Berichte über verschleppte Kinder Schweden überprüft internationale Adoptionen der vergangenen 70 Jahre

Seit den Sechzigerjahren kamen etwa 60.000 Kinder zur Adoption nach Schweden. Alle diese Fälle sollen nun überprüft werden. Denn sie könnten unter anderem in Verbindung stehen mit Adoptionsskandalen in China und Chile.
Familie mit Kindern (Symbolbild)

Familie mit Kindern (Symbolbild)

Foto: Frank Leonhardt/ picture-alliance/ dpa

Nach Berichten über Zwangsadoptionen und Kindesentführungen lässt Schweden sämtliche internationalen Adoptionsverfahren des Landes aus den vergangenen 70 Jahren überprüfen. Dabei gehe es vor allem um Adoptionen aus China und Chile, wie Sozialministerin Lena Hallengren sagte. Es solle geprüft werden, ob es zu »Unregelmäßigkeiten« bei den Verfahren gekommen sei.

In schwedischen Medien hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Berichte über Kinder mit gefälschten Adoptionsunterlagen sowie über verschleppte Kinder und Zwangsadoptionen gegeben.

Seit Mitte der Sechzigerjahre wurden rund 60.000 Kinder aus dem Ausland zur Adoption nach Schweden vermittelt, die meisten stammten dabei aus Südkorea, Indien, Kolumbien und Sri Lanka. Aus China kamen mehr als 4000 Kinder nach Schweden.

Adoptionsskandale in China

Häufig gaben die chinesischen Behörden dabei laut einer Recherche der Zeitung »Dagens Nyheter«  an, die Babys seien von ihren Eltern ausgesetzt worden. Tatsächlich aber waren in China in den vergangenen Jahren mehrere Adoptionsskandale aufgeflogen, darunter auch die Verschleppung von Kindern.

In China galt damals noch die sogenannte Ein-Kind-Politik, Familien durften nur ein Kind haben. Kamen doch mehr Kinder in einer Familie zur Welt, wurden sie offenbar durch Beamte zur internationalen Adoption vermittelt.

In Chile prüft ein Sonderermittler seit 2018 mutmaßliche illegale Adoptionen in der Zeit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet in den Jahren zwischen 1973 und 1990.

Untersucht werden sollen die internationalen Adoptionen nach Schweden nun unter der Leitung der Familienrechtsexpertin Anna Singer von der Universität Uppsala. Das Ergebnis der Prüfungen soll im November 2023 vorgelegt werden.

ptz/AFP
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