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25. Dezember 2012, 17:04 Uhr

Extremwinter

Rekordkälte in Russland fordert mehr als 120 Todesopfer

Hunderte haben Erfrierungen erlitten und lassen sich in Krankenhäusern behandeln. Doch für mehr als 120 Menschen kam jede Hilfe zu spät. Die extreme Kälte in Russland fordert immer mehr Todesopfer. In Moskau steigen jetzt die Temperaturen - doch der Zivilschutz sieht auch darin Gefahren.

Moskau/Hamburg - Weißer Himmel, weiße Städte und Parks, alles ist eingeschneit: Die schwersten Dezemberfröste seit einem halben Jahrhundert haben in Russland bisher mindestens 123 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 1700 Kälteopfer hätten medizinische Versorgung benötigt. Etwa 880 Menschen befänden sich noch in Kliniken, zitierte die Agentur Interfax Gesundheitsbehörden.

Allein am Montag seien sieben Menschen in verschiedenen russischen Regionen erfroren. Experten gehen sogar von weit mehr Kälteopfern aus. Noch am Sonntagabend hatten die Behörden die Zahl der Toten mit 88 angegeben.

Kritiker bemängeln, dass für Obdachlose kaum Notunterkünfte bereitstehen. In mehreren Gegenden östlich des Urals herrschte weiter schwerer Frost weit unter minus 30 Grad. Für Moskau sagten Meteorologen allerdings einen deutlichen Temperaturanstieg voraus. Zugleich warnte das Zivilschutzministerium vor Gefahren aufgrund des milderen Wetters. Vor allem tauende und herabfallende Eiszapfen an Dächern sowie Blitzeis auf den Straßen seien eine Gefahr.

Seit Tagen herrscht klirrende Kälte im Land. Für mehr als 250.000 kleine Kinder fiel die Grundschule oder der Kindergarten aus. In der südsibirischen Teilrepublik Tuwa gingen die Reparaturarbeiten an einem kaputten Heizkraftwerk weiter - der Störfall hatte dafür gesorgt, dass mehr als 3000 Menschen der Kälte ausgesetzt waren. "Wir haben nicht mal mehr Wasser, wir mussten Schnee schmelzen", sagte ein Betroffener laut der Nachrichtenagentur AFP im russischen Fernsehen. Einige Bewohner wurden mit Helikoptern in die Stadt Kyzyl gebracht.

An der Grenze zur Mongolei gib es Temperaturen unter minus 40 Grad. Ein Flugzeug des Zivilschutzes brachte Dutzende Heizöfen in die Region. Republikchef Scholban Kara-ool bat die Zentralregierung um zusätzliches Geld für den Bau eines modernen Kesselhauses, das dem harten Wetter besser standhalten könne.

Warmes Matschwetter in Deutschland

In Deutschland hingegen konnten die Heizungen mancherorts getrost ausgestellt werden. Der 24. Dezember 2012 wird als der bisher wärmste Heiligabend, den es hierzulande je gab, in die Archive des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eingehen. Die offizielle Rekordtemperatur wurde mit 18,9 Grad in Freiburg gemessen.

Noch wärmer war es zeitweise in München, wo das Thermometer an einer Messstation der Universität 20,7 Grad anzeigte. Der DWD wies am Dienstag allerdings darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine seiner eigenen Messstationen handelte. Der Münchner Wert werde insofern auch nicht in die offizielle Statistik des DWD eingehen. Den deutschlandweiten Temperaturrekord an einem Heiligabend hatten bisher Baden-Baden sowie das badische Müllheim gehalten. Dort waren 1983 jeweils 17,8 Grad erreicht worden.

Nach dem warmen Heiligabend erlebt der Süden Deutschlands auch einen extrem milden ersten Weihnachtstag. In der Münchener Innenstadt stieg die Temperatur bis Dienstagmittag auf 12,8 Grad, wie ein DWD-Sprecher sagte. Die Norddeutschen konnten von frühlingshaften Temperaturen jedoch nur träumen. Lediglich der Schnee schmolz, und im Norden mussten die Menschen am Dienstag im "Schmuddelwetter" unter grauem Himmel ihren Weihnachtsspaziergang machen.

jus/dpa/AFP

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