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12. Dezember 2018, 12:46 Uhr

Pastorinnen in Schweden

"Wir wollten die Kirche von innen heraus verändern"

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40 Prozent der Geistlichen in der evangelisch-lutherischen Kirche in Schweden sind weiblich. Die Fotografin Juliette Robert hat sie bei der Arbeit und im Alltag begleitet.

Zum Mittagessen trifft sich Elin Hyldeen Gartner oft mit ihren Kolleginnen im Gretas, einem angesagten Café im Zentrum Stockholms. Bei einem Sandwich tauschen sich die Frauen über ihren Arbeitsalltag aus - sie sind Pastorinnen in der schwedischen Hauptstadt. In der evangelisch-lutherischen Kirche des Landes machen Frauen etwa 40 Prozent der Geistlichen aus.

Die Fotografin Juliette Robert hat gemeinsam mit der Journalistin Delphine Bauer zwanzig Pastorinnen getroffen, sich mit ihnen über ihre Erfahrungen unterhalten und ihren Alltag dokumentiert - auch jenseits des Jobs: Sie zeigt sie beim Einkaufen, beim Kaffeeklatsch mit Kolleginnen oder beim Spaziergang mit Freunden.

Die evangelisch-lutherische Schwedische Kirche hat rund 6,1 Millionen Mitglieder, rund 10 Millionen Einwohner leben in dem Land. Lange Zeit mussten sich Frauen mit dem Amt der Diakonin begnügen, 1960 wurden die ersten Frauen zur Pastorin geweiht. Anfangs gab es erheblichen Widerstand. "Als ich Theologie studierte, waren die meisten Jungen schockiert, mich in ihren Reihen zu sehen", sagt die 72-jährige Caroline Krook, ehemalige Bischöfin der Diözese Stockholm, die 1969 ordiniert wurde.

Frauen mussten hart kämpfen, um akzeptiert zu werden. Es war auch diese Herausforderung, die Eva Brunne, seit 2009 Bischöfin von Stockholm, dazu motivierte, Pastorin zu werden: "Wir wollten die Kirche von innen heraus verändern. Wir waren die Einzigen, die das tun konnten. Damals war alles sehr starr und konservativ." Seit den Achtzigerjahren sei es egal, ob ein Pastor oder eine Pastorin der Gemeinde vorstehe.

Dass Geistliche heute nicht mehr zwingend als Autoritätspersonen gesehen würden, sondern als einfühlsamer gälten, liegt laut der Fotografin auch an den Pastorinnen. "Die Frauen haben dazu beigetragen, das zu verändern", sagt die Fotografin. "Die Gesellschaft in Schweden hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt und ist offener geworden. So hat sich die Rolle des Pastors auch verändert."

In den höheren Ebenen der Kirchenhierarchie sind Männer allerdings immer noch meist unter sich - ein Großteil der derzeitigen Bischöfe sind männlich. "Doch das wird sich hoffentlich auch noch ändern", sagt Robert.

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