Schutz für Minderjährige Kinderärzte fordern Verbot von Tätowierungen und Piercings

Ein Glitzersteinchen im Bauchnabel, ein Ring in der Nase, ein Geweih über dem Po: Vor allem Jugendliche zieht es in Tattoo- und Piercingstudios. Doch der Grat zwischen Körperkunst und Körperverletzung ist schmal, warnen Kinderärzte - und fordern ein Verbot für unter 18-Jährige.


Frankfurt am Main - Deutschlands Kinderärzte fordern ein gesetzliches Verbot von Tätowierungen und Piercings bei Minderjährigen. Bis zu 20 Prozent dieser Eingriffe führten zu Komplikationen, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, der "Frankfurter Rundschau".

Zwischen Kunst und Körperverletzung
DPA

Zwischen Kunst und Körperverletzung

Es sei "nicht akzeptabel", dass fast die Hälfte der Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren und rund ein Viertel der Jungen "aus einer Laune heraus oder aus Gruppendruck" ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Auch sei es rücksichtslos, dass Eltern sogar Kleinkindern im Alter von unter drei Jahren Nasen-Piercings verpassen ließen. "Hier geht es um Eingriffe am gesunden Körper, für die es keinerlei medizinische Notwendigkeit gibt", sagte Hartmann.

Bei den vermeintlichen Verschönerungen in oft nicht kontrollierten Studios komme es vielfach zu schwerwiegenden Folgen, die von bakteriellen Entzündungen bis hin zu Hepatitis reichen könnten.

Minderjährige könnten "ihr Bedürfnis nach Anders-Sein auch anders ausleben als durch eine Verletzung", betonte der Kinderarzt. Schätzungen zufolge sind zehn Prozent der Tätowierten und Gepiercten jünger als 20 Jahre. Ein Fünftel der 9- bis 14-Jährigen wünscht sich, anders auszusehen.

Im Deutschen Bundestag findet am Mittwoch eine Anhörung zum Thema Missbräuche bei Schönheitsoperationen statt. Union und SPD pochen auf schärfere Vorgaben und Kontrollen.

Bereits 2003 hatte die EU-Kommission Bedarf gesehen, Formen der sogenannten Body Modification zu regeln - allerdings ohne dass bislang eine Entscheidung gefallen wäre. Immerhin muss Piercing-Schmuck nach einer EU-Verordnung aus nickelfreiem Stahl sein. Bei den Tattoo-Farben hat man sich nicht auf eine Negativliste für Tätowierungspigmente einigen können, wie sie ursprünglich vorgeschlagen worden war.

han/ddp



insgesamt 556 Beiträge
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Seite 1
grindin 23.04.2008
1.
Ich war eigentlich immer der Meinung, dass dies unter 18 sowieso der Zustimmung der Eltern bedarf...?
rewenya 23.04.2008
2.
Piercings würde ich aus dieser Regel heausnehmen, denn das Piercing hinterlässt nur eine kleine Narbe wenn es verheilt war herausgenommen wird. Tätowierungen bleiben allerdings für's Leben und wenn es nur die Narben nach eine Laserbehandlung sind, daher finde ich, dass man dies für Jugendliche unter 18 durchaus verbieten sollte.
frietz, 23.04.2008
3. nicht verbieten
einfach die folgenden behandlungskosten den eltern oder den gepiercten/tatowierten in rechnung stellen. entlastet die kk und regt manche eltern/jugendliche evtl zum nachdenken an, ob tatoos/piercings "nötig" sind.
rewenya 23.04.2008
4.
Zitat von grindinIch war eigentlich immer der Meinung, dass dies unter 18 sowieso der Zustimmung der Eltern bedarf...?
Eventuell geht es darum, dass Eltern dem nicht mehr zustimmen dürfen, damit gäbe es dann kein Tattoo unter 18 mehr.
loeweneule, 23.04.2008
5.
Zu viel Sonne macht Hautkrebs - Sonnenbad- und Asi-Toaster-Verbot für alle unter 18! Fast-food macht fett - Hamburger-Verbot für Minderjährige! etc... Am besten die lieben Kleinen einsperren bis zur Volljährigkeit. (Wenn die aber dann mit 18 zum ersten Mal rauskommen, dann gnade uns Gott! Zu Recht.)
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