Asyl-Ratgeber in Sachsen Bitte bestechen Sie keine Beamten

Wie verhält man sich auf dem Amt? Wie im Nahverkehr? Um Asylsuchenden zu helfen, hat die sächsische Landesregierung eine Infobroschüre mit Comicbildern herausgegeben. Das Projekt sei vorurteilsbeladen, kritisiert "Pro Asyl".

Staatsministerium des Innern

Hamburg - Eine Frau zeigt streng auf die Uhr, der Mann neben ihr hat sich verspätet; in einer Gemeinschaftsunterkunft gibt es Ärger, weil einige Anwohner nicht auf ihre kranken Nachbarn Rücksicht nehmen; ein Beamter soll ein Geschenk bekommen, wiegelt aber freundlich ab: Alle drei Szenen stammen aus einer Orientierungshilfe für Asylsuchende, die das sächsische Innenministerium herausgegeben hat. In Comicform sollen die Bilder illustrieren, wie man sich in Deutschland zu verhalten hat: Bei Terminen pünktlich sein, Rücksicht auf andere nehmen, keine Beamten bestechen.

In dem 24-seitigen Dokument werden laut einer Pressemitteilung "Rechte und Pflichten von Asylsuchenden ebenso aufgeführt wie praktische Hinweise zur medizinischen Versorgung, zu Sprachkursen und zum Kita- und Schulbesuch von Kindern."

Der Ratgeber liegt in sieben Sprachen vor, darunter Englisch, Französisch und Arabisch. Er sei als individuelle Hilfe für Asylsuchende gedacht und könne Impulse für die Flüchtlingssozialarbeit und für den Dialog in den Kommunen setzen, heißt es. "Unsere Selbstverständlichkeiten sind nicht ihre Selbstverständlichkeiten."

Unter Punkt 6, "Konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden", heißt es beispielsweise: "Halten Sie Termine immer ein oder sagen Sie diese vor dem Termin (telefonisch) ab." Unter Punkt 3.1 ("Hinweise für das Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft") heißt es: "Sie können tagsüber gern Besuch empfangen. Ihre Gäste dürfen aber nicht in der Unterkunft übernachten."

"Humor ist universell"

In der Broschüre solle auf einfache Weise erklärt werden, wie Deutschland tickt, sagt der sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU). Und weil Texte alleine offenbar nicht reichen, werden die Hinweise durch Comics illustriert und aufgelockert. Kann Humor bei einem solchen Thema der richtige Zugang sein? "Kulturelle Unterschiede kommen im Comic leichter rüber. Es soll vor allem unsere deutschen Sitten auf die Schippe nehmen", sagt Gillo. "Humor ist universell."

Die Idee hinter dem Ratgeber: Selbst Alltagssituationen können Asylsuchende hierzulande vor Probleme stellen, die sich aber mit der richtigen Starthilfe leicht umgehen lassen. Zum Beispiel die Szene mit dem Geschenk für einen Beamten: "In anderen Kulturen ist es eine Beleidigung, sich für einen Gefallen nicht zu bedanken", sagt Gillo. "Bei uns darf man nicht mal ein Geschenk für fünf Euro annehmen."

Pro Asyl kritisierte das Projekt: "Die Comics bedienen alle gängigen Klischees", teilt die Menschenrechtsorganisation mit. Es würden vorurteilsbeladene Bilder von Asylsuchenden vermittelt. Das Fazit der Organisation: "Schlecht gemacht, vielleicht gut gemeint." Ein "Knigge" für Sachsen zum respektvollen und menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen wäre dringend geboten, das Bundesland habe ein großes Akzeptanz- und Rassismusproblem bezogen auf Flüchtlinge und Asylsuchende.

hut/ade



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