Schräger Flugversuch Gartenstuhl schwebt 380 Kilometer weit

Manche sammeln Modellautos, andere Briefmarken - und wieder andere gehen zum Zeitvertreib in die Luft. Kent Couch ist so einer: Mit einem dank Luftballons fliegenden Gartenstuhl erfüllte sich der US-Amerikaner einen Traum.


Bend/Hamburg - Kent Couch küsste ein letztes Mal Frau und Kinder, streichelte seinen Chihuahua, dann gaben ihm seine Helfer einen letzten Schubser - und Mister Couch steuerte auf seinem fliegenden Gartenstuhl vorbei an den Straßenlaternen seiner Heimatstadt Bend im US-Bundesstaat Oregon.

Rund neun Stunden später landete Couch sicher in dem Dorf Cambridge in Idaho, indem er jeden einzelnen der 150 mit Helium gefüllten Luftballons, die seinen Gartenstuhl trugen, nacheinander mit dem Gewehr abschoss. Auf dem Boden wurde er begeistert empfangen. "Die Leute liefen mit Kameras die Straße hinunter", sagte ein Bewohner, Mark Hetz. "Sie redeten und lachten."

380 Kilometer weit hatten die Ballons Couch getragen, er schwebte mit seinem Gartenstuhl sogar über die Staatengrenze von Oregon nach Idaho. Der 48 Jahre alte Tankstellenbesitzer aus Bend sagte vor dem Start: "Wenn ich die Zeit, das Geld und die Leute hätte, dann würde ich das jedes Wochenende machen." Die Faszination Gartenstuhl-Fliegen erklärte er so: "Von da oben sieht alles ganz anders aus. Man bewegt sich so langsam. Das ist der Frieden, die Gelassenheit."

Es war bereits sein dritter Versuch dieser Art. "Er ist verrückt", sagte seine Frau Susan. Doch offenbar hat Mrs. Couch ein Faible für Wahnsinn: "Es gab keinen einzigen langweiligen Moment, seit ich ihn geheiratet habe."

Couchs erster Versuch mit dem fliegenden Gartenstuhl scheiterte 2006: Er musste mit dem Fallschirm abspringen, weil zu viele Luftballons geplatzt waren. Im vergangenen Jahr kam er rund 310 Kilometer weit und hatte sein Ziel, die Grenze zwischen Oregon und Idaho, schon vor Augen. "Ich höre nicht eher auf, bis ich diesen Staat verlassen habe", gab sich Couch damals fest entschlossen.

Um sein Ziel zu erreichen, bestellte er noch mehr Ballons. Dutzende Freiwillige befüllten seine Fluggeräte mit einem Durchmesser von 1,50 Meter mit Helium und banden sie zusammen. Jeder einzelne Ballon trägt zwei Kilogramm Gewicht.

Zur Sicherheit hatte Couch nicht nur einen Fallschirm, sondern auch Satellitennavigationsgeräte, einen Höhenmesser und ein Telefon dabei - sowie Wegzehrung. Um die lange Zeit in der Luft zu überstehen, nahm er hartgekochte Eier, Dörrfleisch und Schokolade mit. Der Flug kostete seinen Schätzungen zufolge rund 6000 Dollar (rund 3800 Euro), die von Sponsoren übernommen wurden.

tdo/AP



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