Reaktion auf Randale Ab sofort Armbändchenpflicht in Düsseldorfer Rheinbad

Am Wochenende sagten Polizeibeamte, im Rheinbad hätten 50 bis 60 Personen randaliert. Nun spricht der Bürgermeister von "deutlich weniger" - und kündigt neue Maßnahmen an.

Oliver Berg/dpa

Im Düsseldorfer Rheinbad gilt nach wiederholten Tumulten seit Sonntag eine Ausweispflicht. Überdies müssen sich die Besucher nun zusätzlich mit einem kleinen Armbändchen kennzeichnen, welches am Kassenhäuschen ausgegeben wird. Damit soll ein besserer Überblick über die Badegäste ermöglicht werden. Über den Zaun ins Bad gelangte Unbefugte sollen so rascher erkannt werden.

Dies kündigte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel bei einer Pressekonferenz an. Die Nachrichtenagentur dpa schreibt zudem, dass es eine neue Videoüberwachung geben soll, die "Rheinische Post" berichtet hingegen, diese gebe es bereits seit Ende Juni. Die Zuständigen des Bads konnten bisher nicht von der SPIEGEL-Redaktion erreicht werden, um diesen Widerspruch aufzuklären.

Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf die Randale männlicher Jugendlicher im Bad. Die Polizei hatte das Freibad am Freitag zum wiederholten Mal geräumt, nachdem eine größere Gruppe von jungen Männern Sprungbrett und Rutsche in Beschlag genommen hatte. Die Beamten sprachen von 50 bis 60 Jugendlichen und jungen Männern - "augenscheinlich", so ein Sprecher, "mit Migrationshintergrund nordafrikanischen Typus".

Oberbürgermeister: Rädelsführer mit deutschen Pässen

Oberbürgermeister Geisel sagte nun, es seien "deutlich weniger" Jugendliche auffällig geworden. Und: Die Rädelsführer hätten deutsche Pässe. Nur kurz zuvor hatte Geisel im ZDF-"Morgenmagazin" gesagt, dass man durch die neue Ausweispflicht in dem Schwimmbad nun die Personalien von Störern aufnehme. Gegen die würden dann Verfahren eingeleitet, die "dann möglicherweise auch zu aufenthaltsbeendenden Maßnahmen führen könnten".

Über diese "ausländerrechtlichen Konsequenzen" hätten die "zuständigen Behörden" zu entscheiden. Zunächst strebe man Ordnungswidrigkeitsverfahren und gegebenenfalls strafrechtliche Verfahren an. Seit Sontag muss sich jeder Besucher im Rheinbad ausweisen können. "Das werde ein Stück weit eine disziplinierende Wirkung haben", sagte Oberbürgermeister Geisel.

Pfefferspray, Beleidigungen und Bedrohungen

Nach den Vorkommnissen von Freitagabend ist laut Polizei ein 16-Jähriger wegen Beleidigung und Bedrohung einer Bademeisterin angezeigt worden. Der junge Mann sei in Deutschland geboren und habe einen afrikanischen Migrationshintergrund. Der zweite Mann, gegen den ermittelt werde, habe mit dem Tumult selbst nichts zu tun gehabt. Der 27-jährige Deutsche habe eine Polizistin beleidigt, als er das Bad verlassen sollte. Weitere Ermittlungsverfahren gab es nach dem Vorfall laut Polizei nicht.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (M.): "Deutlich weniger" Jugendliche auffällig
David Young/dpa

Oberbürgermeister Thomas Geisel (M.): "Deutlich weniger" Jugendliche auffällig

Die Polizei hatte etwa 1500 Besucher aus dem Becken und von den Wiesen nach Hause geschickt. Die Gruppe junger Männer hatte Sprungbrett und Rutsche belagert und andere Gäste nicht durchgelassen. Die Bademeister konnten sich nicht durchsetzen. Der Hinweis auf Haus- und Baderegeln verpuffte.

Schon am letzten Juni-Wochenende hatte das Bad nach Auseinandersetzungen und kleineren Schlägereien mit einem Polizeieinsatz geschlossen werden müssen. Einige junge Männer waren über Decken und Badegäste gesprungen. Bei dem Vorfall sah sich ein 53-jähriger Familienvater plötzlich von einer schimpfenden Masse aus 400 Personen umringt. Am Ende eskortierte die Polizei seine Familie aus dem Bad, sie setzte Pfefferspray ein.

Zuletzt ist es vermehrt zu Übergriffen in deutschen Freibädern gekommen. Auch deshalb warnt der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Schwimmbäder, Peter Harzheim, vor einer zunehmenden Aggressivität. "Die Stimmung in den Freibädern wird immer aggressiver", hatte Harzheim Ende Juni der "Rheinischen Post" gesagt. Seit etwa 10 bis 15 Jahren werde es von Jahr zu Jahr schlimmer, habe er festgestellt. "Das ist eine erschreckende Entwicklung. Wir müssen da knallhart durchgreifen."

apr/tin/dpa

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