Schwarze Magie Junge mit über 40 Nadeln im Körper notoperiert

Sein Stiefvater bohrte ihm Dutzende Nähnadeln in seinen kleinen Körper - angeblich in Trance. Nun konnten dem brasilianischen Jungen vier davon, die in der Lunge und nahe am Herzen steckten, entfernt werden. Einige davon waren voller Rost.


Rio de Janeiro - Nach der erfolgreichen Notoperation muss sich der Zweijährige in den kommenden Tagen drei weiteren Eingriffen unterziehen. Fast fünf Stunden lang entfernten Ärzte bisher vier Nadeln, die in einem Lungenflügel und gefährlich nahe am Herzen steckten. Einige seien rostig gewesen, was die Gefahr einer Entzündung verstärke, teilte das Krankenhaus in der zentralen Küstenstadt Salvador mit.

Die nächste Operation ist den Angaben zufolge für Montag geplant. Entfernt werden sollen Nadeln im Unterleib und in der Wirbelsäule des Zweijährigen. Die Ärzte seien zuversichtlich, dass das Kind stark genug für den Eingriff sei, sagte Krankenhaussprecherin Susy Moreno. Nach der ersten Notoperation befand sich der Junge in einem stabilen Zustand auf der Intensivstation.

In seinem Körper sollen sich insgesamt etwa 30 bis zu fünf Zentimeter lange Nadeln befinden. Die Behörden waren zunächst von bis zu 50 Stück ausgegangen. Die genaue Anzahl sei unklar, denn die Ärzte hätten sich zunächst auf jene konzentriert, die das Leben des Kindes bedrohten, sagte Moreno.

Der inzwischen festgenommene Stiefvater des Zweijährigen, Roberto Carlos M., gab laut Polizei zu, die Nähnadeln in das Kind hineingestoßen zu haben, und bezeichnete die Misshandlung als eine Art "Liebeszauber". Seine Geliebte habe ihn in Trance aufgefordert, die Nadeln in das Kind zu stecken, damit sie beide zusammenbleiben könnten, sagte der 30-Jährige laut Polizei.

M. gestand laut Polizei, den kleinen Jungen mehrmals in das Haus einer 47-jährigen Frau mitgenommen zu haben, die ein spirituelles Zentrum leitet.

Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die Geliebte mit der Misshandlung an der Mutter des Kindes rächen wollte. Das Paar wird aus Sicherheitsgründen an einem unbekannten Ort festgehalten, nachdem aufgebrachte Menschen die Polizeistation, in der es zunächst inhaftiert war, angegriffen hatten.

Die Mutter des Zweijährigen hatte ihn am 10. Dezember in eine Klinik gebracht, weil er über Schmerzen klagte. Beim Röntgen wurden dort die Nadeln entdeckt.

Brasilien ist ein überwiegend katholisches Land, jedoch sind Aberglaube und heidnische Kulte vor allem in den ärmeren nördlichen Regionen weit verbreitet.

jjc/APD



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