Schiffsunglück Blackbox der "Costa Concordia" war offenbar defekt

Noch immer ist unklar, wie genau es zur Havarie der "Costa Concordia" kommen konnte. Antworten sollte die Blackbox liefern. Doch eine Zeitung berichtet nun, was schon lange vermutet wurde: Der Reisedatenschreiber war demnach defekt. Die Reederei bestreitet dies.

Wrack der "Costa Concordia" vor Giglio: Keine Aufzeichnungen nach der Havarie
DPA

Wrack der "Costa Concordia" vor Giglio: Keine Aufzeichnungen nach der Havarie


Giglio - An Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" waren einem Zeitungsbericht zufolge sowohl die Blackbox als auch mehrere Navigationsinstrumente defekt. Das berichtet am Dienstag die italienische Zeitung "Corriere della Sera". Die Blackbox sei bereits seit dem 9. Januar und damit vier Tage vor dem Unglück defekt gewesen, heißt es unter Berufung auf Ermittlungsberichte.

Deshalb könne das genaue Geschehen in der Unglücksnacht nicht komplett nachvollzogen werden. Das Problem: Auch die Notaufzeichnungen auf dem Bordcomputer reichen nur bis 23.36 Uhr des 13. Januars. Zwei Stunden zuvor war das Schiff auf die Felsen gestoßen und leck gelaufen. Außer den Computerdaten gibt es keinerlei Aufzeichnungen zur Havarie.

Der Zeitung zufolge ist es nicht das erste Mal, dass es Probleme mit der Blackbox gab. Sie zitiert aus einer E-Mail an die Software-Firma Fabio Fiorucci, in der sich der für die Schiffstechnik verantwortliche Costa-Mitarbeiter Pierfrancesco Ferro verärgert äußert: "Guten Tag, zum x-ten Mal ist der Schiffsdatenschreiber der Concordia wegen eines Festplattenfehlers kaputtgegangen. Die Situation wird wirklich unhaltbar, und es ist undenkbar, weiterhin so viel Geld auszugeben ohne eine Lösung."

Die Reederei Costa Crociere wies die Vorwürfe zurück. Die Blackbox habe "lediglich einen Fehler-Code angezeigt". Dies bedeute aber nicht, dass das Instrument nicht funktioniert habe. "Es gibt keine internationalen Vorschriften, die einem Schiff unter solchen Bedingungen eine Fahrt verbieten." Die Zeitung verwies jedoch auf international geltenden Schifffahrtsregeln, wonach Schiffe nur mit komplett funktionierenden Geräten fahren dürfen.

Die "Costa Concordia" war am 13. Januar vor der Insel Giglio im Westen Italiens auf Grund gelaufen, leck geschlagen und gekentert. Bei dem Unglück kamen mindestens 30 Menschen ums Leben. Grund für das Unglück war vermutlich ein Fehler des Kapitäns, der zu nah an die Insel herangefahren war: Francesco Schettino muss sich wegen fahrlässiger Tötung, Schiffbruchs und frühzeitigen Verlassens des Schiffs vor Gericht verantworten.

aar/dpa/AFP

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katzekaterkarlo 03.07.2012
1. Immer wieder interessant ...
... welchen Dilettanten man sein Leben in die Hand drückt.
Stäffelesrutscher 03.07.2012
2.
»Die Reederei Costa Crociere wies die Vorwürfe zurück. Die Blackbox habe "lediglich einen Fehler-Code angezeigt". Dies bedeute aber nicht, dass das Instrument nicht funktioniert habe. "Es gibt keine internationalen Vorschriften, die einem Schiff unter solchen Bedingungen eine Fahrt verbieten."« Gibt es diese Firma noch? Wirbt sie noch um Kunden? Au weia.
Sapientia 03.07.2012
3. Voyage Data Recorder
Zitat von Stäffelesrutscher»Die Reederei Costa Crociere wies die Vorwürfe zurück. Die Blackbox habe "lediglich einen Fehler-Code angezeigt". Dies bedeute aber nicht, dass das Instrument nicht funktioniert habe. "Es gibt keine internationalen Vorschriften, die einem Schiff unter solchen Bedingungen eine Fahrt verbieten."« Gibt es diese Firma noch? Wirbt sie noch um Kunden? Au weia.
heißen die Dinger. Sie haben häufig ne Macke. Aber mit AEG: Ausschalten-Einschalten-Geht nbekommt man sie meist wieder zum Laufen. Nimand an Bord ist scharf darauf, daß sie funktionieren. Wenn aber port-state-control kommt oder externe audits anstehen, kommt meist vorher noch ein Service, damit alles clean ist.
ente_in_filzlatschen 03.07.2012
4.
Zitat von sysopDPANoch immer ist unklar, wie genau es zur Havarie der "Costa Concordia" kommen konnte. Antworten sollte die Blackbox liefern. Doch eine Zeitung berichtet nun, was schon lange vermutet wurde: Der Reisedatenschreiber war demnach defekt. Die Reederei bestreitet dies. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,842407,00.html
Es gibt Zufälle.. nun werden wir nie herausfinden, was in dieser Nacht wirklich geschah. So ein Mist aber auch. Ein Schelm...
Hamberliner 03.07.2012
5. Re: Voyage Data Recorder
Zitat von Sapientiaheißen die Dinger. Sie haben häufig ne Macke. Aber mit AEG: Ausschalten-Einschalten-Geht nbekommt man sie meist wieder zum Laufen. Nimand an Bord ist scharf darauf, daß sie funktionieren. Wenn aber port-state-control kommt oder externe audits anstehen, kommt meist vorher noch ein Service, damit alles clean ist.
Auch nicht die Passagiere? Nanu?
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