Schwarze Magie Stiefvater bohrte Jungen 42 Nadeln in den Körper

Mit rund 40 Nadeln im Körper war ein kleiner Junge in Brasilien in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Inzwischen hat der Stiefvater gestanden, dem Zweijährigen die Nadeln in den Körper gebohrt zu haben - in einem Ritual schwarzer Magie.


São Paulo - Der Zustand des Zweijährigen ist nach wie vor ernst. Die Mutter hatte das Kind am vergangenen Donnerstag mit starken Schmerzen in der nordostbrasilianischen Stadt Ibotirama in eine Klinik gebracht. Am Sonntag wurden beim Röntgen in einer weiteren Klinik insgesamt 42 Nadeln entdeckt - auch in lebenswichtigen Organen wie der Lunge und der Leber.

Zunächst war sogar von rund 50 metallischen Gegenständen die Rede gewesen. Einer Krankenhaussprecherin zufolge waren die Ärzte gleich sicher, dass das Kind die Nadeln nicht geschluckt hatte, da sich im Magen-Darm-Trakt keine fand.

Die brasilianische Polizei nahm nun den Stiefvater fest, der die Tat gestand. Der 30-jährige Roberto Carlos M. sagte, er habe sich an seiner Frau rächen wollen. Er sei von einer Geliebten zu der Tat angetrieben worden. Diese habe ihm geraten, das Kind mit einem Ritual schwarzer Magie zu töten, teilte ein Ermittler mit.

M., mit dem die 38-jährige Mutter erst seit sechs Monaten verheiratet ist, war am Dienstag abgetaucht, nachdem die Ermittler Verwandte des Kindes befragt hatten. Da hatte der Hilfsarbeiter noch abgestritten, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Die Mutter des Kindes brachte die Ermittler dann auf die Spur, als sie den Verdacht äußerte, ihr Mann könne den Jungen für ein religiöses Ritual missbraucht haben. Sie habe entsprechende Gegenstände in ihrem Haus gefunden, in dem sie mit ihren sechs Kindern, ihrer Mutter und ihrem nun festgenommenen Ehemann lebte. Daraufhin hatte die Polizei eine groß angelegte Suche gestartet und ihn ausfindig gemacht.

Junge muss am Herz operiert werden

M. gestand laut Polizei, den kleinen Jungen mehrmals in das Haus einer 47-jährigen Frau mitgenommen zu haben, die ein spirituelles Zentrum leitet. Diese habe ihn in Trance beauftragt, "die Nadeln in den Jungen zu bringen" - und er habe ihr gehorcht. Die Polizei nahm auch die 47-Jährige fest und führte eine weitere Frau ab.

In der Nacht versuchten etwa 150 Nachbarn, die Polizeistation in dem Ort zu stürmen, um die drei Tatverdächtigen zu lynchen. Sie warfen Steine auf das Gebäude, ein Fenster ging zu Bruch, ein Polizeiauto wurde beschädigt. Alle drei Gefangenen wurden daraufhin in eine Nachbarstadt verlegt.

Der Junge wurde unterdessen in ein Spezialkrankenhaus gebracht, da ihm zwei Nadeln aus einer Herzkammer entfernt werden müssen, wie ein Kliniksprecher mitteilte. Mediziner sprachen von einem "delikaten und schwierigen Eingriff". Anschließend sollte nach Angaben der Ärzte geprüft werden, ob weitere Nadeln entfernt werden müssten. Dies könnte aber noch gefährlicher sein als sie stecken zu lassen.

Brasilien ist ein überwiegend katholisches Land, jedoch sind Aberglaube und heidnische Kulte vor allem in den ärmeren nördlichen Regionen weit verbreitet.

siu/DAP/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.