Naher Osten Schwerer Sandsturm tötet zwei Menschen im Libanon

Der Sand peitschte und nahm den Menschen die Luft: Ein schwerer Sturm tobte über vielen Ländern des Nahen Ostens. Im Libanon starben mindestens zwei Menschen.

REUTERS

Ein schwerer Sandsturm ist über mehrere Länder des Nahen Ostens hinweg gefegt. Im Libanon starben mindestens zwei Menschen, Hunderte litten unter Atemnot. Bei den Opfern handle es sich um zwei Frauen, zitiert die Nachrichtenagentur AFP den libanesischen Gesundheitsminister Wael Abou Faour.

Der Sturm entwickelte sich am Montag im Norden des Irak und führte dann in breiter Front Staubwolken über Syrien, den Libanon, die Palästinensergebiete und Israel - sowie bis nach Zypern und an die Südküste der Türkei. Die Partikel in der Luft wiesen eine "ungewöhnliche Dichte" auf, wie Mouin Hamzé, Generalsekretär des Nationalen Forschungszentrums (CNRS) in Beirut sagte.

Ungewöhnlich sei auch der Zeitpunkt. Der von heißen, sandigen Winden begleitete Chamsin trete in der Region zwar häufig um das Äquinoktium auf, also die Tagundnachtgleiche, "aber eigentlich im Frühjahr und nicht im Herbst", sagte Hamzé.

In Jerusalem wurde nachmittags eine Staubdichte von 1412 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Bereits bei 200 Mikrogramm pro Kubikmeter rät der dortige meteorologische Dienst von Sport im Freien ab. Die Gesundheitsbehörden im Libanon und in Israel riefen alle Risikogruppen auf, "zu Hause zu bleiben oder draußen Gesichtsmasken zu tragen". Gemeint sind Menschen, die unter Allergien, Atem- oder Herzbeschwerden leiden, sowie generell Ältere, Kinder und Schwangere.

Laut der israelischen Zeitung "Haaretz" wurden in Jerusalem sowie auf den Golanhöhen und in der Region Judäa große Mengen Staub gemessen. Flüge von und nach Eilat seien annulliert worden.

Im Libanon war die Belastung in der hochgelegenen Bekaa-Ebene im Osten des Landes besonders hoch. Hier wurden bis zum Dienstagnachmittag 750 Menschen mit Erstickungsanfällen oder akuter Atemnot in Krankenhäuser aufgenommen.

Stark betroffen waren auch viele Gebiete in Syrien, die bereits unter den anhaltenden Kriegsfolgen leiden. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, Dutzende Menschen, darunter auch Kinder, litten unter Erstickungsanfällen. In der von den Dschihadisten des "Islamischen Staats" kontrollierten Ostprovinz Deir Essor verweigerten Krankenhäuser demnach die Aufnahme weiterer Patienten, weil der Vorrat an Sauerstoff-Flaschen ausgegangen sei. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen.

Eine Normalisierung der Luftwerte erwarteten die Meteorologen erst ab Mittwochabend.

apr/AFP/dpa



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