Russisch-Orthodoxe Christen Hunderttausende bei ritueller Reinigung im Eisbad

Ritual, Gesundheitsförderung, Mutprobe: Mit dem Baden im Eiswasser haben sich in Russland Hunderttausende orthodoxe Christen symbolisch von ihren Sünden reingewaschen. Ein äußerst frostiges Vergnügen.

REUTERS

Moskau - Hunderttausende orthodoxe Christen haben in Russland der Kälte getrotzt und sich mit dem rituellen Eisbaden symbolisch von ihren Sünden reingewaschen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nahmen allein in Moskau etwa 150.000 Menschen an dem Ritual teil, wie der Zivilschutz mitteilte.

Patriarch Kirill segnete das Wasser in einer Moskauer Kirche. In Badekleidung sprangen die unerschrockenen Gläubigen in eiskalte Flüsse, Teiche oder Schwimmbecken. In ganz Russland tauchten schätzungsweise mehr als 1,5 Millionen Menschen im geweihten Nass unter.

Das Ritual, das sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit erfreut, soll zugleich die Gesundheit stärken. Vor allem junge Russen sehen es immer mehr auch als Freizeitvergnügen oder Mutprobe. Allein im Gebiet Moskau waren mehr als 90 Stellen für das Eisbaden freigegeben.

Mit dem Eisbaden erinnern die orthodoxen Christen zum Epiphaniasfest (Erscheinung des Herrn) an die Taufe Jesu im Jordan. Nach dem Julianischen Kalender fällt das Fest auf den 19. Januar - es wird 13 Tage später gefeiert als bei den Christen im Westen.

Der Brauch ist nicht ungefährlich: In der Vergangenheit hatte es auch Todesfälle gegeben. Mehr als 35.000 Mitarbeiter des Zivilschutzes waren in Russland im Einsatz.

wit/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.