Bedenklicher Trend Verfassungsschützer warnen vor Immobilienkäufen durch Rechtsextremisten

Sie betreiben Läden und organisieren Veranstaltungen: Bundesweit kaufen Rechtsextreme Häuser, um so ihre Ideologie zu verbreiten. In bestimmten Regionen geht diese Strategie auf - Experten sind alarmiert.
Neonazi-Treffpunkt im thüringischen Kloster Veßra: Rechte Häuser

Neonazi-Treffpunkt im thüringischen Kloster Veßra: Rechte Häuser

Foto: Steffen Ittig/ dpa

Verfassungsschützer warnen vor zunehmenden Immobilienkäufen durch Rechtsextremisten in einzelnen deutschen Regionen. Neonazis und andere extreme Rechte suchten gezielt in Sachsen und anderen ostdeutschen Bundesländern vor allem im ländlichen Raum nach Grundstücken und Gebäuden, sagte der Rechtsextremismus-Experte beim sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz, Henry Krentz, den Zeitungen der Funke Mediengruppe

Die Immobilien werden dem Zeitungsbericht zufolge von den Rechtsextremisten als Szene-Stützpunkte und Schulungszentren genutzt. Allein in Sachsen waren nach Erkenntnissen des dortigen Verfassungsschutzes im vergangenen Jahr 27 Gebäude im Besitz von rechtsextremen Gruppen gewesen - fünf mehr als im Jahr davor. Der Trend werde sich im laufenden Jahr fortsetzen, sagte Frei.

Auch in anderen Bundesländern zeige sich eine Zunahme rechtsextremer Immobilienkäufe, heißt es in dem Bericht. Sachsen-Anhalt gebe derzeit die Zahl von Gebäuden und Grundstücken in Hand von Neonazi-Gruppen mit 22 an, Anfang 2019 seien es noch neun gewesen. In den meisten Bundesländern blieb die Zahl der Immobilien in rechtsextremer Hand laut einer Funke-Umfrage jedoch unverändert.

Im Falle des erfolgreichen Erwerbs einer Immobilie ergebe sich "die Gefahr einer Verankerung von Rechtsextremisten in bestimmten Regionen", erklärte das Bundesamt für Verfassungsschutz auf Nachfrage der Zeitungen. Im Mai vergangenen Jahres nutzten Rechtsextremisten der Bundesregierung zufolge insgesamt 146 Immobilien in Deutschland für ihre Zwecke.

Demzufolge nutzten Rechtsextreme in Bayern 21 Immobilien, in Thüringen 16, in Mecklenburg-Vorpommern 14 und in Baden-Württemberg 13. Besonders im Südwesten war die Zahl der bekannten Objekte stark gestiegen. 2018 listete die Bundesregierung in Baden-Württemberg nur sechs Immobilien auf.

Für Veranstaltungen und als Treffpunkt bekannt sind vor allem die Gaststätte "Goldener Löwe" im thüringischen Kloster Veßra der Szenegröße Tommy Frenck, der 2017 ein Rechtsrockkonzert im nahen Themar mit mehreren Tausend Besuchern organisierte, sowie ein Gelände im sächsischen Ostritz, auf dem regelmäßig das Neonazi-Festival "Schild und Schwert" stattfindet.

mxw/AFP
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