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Rostock-Lichtenhagen: Linke kappen Friedenseiche

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Mecklenburg-Vorpommern Friedenseiche in Rostock-Lichtenhagen abgesägt

Ganze zwei Tage stand die frisch gepflanzte Friedenseiche vor dem Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen - als Mahnmal gegen Rassismus und Fremdenhass. Dann wurde der Baum mitten in der Nacht gefällt. Zu der Tat bekannt hat sich eine linksextreme Gruppe.

Rostock - Sie sollte ein Zeichen der Hoffnung sein: Die neugepflanzte Friedenseiche vor dem Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen. Doch in der Nacht zum Mittwoch sägten Unbekannte den Baum ab.

Erst am Sonntag war die Eiche im Gedenken an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen im Jahr 1992 gepflanzt worden. Zwar hatte die Polizei in den vergangenen Tagen ihre Streifengänge verstärkt. Bemerkt wurde die Tat allerdings von einem Passanten, der in dem Stadtviertel arbeitet. Er erstattete gegen sechs Uhr am Mittwoch Anzeige.

Sozialsenatorin Liane Melzer sagte: "Das Absägen der Eiche ist ein Zeichen, dass der Aufarbeitungsprozess noch längst nicht beendet ist." Die Stadt will laut eigenen Angaben Anzeige erstatten und einen neuen Baum pflanzen.

Zu der Tat bekannte sich die linksextreme "Arbeitsgruppe antifaschistischer Fuchsschwanz", ein Zusammenschluss radikaler Linker, die bisher unauffällig agierten. Die Gruppe sandte ihre Erklärung an verschiedene gleichgesinnte Betreiber von Internetseiten sowie an die Polizei. Darin heißt es, man habe gegen halb zwei in der Nacht zum Mittwoch den Baum neben dem Sonnenblumenhaus abgesägt, weil er ein Symbol "für Deutschtümelei und Militarismus" sei und damit "ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die 1992 dem Mob in Rostock-Lichtenhagen ausgesetzt waren".

"Die Internetseite der Gruppe ist der Polizei bekannt. Die Mitglieder sind jedoch bislang nicht durch Aktionen aufgefallen oder in ähnlichen Zusammenhängen straffällig geworden", sagte eine Sprecherin der Rostocker Polizei. Jetzt ermittle der Staatsschutz in der Sache.

Ein Sprecher der Stadt Rostock bedauerte den Vorfall. "Das Pflanzen der Friedenseiche war einer der Höhepunkte rund um die Aktivitäten zum 20-jährigen Gedenktag." Zwar habe es im Vorfeld Kritik an der Aktion gegeben. "Es gab aber keine konkreten Drohungen", sagte er SPIEGEL ONLINE.

In dem Gebäude des Sonnenblumenhauses hatte sich die überfüllte Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber befunden. Im August 1992 hatten Jugendliche und Erwachsene die Aufnahmestelle mit Steinen und Brandsätzen mehrere Tage lang angegriffen, ohne von der Polizei wirksam gestoppt zu werden. Die Krawalle sorgten weltweit für Entsetzen.

lgr/ala/dpa
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