Riesige Staubwolke Berliner Deutschlandhalle erfolgreich gesprengt

40 Kilo Sprengstoff, ein lauter Knall und sehr viel Staub: In Berlin ist das Dach der Deutschlandhalle gesprengt worden. "Es ist zu 100 Prozent perfekt gelaufen", freute sich der Sprengmeister. Jetzt ist der Weg frei für eine neue Kongresshalle.

dapd

Berlin - Kurz vor zehn Uhr am Samstagmorgen war das Ende der 76 Jahre alten Berliner Deutschlandhalle besiegelt: Nach einem gewaltigen Knall sackte das 6000 Quadratmeter große Stahldach des Gebäudes planmäßig zusammen und wirbelte eine riesige Staubwolke auf. Die zog langsam über den Stadtteil Charlottenburg hinweg und löste sich erst Minuten später auf.

"Es ist zu 100 Prozent perfekt gelaufen", freute sich Sprengmeister Christoph Halter. Den Sprengstoff habe man an den Stahlbetonstützen des Dachs angebracht. Zusätzlich seien 32 Schneidladungen verteilt worden. "Wir mussten 1000 Meter Kabel verlegen, um die Sprengladungen miteinander zu verbinden", so Halter. 235 Löcher wurden in die Dachpfeiler gebohrt.

Das Gelände war zuvor aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt worden. Der Verkehr auf der A115 ruhte während der Arbeiten. Der Sperrkreis wurde allerdings wenige Minuten nach der Sprengung aufgehoben.

Ein Abriss des Dachs mit einem Bagger wäre aus Sicht des Sprengmeisters wegen der besonderen Bauweise zu gefährlich gewesen. "Das Dach hätte bei den Arbeiten einstürzen können", betonte Halter, der Mitte der siebziger Jahre als Ordner in der Halle arbeitete. 8000 Euro hat die Sprengung den Angaben zufolge gekostet.

Startschuss in die Zukunft

Bis März nächsten Jahres sollen die stehengebliebenen Mauern abgetragen werden. Danach werden nach den Worten eines Messesprechers die Arbeiten für den Neubau einer Kongresshalle beginnen. Die Halle mit bis zu 9000 Plätzen solle im Dezember 2013 ihren Betrieb aufnehmen können.

"Der Abriss ist für die Messe der Startschuss in die Zukunft", sagte ein Sprecher. Bei großen Veranstaltungen wie der Internationalen Funkausstellung (IFA) platzt die Messe regelmäßig aus den Nähten. Neben den 26 Hallen mussten Aussteller immer wieder in Zelte ausweichen.

In der neuen Halle können den Angaben zufolge mehr als 80 Prozent der bisherigen Großveranstaltungen durchgeführt werden. Das asbestbelastete Internationale Congress Centrum (ICC) nebenan soll ab 2014 saniert werden.

Die Demontage der denkmalgeschützten Halle war gleichwohl umstritten. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wollte den Bau erhalten, der besonders bei den West-Berlinern mit vielen Erinnerungen verknüpft ist.

Der Bau war am 29. November 1935 nach neun Monaten Bauzeit von Adolf Hitler eröffnet worden. Mit einem Rad-Mannschaftsrennen feierte die Halle am 7. Dezember 1935 ihre Sportpremiere. Die Nazis nutzten sie in der Folge für ihre Massenveranstaltungen. Zu den Olympischen Spielen 1936 galt die Deutschlandhalle mit 10.000 Zuschauerplätzen als größte Mehrzweckhalle der Welt. In der Halle traten Rock- und Pop-Legenden wie Jimi Hendrix, die Rolling Stones und Tina Turner auf. 1998 fand die letzte Veranstaltung statt. Insgesamt kamen fast 29 Millionen Besucher zu rund 7200 Veranstaltungen in das Gebäude auf dem Messegelände.

ala/dpa/dapd



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