Schilderkrieg in Winsen 150 Meter vor, 150 Meter zurück

Es klingt wie ein Streich der Schildbürger: Kreisverwaltung und Bürger haben im Streit um die Größe des Dorfes Winsen mehrfach die Ortstafel versetzt. Inzwischen ruft die Provinzposse sogar die Kriminalpolizei auf den Plan.
Ortsschild in Winsen, Protestplakat: Ein Dorf "kocht vor Wut"

Ortsschild in Winsen, Protestplakat: Ein Dorf "kocht vor Wut"

Foto: Christian Charisius/ dpa

Winsen/Bad Segeberg - Wo genau beginnt das Dorf Winsen bei Bad Segeberg in Schleswig-Holstein? Die Kreisbehörde meint: erst da, wo die geschlossene Bebauung beginnt. Also ließ sie das Ortsschild versetzen, um 150 Meter. Die Bewohner wehren sich jedoch gegen diese "Verkleinerung" ihres Dorfes. Sie stellten das Schild an seinen ursprünglichen Ort zurück, dorthin, wo es schon immer stand, genau: seit 1959. Daraufhin ließ die Kreisverkehrsaufsicht das Schild erneut umstellen. Laut "Kieler Nachrichten" wiederholte sich das Spiel bis heute 14 Mal.

Inzwischen hat die Provinzposse ums Ortsschild sogar die Kriminalpolizei auf den Plan gerufen, weil Unbekannte die gelbe Tafel mit einer Metallsäge umgelegt hatten. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und hat heimlich eine Überwachungskamera installiert - ausgerechnet am Gartenzaun von Winsens Bürgermeister Kurt Bonekamp. Der will den Kreis verklagen. "Wir werden bis vor das Verwaltungsgericht ziehen", kündigte Bonekamp in den "Kieler Nachrichten"  an.

Die Landrätin des Kreises Segeberg, Jutta Hartwieg, zeigte zwar Verständnis, dass die rund 400 Einwohner von Winsen sich ärgern. Doch sie stellte sich zugleich hinter die Verkehrsaufsicht: die Behörde handle auf der Grundlage geltenden Rechts.

mon/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.