"Feministische Thesen" Franziskus ruft rebellische Nonnen zur Ordnung

Wie weit geht der Reformwille von Papst Franziskus? Gerade bestätigte der neue Pontifex einen Bericht, in dem allzu liberal gesinnte US-Nonnen abgemahnt wurden. Sie hätten radikal-feministische Thesen vertreten, hieß es. Der Argentinier fordert Gehorsam.
Papst Franziskus bei einer Messe in Rom

Papst Franziskus bei einer Messe in Rom

Foto: MAX ROSSI/ REUTERS

Rom - Er will die Kurie reformieren, hat eigens einen Arbeitskreis zusammengerufen, in dem acht Kardinäle aus fünf Kontinenten sitzen. Mit seinen ersten Schritten im Amt verbreitet Papst Franziskus allerorts Hoffnung auf Bewegung, Veränderung und Reformen in der katholischen Kirche. Jetzt bestätigen Berichte von US-Medien, dass der Pontifex liberalen Strömungen offenbar weniger zugetan ist als vermutet.

Der Vatikan hatte im vergangenen Jahr auf eine Reform der US-Vereinigung katholischer Nonnen gedrängt. Die hatten sich mit allzu progressiven Ideen in Sachen Empfängnisverhütung, Abtreibung und der Homosexualität innerkirchliche Feinde gemacht. Man warf der Leadership Conference of Women Religious (LCWR) vor, "radikal-feministische Thesen" zu vertreten. Die Organisation ist in Maryland ansässig und hat etwa 1500 katholische Frauen in führenden Positionen als Mitglieder.

Benedikt XVI. hatte noch Mitte Januar einen kritischen Bericht über die Arbeit der Nonnen, der auch die Aufforderung enthielt, Gehorsam gegenüber dem Vatikan zu üben, abgesegnet. Dasselbe tat nun auch Franziskus.

Bei einem Treffen mit Spitzenvertreterinnen der US-Nonnen sagte der Präsident der vatikanischen Glaubenskongregation, der deutsche Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, am Montag laut einer Mitteilung, Franziskus habe ihm bestätigt, hinter dem Bericht und dem darin vorgesehenen "Reformprogramm" für die Orden zu stehen.

Zwar hatten die Frauen eine Welle der Solidarität hinsichtlich ihrer Positionen erlebt. Doch die Kirchenspitze bleibt eisern.

Derweil bekommt Franziskus Einladungen in alle Welt. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat den Papst zu einem Eucharistischen Kongress vom 5. bis 9. Juni in Köln eingeladen. Ein Sprecher Meisners bestätigte am Montag eine entsprechende Meldung der "Kölnischen Rundschau". Ob Franziskus tatsächlich zu der Veranstaltung in Köln kommt, steht noch nicht fest.

Die erste Reise des Pontifex jedoch geht - wenig überraschend - nach Lateinamerika. Franziskus sagte zu, den Weltjugendtag in Brasilien besuchen zu wollen. Dies bestätigte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Montag. Der Weltjugendtag in der Millionenstadt Rio beginnt am 23. Juli und endet am 28. Juli.

Zum ersten Eucharistischen Kongress der Deutschen Bischofskonferenz werden Zehntausende Gläubige in Köln erwartet. Der Kongress soll vor allem ein "Glaubensfest" mit Gottesdiensten, Prozessionen und Jugendfestival werden. Kritiker sprechen von einer Gegenveranstaltung zum Katholikentag, der manchen Bischöfen "zu links" sei.

Als ersten europäischen Regierungschef hat der Papst den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zu einer Privataudienz empfangen. Das Gespräch fand im Beisein von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone im Vatikan statt. Dabei ging es offiziellen Angaben zufolge um die Wirtschaftskrise in Spanien und anderen europäischen Ländern sowie die vor allem unter Jugendlichen verbreitete Massenarbeitslosigkeit.

Weitere Themen waren die Institution der Familie und der Ehe und die "Bedeutung einer religiösen Erziehung", wie es in einer Erklärung des Vatikans hieß. Der Vatikan lehnt ein unter Rajoys Vorgänger, dem Sozialisten José Luis Zapatero, verabschiedetes Gesetz, das gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt, strikt ab.

ala/dpa