrer Unterkunft?

Gauhar Besmil: Ramadan ist für Muslime so wichtig wie Weihnachten und Ostern für Christen. Da ist es ein Zeichen von Respekt, dass wir muslimische Flüchtlinge beim Fasten unterstützen. Am Ende feiern wir ein großes Ramadanfest, zu dem jeder herzlich eingeladen ist, Christen, Muslime, Gläubige oder Nichtgläubige. Es ist wie beim Plätzchenbacken, das wir an Weihnachten angeboten haben.

SPIEGEL ONLINE: Wieviele Menschen fasten in Ihrer Unterkunft?

Besmil: Wir haben eine Umfrage gemacht, 37 Bewohner wollen fasten, gut ein Drittel. Sie werden mittags nichts essen, wir stimmen es mit unserem Caterer ab, er liefert also entsprechend weniger Portionen. Dafür bringt er bereits Verpflegung für den Abend mit: Obst, Datteln, Salat, Jogurt - Lebensmittel, die Gläubige beim Fastenbrechen nach Sonnenuntergang zu sich nehmen.

SPIEGEL ONLINE: Wie verändert der Ramadan den Alltag in der Unterkunft?

Besmil: Es sind minimale Änderungen. Die Küche wird bis kurz vor Tagesanbruch zugänglich sein, nicht nur bis 21 Uhr. Und die Besuchszeit verlängert sich um eine Stunde bis 23 Uhr. Das heißt: Die Nachtruhe bleibt, wir wollen aber den Fastenden die Möglichkeit geben, länger mit Gästen zusammen zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Entscheidet in Berlin jede Unterkunft selbst, was sie im Ramadan macht?

Besmil: Das Landesamt für Gesundheit und Soziales hat schriftlich darauf hingewiesen, wie man die Fastenden unterstützt, was Ramadan überhaupt bedeutet. Aber was genau wir in unserer Einrichtung machen, entscheide ich als Heimleiterin in Absprache mit der Awo-Geschäftsstelle.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie im Ramadan die Gefahr von Konflikten, etwa zwischen Muslimen und Christen?

Besmil: Überhaupt nicht. Bei uns gilt generell: Religion ist Privatsache. Dass Muslime den Ramadan begehen und Christen Weihnachten feiern können, ist ein Zeichen von Respekt, den die Menschlichkeit gebietet.



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