Chemiefabrik-Brand in Rouen Sorge wegen Rauchwolke - Regierung verspricht Transparenz

Nach einem Fabrikbrand in Rouen sind viele Bürger besorgt. In der nordfranzösischen Stadt regnete es Rußteilchen und stank. Die Behörden geben jedoch Entwarnung, was die Luftqualität angeht.

Löscharbeiten in Rouen: Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen
SDIS/ AFP

Löscharbeiten in Rouen: Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen


Nach einem Feuer in einer Chemiefabrik in der nordfranzösischen Stadt Rouen hat die Regierung den besorgten Anwohnern völlige Offenheit versprochen. Man müsse ihre Anliegen hören und ernstnehmen, sagte Premierminister Édouard Philippe am Sonntag, wie die Zeitung "Ouest France" berichtete. Man werde alle offenen Fragen transparent beantworten. Die Bürger in der Region haben Sorge, dass der Brand gesundheitliche Folgen für sie haben könnte.

Der Brand war am frühen Donnerstagmorgen ausgebrochen. Aus der Chemiefabrik war eine gigantische Rauchsäule aufgestiegen. Französische Medien berichteten von riesigen Flammen und Explosionen in der Fabrik des Unternehmens Lubrizol, das Zusatzmittel für Öle herstellt. Durch den Brand waren zwei Lagerhäuser und ein Verwaltungsgebäude beschädigt worden. Verletzte hatte es bei dem Feuer nicht gegeben, die Brandursache ist noch unklar.

Zuletzt hatte die Präfektur beschwichtigt. Analysen hätten gezeigt, dass die Luftqualität normal sei, hatte der Präfekt Pierre-André Durand am Samstag bei einer Pressekonferenz gesagt. Einzige Ausnahme sei der Standort der Fabrik. Es sei möglich, dass einige Schulen wegen der Reinigungsarbeiten am Montag noch geschlossen bleiben, so Durand.

Kritiker hatten den Behörden vorgeworfen, die Langzeitfolgen der Rauchwolke nicht im Blick zu haben und die Gefahr herunterzuspielen. In der Region gab es nach dem Feuer zahlreiche Rußspuren. Flüsse und Seen waren verschmutzt und in der Luft lag ein unangenehmer Geruch. Behörden hatten immer wieder betont, dass keine gefährlichen Stoffe freigesetzt worden seien. Medien berichteten, dass die Rauchwolke mittlerweile über Belgien in Richtung Niederlande gezogen sei.

"Eindeutig verschmutzt"

Frankreichs Gesundheitsministerin Agnès Buzyn hatte am Freitagabend betont, dass die Stadt "eindeutig verschmutzt" sei. Sie riet Anwohnern, Ruß und Teer bei Reinigungsarbeiten nur mit Schutzhandschuhen zu berühren. Es sei für die Bevölkerung niemals gut, mit solchen Stoffen in Kontakt zu kommen. Die Staatsanwaltschaft weitete ihre Untersuchungen am Wochenende unterdessen aus und ermittelt nun auch wegen Gefährdung Unbeteiligter, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Die Fabrik in der Normandie gehört nach Behördenangaben in die sogenannte Seveso-Kategorie von gefährlichen Standorten, die besonders überwacht werden. Im italienischen Seveso bei Mailand war es 1976 zu einem verheerenden Chemieunfall gekommen.

mbö/dpa



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