Schützenfeste Antidiskriminierungsstelle überprüft Verbot schwuler Königspaare

Das umstrittene Verbot homosexueller Königspaare beim zweitgrößten deutschen Schützenverband wird rechtlich untersucht. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll klären, ob ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz vorliegt.

Schützenkönig Dirk Winter (rechts): Thron-Verbot für Lebensgefährten (links)
DPA

Schützenkönig Dirk Winter (rechts): Thron-Verbot für Lebensgefährten (links)


Leverkusen/Berlin - "Wir prüfen derzeit, ob die neue Satzung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz darstellt", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, am Montag. Der katholische Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften hatte am Sonntag in Leverkusen mit breiter Mehrheit schwule Königspaare in den eigenen Reihen verboten.

Die Entscheidung bezeichnete Lüders als "intolerant und einen Akt der Wirklichkeitsverweigerung. Wir leben doch nicht mehr im 19. Jahrhundert", kritisierte Lüders. Eingetragene Lebenspartnerschaften seien in Deutschland mittlerweile gesellschaftliche Realität. "Die Schützen grenzen mit dieser Entscheidung ihre eigenen homosexuellen Mitglieder aus", sagte sie.

Lesben und Schwule hatten landesweit empört auf die Entscheidung des Schützenbundes, homosexuelle Königspaare zu verbieten, reagiert: "Das ist außerordentlich bedauerlich und auch peinlich", sagte eine Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD) am Montag in Berlin. "Der Schützenbund agiert ohne Respekt und gibt die ältesten Vorurteile zum Besten."

"Der Beschluss des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbrüder gehört historisch gesehen auf den Misthaufen", schimpfte der Parlamentarische Geschäftsführer und menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck. Intoleranz und Diskriminierung seien keine schützenswerten Traditionen. Auch dann nicht, wenn diese sich auf das Christentum beriefen. "Der Verband will eine Scheinrealität erhalten, in der Schwule möglichst unsichtbar bleiben sollen", ergänzte Beck. "Schwul sein gern, schwul leben nein", laute die Quintessenz der Schützenbrüder. Die Welt habe sich aber seit den sechziger Jahren auch in der katholischen Provinz weitergedreht.

Beck forderte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf, das Verbot zu prüfen. Er argumentierte: "Der Verein wird nicht von der katholischen Kirche getragen, also gilt für ihn das ganz normale Antidiskriminierungsrecht."

Der katholische Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wies die Vorwürfe zurück: "Wir diskriminieren keine Homosexuellen", sagte ein Sprecher. "Wir halten uns an unsere enge Bindung an die katholische Kirche", fügte er hinzu. Es gehe um die traditionelle Rolle von Mann und Frau.

Schwule Partner runter vom Thron

Der katholische Bund hatte mit breiter Mehrheit schwule Königspaare in den eigenen Reihen verboten. Zwar soll es weiterhin homosexuelle Schützenkönige geben dürfen. Deren Partner dürfen den Thron aber nicht besteigen. Der Antrag wurde mit 450 Ja-Stimmen angenommen. 28 Mitglieder sprachen sich dagegen aus, 18 enthielten sich.

Der Verband begründet den Schritt mit seinem katholischen Selbstverständnis. "Repräsentanten müssen durch ihr Auftreten zum Ausdruck bringen, dass sie die Grundsätze des christlichen Glaubens mittragen", hieß es in dem auf der Bundesvertreterversammlung beschlossenen Antrag. Das Sakrament der Ehe habe eine wesentlich tiefere Bedeutung als jede andere Lebenspartnerschaft.

Anlass für das Verbot war der Fall des Münsteraner Schützenkönigs Dirk Winter, der im vergangenen Sommer für Schlagzeilen gesorgt hatte. Als Kompromiss war sein Partner damals nicht in der ersten Reihe mitmarschiert, sondern hatte sich im Hintergrund gehalten. Den am Sonntag verabschiedeten Antrag hatten Schützen aus den Diözesen Paderborn und Münster eingereicht.

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zählt 400.000 Mitglieder und ist in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Thüringen aktiv. Eigenen Angaben zufolge ist er der größte traditionelle Schützen-Verband in Deutschland.

