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02. April 2011, 18:59 Uhr

Rassismus-Vorwurf

Bäckerei wirbt mit schwarzem Kind für Schoko-Schnitte

Verkäuferinnen wurden beschimpft, Werbeaufsteller umgestoßen: Die Kampagne einer sächsischen Bäckerei für eine Schoko-Sahne-Schnitte hat bei Kunden für Empörung gesorgt. Zu sehen ist ein Kind aus Namibia - Verbraucher werfen dem Unternehmen Rassismus vor. 

Dresden - Die Werbung einer Bäckerei mit einem dunkelhäutigen Baby für Schokoladenkuchen sorgt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg für Wirbel. "Bei der Aktion ist etwas schiefgelaufen, trotzdem muss man nicht gleich Verkäuferinnen beschimpfen und Poster zerstören", sagte Christoph Raddatz, Prokurist der Bäckerei Raddatz, am Samstag im sächsischen Großenhain.

Die Werbung habe bei einigen Kunden in den Filialen in den drei Ländern und im Internet Protest und Rassismus-Vorwürfe ausgelöst. Beinahe eskaliert sei die Lage in Dresden, wo Kunden Verkäuferinnen beschimpft und Werbeaufsteller vor den Geschäften umgestoßen hätten, fügte der 25-Jährige hinzu.

Seit vergangenem Montag preist die Bäckerei auf Werbepostern ihre Schoko-Vanille-Sahne-Schnitte an. Neben einem groß abgebildeten Kuchenstück ist auf dem Plakat ein schwarzes Baby zu sehen. Unter der Abbildung ist unter anderem zu lesen: "Schoko-Traum" sowie ein Verkaufshinweis. Außerdem heißt es dort: "Abbildung nur Serviervorschlag" (für die Vollansicht auf das Bild oben klicken).

Raddatz zufolge handelt es sich um eine Wochenaktion, bei der traditionell mit dem Foto eines Mitarbeiterkindes geworben wird. "Das war auch diesmal so", verteidigte er die Werbung. "Das ist die kleine Tochter eines Mitarbeiters in Namibia. Das Mädchen heißt Sofihya", sagte er dem "Tagesspiegel". Die Hälfte seiner Familie lebe in Namibia. In dem südafrikanischen Land beschäftige Raddatz etwa 50 Mitarbeiter, unterstütze zudem verschiedene Schulen und Brunnenbauprojekte.

Die Kombination des Bildes mit dem Kleingedruckten darunter sei jedoch "wirklich unglücklich", gab Raddatz zu. Die vom Gesetzgeber geforderten Zeilen hätten anders platziert werden müssen. Auch sei es "grenzwertig", dass der Hinweis "Aktion" so über dem Foto des Mädchens prange, sagte Raddatz. Die Bäckerei betreibt nach eigenen Angaben insgesamt 100 Filialen in Deutschland.

sto/dapd

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