Russland Zeitung will Journalisten mit Waffen ausstatten

Am Montag wurde eine Journalistin an ihrem Arbeitsplatz in Moskau attackiert. Nun plant die Oppositionszeitung "Nowaja Gaseta", ihre Angestellten mit Waffen auszurüsten. Es gebe "keine andere Lösung".
Titelseiten der "Nowaja Gaseta" (Archivbild 2009)

Titelseiten der "Nowaja Gaseta" (Archivbild 2009)

Foto: Alexander Zemlianichenko/ AP

Die russische Oppositionszeitung "Nowaja Gaseta" will in Zukunft ihre Mitarbeiter mit Waffen ausstatten. Hintergrund ist die gestiegene Angst vor Attacken auf Journalisten im Land. "Wenn der Staat nicht bereit ist, uns zu verteidigen, werden wir uns selbst verteidigen", sagte der stellvertretende Chefredakteurs Sergej Sokolow. Es gebe "keine andere Lösung".

Der Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", Dmitri Muratow, hatte am Mittwoch im kremlkritischen Radiosender Echo Moskwy gesagt, die Zeitung werde einige Mitarbeiter in Selbstverteidigungskurse schicken und Schusswaffen mit Gummigeschossen kaufen. Wegen einer Reihe von Mordversuchen bleibe ihm "nichts anderes übrig". Zudem kündigte er "weitere Sicherheitsmaßnahmen" an, führte dies aber nicht weiter aus.

Am Montag war die Journalistin Tatiana Felgengauer an ihrem Arbeitsplatz bei Echo Moskwy attackiert und mit einem Messer am Hals schwer verletzt worden. Sie ist weiter im Krankenhaus, Lebensgefahr besteht nicht. Die 32-Jährige ist stellvertretende Chefredakteurin bei dem Radiosender. Der Angreifer soll laut Polizei psychisch gestört sein.

"Nowaja Gaseta" gehört zu den wichtigsten unabhängigen Medien Russlands. Der SPIEGEL nannte die Zeitung 2009 "Europas gefährlichsten Arbeitsplatz für Journalisten ". Offenbar im Zusammenhang mit den Recherchen der Zeitung wurden seit deren Gründung 1993 sechs ihrer Mitarbeiter getötet, darunter 2006 die Journalistin Anna Politkowskaja, die kritisch über die Kreml-Politik in Tschetschenien berichtete.

aar/AFP/AP