ala/AFP/dapd/dpa



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Seite 1
thinkrice 12.03.2012
1. Toleranz
Zitat von sysopDPADas umstrittene Verbot homosexueller Königspaare beim zweitgrößten deutschen Schützenverband wird rechtlich untersucht. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll klären, ob ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz vorliegt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,820911,00.html
Eine Unverschämtheit, dass die Schwulen und Lesben ausgegrenzt werden. Wir sind doch alle gleich, und sexuelle Präferenzen sind auch gleichwertig. Ob jetzt Mann, Frau, schwuler Mann, lesbische Frau, Kind, Hund, Katze, Schwein, Rind, Pferd, Esel, Gans, Mann Frau, Frau Mann, Mann Mann, Frau Frau, Mann Esel, Frau Hund, Mann Hund, Frau Pferd, Mann Kind, Frau Kind, ist doch letztendlich egal. Jeder sollte seine Präferenzen öffentlich ausleben dürfen! Gleichberechtigt! Ohne wenn und aber!
allereber 12.03.2012
2. Mittelalter.
Zitat von thinkriceEine Unverschämtheit, dass die Schwulen und Lesben ausgegrenzt werden. Wir sind doch alle gleich, und sexuelle Präferenzen sind auch gleichwertig. Ob jetzt Mann, Frau, schwuler Mann, lesbische Frau, Kind, Hund, Katze, Schwein, Rind, Pferd, Esel, Gans, Mann Frau, Frau Mann, Mann Mann, Frau Frau, Mann Esel, Frau Hund, Mann Hund, Frau Pferd, Mann Kind, Frau Kind, ist doch letztendlich egal. Jeder sollte seine Präferenzen öffentlich ausleben dürfen! Gleichberechtigt! Ohne wenn und aber!
Das es einen katholischen Schützenbund gibt, ist ein Witz. Wo ist das kath.Schwimmbad,das kath.WC;die katholische Feuerwehr und-und. Übrigens: Wenn es im Vatikan keine schwulen Feuerwehrmänner gebe, wäre der Petersdom schon längs abgefackelt.
die_piratenbraut 12.03.2012
3. Nix mit Gleichstellung in christlichen Einrichtungen
Zitat von sysopDPADas umstrittene Verbot homosexueller Königspaare beim zweitgrößten deutschen Schützenverband wird rechtlich untersucht. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll klären, ob ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz vorliegt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,820911,00.html
Vom Gesetzgeber ist es im Rahmen des allgemeinen Gleichstellungsgesetzes abgedeckt, wenn sich der Verband auf religiöse Freiheiten beruft. Er fällt dann unter christliche Einrichtung und kann schalten und walten, wie er will: AGG - Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (http://www.gesetze-im-internet.de/agg/BJNR189710006.html) "§ 9 Zulässige unterschiedliche Behandlung wegen der Religion oder Weltanschauung (1) Ungeachtet des § 8 ist eine unterschiedliche Behandlung wegen der Religion oder der Weltanschauung bei der Beschäftigung durch Religionsgemeinschaften, die ihnen zugeordneten Einrichtungen ohne Rücksicht auf ihre Rechtsform oder durch Vereinigungen, die sich die gemeinschaftliche Pflege einer Religion oder Weltanschauung zur Aufgabe machen, auch zulässig, wenn eine bestimmte Religion oder Weltanschauung unter Beachtung des Selbstverständnisses der jeweiligen Religionsgemeinschaft oder Vereinigung im Hinblick auf ihr Selbstbestimmungsrecht oder nach der Art der Tätigkeit eine gerechtfertigte berufliche Anforderung darstellt..."
der_rookie 12.03.2012
4. Hm
Zitat von die_piratenbrautVom Gesetzgeber ist es im Rahmen des allgemeinen Gleichstellungsgesetzes abgedeckt, wenn sich der Verband auf religiöse Freiheiten beruft. Er fällt dann unter christliche Einrichtung und kann schalten und walten, wie er will: AGG - Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (http://www.gesetze-im-internet.de/agg/BJNR189710006.html) "§ 9 Zulässige unterschiedliche Behandlung wegen der Religion oder Weltanschauung (1) Ungeachtet des § 8 ist eine unterschiedliche Behandlung wegen der Religion oder der Weltanschauung bei der Beschäftigung durch Religionsgemeinschaften, die ihnen zugeordneten Einrichtungen ohne Rücksicht auf ihre Rechtsform oder durch Vereinigungen, die sich die gemeinschaftliche Pflege einer Religion oder Weltanschauung zur Aufgabe machen, auch zulässig, wenn eine bestimmte Religion oder Weltanschauung unter Beachtung des Selbstverständnisses der jeweiligen Religionsgemeinschaft oder Vereinigung im Hinblick auf ihr Selbstbestimmungsrecht oder nach der Art der Tätigkeit eine gerechtfertigte berufliche Anforderung darstellt..."
Ich denke nicht, dass Ihre Argumentation juristisch trägt. Denn sonst hätte der Gesetzgeber jedem die Möglichkeit gegeben das AGG auszuhebeln.
altmannn 12.03.2012
5. Wo ist da eigentlich die Diskriminierung?
Zitat von sysopDPADas umstrittene Verbot homosexueller Königspaare beim zweitgrößten deutschen Schützenverband wird rechtlich untersucht. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll klären, ob ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz vorliegt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,820911,00.html
soweit ich mitbekommen habe, dürfen Schützenkönige und -Königinnen nach Aussage des Verbandes sexuell orientiert sein, wie sie wollen. Entscheidend ist, dass es jeweils eine Frau und ein Mann ist. Woanders heißt das einfach "Quote".
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